Lichtblick für eine immer hilfsbereite Frau

In dieser Geschichte geht es um zwei Lichtblicke: Friederike Götz (57) ist der Lichtblick ihrer Familie, schwerkrank hilft sie bei der Tafel. Nun hat ihre Kollegin Stephanie Wolf sie vorgeschlagen und wird so ihrerseits zum Lichtblick.

Ein Lichtblick für den Lichtblick: Die krebskranke Friederike Götz (rechts) und ihre Kollegin Stephanie Wolf (links), mit im Bild Götz´ Tochter Tatjana.
von Gabi EichlProfil

Jahrelang ist Friederike Götz die starke Frau in ihrer Familie. Als ihre Tochter Tatjana (34) nach einer schweren Gewalttat, die sie bis heute nicht verkraftet hat, allein mit drei Kindern dasteht, arbeitet sie bis zum Umfallen. Sie fällt aber nicht um, sie wird gefällt. Von einer Krankheit, die im Dezember vergangenen Jahres diagnostiziert wird: Lungenkrebs. „Ich hab´ doch nie gedacht, dass mir so was passiert“, sagt Friederike Götz und muss schon wieder weinen. „Ich hab´ immer nur gearbeitet, meine Tochter braucht mich doch.“

Was wie aus einem Groschenroman klingt, ist für die Familie Götz-Hentschel Realität. Die starke Mutter, die bisher alles am Laufen gehalten hat, steht kurz vor einer erneuten Chemotherapie. Die Tochter bräuchte den Rückhalt der Mutter so dringend. Und auch für die drei Enkel July (13), Kevin (16) und Michelle (18) ist es schwer, die Oma so leidend im Bett liegen zu sehen. Michelle ist ihrerseits gerade eben Mutter geworden; die wenige Wochen alte Urenkelin Aliyah bekommt noch nichts mit von der drangvollen Enge in der zu kleinen Wohnung, von den Schmerzen der Urgroßmutter im Zimmer nebenan.

Friederike Götz scheint sich weniger Gedanken zu machen über den Fortgang ihrer Krankheit als darüber, was aus ihrer Familie wird. Vor wenigen Tagen hat sie erfahren, dass der Tumor in der Lunge wieder gewachsen ist. Weinen und Lachen liegen in diesen Tagen ganz nah beieinander. Das Weinen überwiegt. Als die 13-jährige July ins Zimmer kommt, sagt sie unter Tränen: „Das ist mein Lichtblick.“

Es klingt so kitschig, davon zu berichten. Aber es ist nur ein winziger Ausschnitt aus dem Leben einer Familie fernab einer Mittelschicht-Sicherheit.

Friederike Götz tut sich mit dem Sprechen schwer, Nachwirkungen der letzten Chemotherapie, und sie hat Schmerzen, wenn sie sich bewegt, der Tumor hat schon in die Knochen gestreut. Mutter und Tochter entschuldigen sich, weil sie immer wieder weinen müssen. Es sei alles so schnell gegangen, sagen sie. Erst nur eine Lungenentzündung, dann die Diagnose Krebs.

Der Lichtblick liegt jetzt unfreiwillig untätig im Bett, da wird eine Kollegin, die Taxifahrerin Stephanie Wolf, zum Lichtblick. Sie hat Friederike Götz für die Aktion der Oberpfalzmedien vorgeschlagen, weil sie weiß, was diese für ihre Familie getan hat. Nicht einmal ein gebrochenes Bein konnte „Rike“, wie Freunde sie nennen, davon abhalten, täglich zur Stelle zu sein. Arbeiten, arbeiten, arbeiten, für Rike Götz ganz normal. Als sie nach der Diagnose im Krankenstand war, ging sie zweimal wöchentlich zur Tafel - um dort auszuhelfen. „Ich wollte was für andere tun“, sagt sie.

„Warum tust du das, du hast doch nichts davon?“, fragt Friederike Götz ihre Freundin Stephanie. „Weil ich mich freu´, wenn andere sich freuen“, sagt die, die mit Götz´ Tochter Tatjana einkaufen geht oder einfach mal ein Eis vorbeibringt. Ein Lichtblick für den Lichtblick. So kitschig es klingt.

Info:

Friederike Götz ist ein Arbeitstier. Seit ihre Tochter Tatjana durch eine schwere Gewalttat in Frührente ist, arbeitet sie Tag und Nacht, um die Tochter und deren drei Kinder durch das Leben zu bringen. Götz geht einer Vollzeitbeschäftigung bei Seltmann Weiden nach, putzt nach Arbeitsschluss in der Berufsschule und fährt nachts Taxi, bis sie nach Jahren in die Taxi-Zentrale wechselt. Dann im Winter vergangenen Jahres die niederschmetternde Diagnose: Lungenkrebs. Ihr Zustand verschlechtert sich, aber Nichtstun kommt nicht in Frage. Friederike Götz bietet der Weidener Tafel ihre Hilfe an, hilft zweimal in der Woche mit, bis sie auch diesen ehrenamtlichen Dienst nicht mehr schafft. Der Lichtblick der Familie braucht nun selbst einen Lichtblick.

Info:

Nachtrag

Nur drei Wochen nach Veröffentlichung ihrer Geschichte bei Oberpfalz-Medien musste Friederike Götz, die starke Mutter und Großmutter, sich dem Krebs geschlagen geben. Sie ist am Abend des 7. Septembers 2019 nach Angaben ihrer Familie friedlich eingeschlafen. Um ihre „Rike“ trauern Tochter Tatjana, die Enkel Michelle, July und Kevin. Die erst wenige Wochen alte Urenkelin Aliyah wird sich nicht erinnern, sie wird die Uroma aber aus vielen Erzählungen kennenlernen.

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