Interview mit Katja Rosin: Nach Schauspielweiden frischer Wind in "Sturm der Liebe"

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Katja Rosin gehörte zum Stamm-Ensemble von Schauspielweiden, stand bei sechs Stücken auf der Bühne. Jetzt ist die 40-jährige Schauspielerin in einem ganz anderen Genre zu sehen: Ab diesem Montag in der ARD-Serie "Sturm der Liebe".

Selina (Katja Rosin) trifft bei einer Oldtimer-Rallye Christoph (Dieter Bach) in „Sturm der Liebe“ (Montag, 15.10 Uhr/ARD).
von Frank Werner Kontakt Profil

ONETZ: Sie starten als Selina von Thalheim in "Sturm der Liebe". Wie kam es zu dem Engagement?

Katja Rosin: Ende Mai bekam ich von meiner Agentur eine Einladung zu einem E-Casting für eine neue Hauptrolle. Beim E - Casting dreht man eine Szene zu Hause im Wohnzimmer oder im Garten, zum Beispiel mit dem Smartphone und schickt die Aufnahme an das Castingbüro. Gesagt, getan! Kids in den Kindergarten gebracht und los ging`s. Das Casting kam gut an und kurz darauf war ich zum Vorsprechen in die Bavaria Studios in München eingeladen. Wenig später bekam ich den Anruf, dass es geklappt hat und 3 Wochen später hieß es vorm Fürstenhof schon: „Und bitte“!

ONETZ: Fast schon 3500 Folgen gibt es von der Telenovela. Hand aufs Herz. Wie viele Folgen haben Sie gesehen?

Katja Rosin: Alle! ;-) Nein, natürlich nicht. Aber als ‚Sturm der Liebe‘ startete, habe ich die Story eine ganze Weile verfolgt. Und seit ich selbst involviert bin, schaue ich natürlich jeden Tag. Ich komme also auf schätzungsweise 300 Folgen.

ONETZ: "Sturm der Liebe" ist ein Evergreen. Stellen Sie sich auf eine "ewige Liebe" und Dauerrolle in der Serie ein?

Katja Rosin: Darauf stelle ich mich generell nicht ein, denn das Schauspielerdasein ist seit eh und je schwer planbar. Dass sich dieses herausfordernde Jahr so schön für mich entwickelt hat, ist wunderbar. Ich werde die Zeit bei ‚Sturm der Liebe‘ einfach so lange genießen, wie es für mich und den Fürstenhof geht.

ONETZ: Als Theaterschauspielerin habe Sie viele anspruchsvolle Rollen gespielt. Ist der Schritt zur "leichten Kost" nicht ein Wagnis?

Katja Rosin : Vielleicht ist es ein Wagnis, aber bestimmt keines, dass man nicht eingehen sollte. Es war es schon immer besser eine Erfahrung zu machen, als nur zu warten, was als nächstes kommt. Oft ergibt sich eins aus dem anderen. Im Grunde ist jeder Drehtag, jedes Engagement ein Geschenk. Und durch das hohe Arbeitspensum stehe ich im Vergleich zu anderen Produktionen viel mehr vor der Kamera und lerne sehr viel. Zum anderen gibt es nach wie vor zu viele Schauspieler für zu wenige Jobs. Wir können uns gar nicht alle auf den deutschen Bühnen tummeln oder am Set vom Tatort. Leichtere Kost hat ebenso ihre Berechtigung wie andere Formate. Täglich schaut ein Millionen-Publikum zu, "Sturm der Liebe" hat eine riesige Fangemeinde und wird in über 20 Länder verkauft. Man braucht nur die Briefe der Fans lesen, um zu erfahren, wieviel ihnen die Geschichten um den Fürstenhof geben.

ONETZ: Sie haben mehrfach für Schauspielweiden auf der Bühne gestanden. Nach dem Tod von Gründer Stephan Brunner vor mehr als vier Jahren gab es kein Stück mehr. Ihre Erinnerungen an Weiden?

Katja Rosin: An Weiden denke ich sehr gerne und heute natürlich auch wehmütig zurück. Stephan Brunner war mein erster Kontakt zu Schauspielweiden und ich weiss noch ganz genau, wie er in meiner Berliner Küche saß und mich für das erste Stück „Blaubart“ begeistert hat. Es wurden für mich dann sechs Stücke mit 4 Regisseuren und eine szenische Lesung, die meisten Arbeiten mit Jens Zörner, mit dem ich bis heute im Kontakt bin. Stephan Brunner fehlt, nicht umsonst gab es bisher keine weitere Produktion. Er war die Verbindung zur Stadt Weiden, ein Macher mit großer Vision. Und eines konnte er sehr gut: Menschen zusammenbringen - und auch das nötige Geld, das es nunmal braucht. Zu jeder, wirklich jeder Produktion gab es einen gemeinsamen Ausflug in die Therme mit anschließendem Essen in der Zoigl-Wirtschaft. Legendär!

ONETZ: Was war ihr Lieblingsstück von Schauspielweiden?

Katja Rosin: „Bash“ von Neil LaBute war mein Lieblingsstück mit einer meiner persönlich wichtigsten Rollen, gefolgt von Antigone. Aber auch Letzter Aufruf war eine besondere Produktion, die Musik vom „TangoProjekt 5“ ist mir noch heute im Ohr. Das man danach unterschiedliche Wege eingeschlagen hat, habe ich immer bedauert. Shakespeares „Henry“ war für mich die letzte Inszenierung. Ein tolles Stück mit tollen Kollegen – und das Letzte mit Stephan.

ONETZ: Theater in der Provinz ist immer problematisch. Haben Sie Tipps für die lokale Kulturszene?

Katja Rosin : Mutig sein, etwas wagen! Schauspielweiden hat Theater an sehr ungewöhnlichen Spielorten gemacht – die Zuschauer lieben das. Also: auf in die Tiefgaragen und Schwimmhallen!

ONETZ: Corona hat die meisten Schauspieler und Theater in Existenznöte gebracht. Finden Sie die staatliche Unterstützung ausreichend?

Katja Rosin : Nein, denn es kam doch stark darauf an, wo man in welchen Umständen steckte. Zunächst kam ja die staatliche Unterstützung in Form von Soforthilfe schnell an, jedoch hat hier jedes Bundesland seine eigenen Vergaberichtlinien gehabt. Meine Freunde und Kollegen bekamen vom Land Berlin (bis der Topf erschöpft war) 5000€. Das war super! Ich selbst lebte aber in einem anderen Bundesland, wo man mir 400€ bewilligte. Aber viel schwieriger war, dass man beim darauffolgenden Hilfsprogramm der Bundesregierung die sogenannten Soloselbstständigen zum Teil völlig überging, denn es war nicht möglich, Lebenserhaltungskosten geltend zu machen. Dies sind jedoch genau die Kosten, die ein Sänger, Schauspieler, oder Musiker hat. Das Instrument ist man selbst – was nützt es mir also, Kosten für Gewerbemiete, Versicherung und Strom beantragen zu können, die ich nicht habe? Ich verdiene Geld, um meine Wohnung und die Versorgung für mich und meine Kinder zu bezahlen. Dafür gab es nur den Arbeitslosengeld II-Antrag. Trotz Aufschrei aus der Branche wurde daran nicht geändert. Zum Schluss war Geld übrig, weil viele gar nicht beantragen konnten. Aber weg von den Staatshilfen zu den deutschen Bühnen: dort wurden die Schauspieler auch ganz unterschiedlich behandelt, obwohl der Deutsche Bühnenverein zur Solidarität mit den Künstlern aufrief, die stattlichen Fördergelder vorhanden waren und die Einnahmen, die ja wegfielen, lediglich 20% ausmachen. Ich selbst war gerade einen Probentag an einem staatlich geförderten Stadttheater im Engagement, als der Lockdown kam und wurde bis heute nicht bezahlt.

ONETZ: Bleibt neben "Sturm der Liebe" künftig überhaupt noch Zeit fürs Theater?

Katja Rosin: Nein, leider nicht, aber das ist auch okay so. Es gibt sicher eine Zeit nach dem „Sturm“ - und Angebote nehme ich jetzt schon sehr gern entgegen! ;-)

Zur Person:

Katja Rosin

Katja Rosin wuchs in Berlin auf. Die 40-Jährige absolvierte ihre Schauspielausbildung an der „Berliner Schule für Schauspiel“. Es folgten zahlreiche Theaterengagements, unter anderem „Der Kirschgarten“ und „Der Vorname“. Bei Schauspielweiden spielte sie von 2006 bis 2014. Außerdem war sie mehrfach im TV zu sehen u.a. in „Die Ex bin ich“ und“„Wilsberg“.

Katja Rosin
Hintergrund:

Schauspielweiden

Nach der Gründung von Schauspielweiden im Jahr 2006 inszenierte die Truppe um den Macher Stephan Brunner zehn Stücke an ungewöhnlichen Orten, zum Beispiel in einer Tiefgarage („Blaubart“), in einer Kirche „Henry V.“ oder im alten „Hertie“-Gebäude („Pizza Man“). Seit dem Tod von Stephan Brunner im März 2016 ruhen die Aktivitäten.

"Pizza Man" im Weidener "Hertie" mit Julia Romanova (unten) und Katja Rosin .

Zum Tode von Stephan Brunner

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