Corona sorgt für Streit auf Waldwegen

Im Wald wird´s eng. Seit der Coronakrise sind vermehrt Wanderer und Radfahrer auf den Oberpfälzer Waldwegen unterwegs. Immer häufiger kommt es zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen den Ausflüglern.

Mountainbikes haben selten Fahrradklingeln. Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb es häufiger zu Streit mit Fußgängern kommt.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Zugeparkte Straßen, Müll und Lärm. Von ruhiger Idylle keine Spur. Damit haben vor allem bekannte bayerische Erholungsziele zu kämpfen. Immer mehr Forstwirte schlagen Alarm aus Sorge um die Natur. Auch abseits der Touristen-Hotspots sind seit Corona vermehrt Radfahrer und Wanderer in den Wäldern unterwegs. Die Oberpfälzer Forstbetriebe sehen die Situation momentan entspannt. Denn "ein Großteil der Waldbesucher im oberpfälzischen Staatsforst weiß sich zu benehmen", sagt der Forstbetriebsleiter von Flossenbürg Stefan Bösl. Streit entsteht oft wo anders.

Seit der Coronakrise heizen immer mehr Mountainbiker mit einem Affentempo durch den Wald. Das macht sich auch im Staatswald von Flossenbürg bemerkbar. Forstbetriebsleiter Stefan Bösel stören die Biker allerdings wenig, solange sie sich an die ausgeschriebenen Wege halten. In letzter Zeit seien aber immer mehr Beschwerden von Wanderern über den rücksichtslosen Fahrstil vieler Mountainbiker bei ihm eingegangen. Schwierig wird es auch, wenn sich Neulinge mit dem Fahrrad in den Wald wagen. "Ein Problem sind dabei vor allem E-Bike Fahrer", sagt der langjährige Mountainbike-Tourguide Matthias Lenk. Die Pedelec-Branche habe seit Corona einen regelrechten Boom erlebt, besonders die E-Mountainbikes seien beliebter denn je. Doch laut Lenk wisse nicht jeder sein motorisiertes Fahrrad richtig zu nutzen. "Mit einem Elektroantrieb bezwingt man zwar jeden Berg, doch bei einer steilen Abfahrt bekommt so manch einer Muffensausen. Falsches Bremsen und ein unsicherer Fahrstil können schädliche Spuren in der Natur hinterlassen", erklärt Lenk. Das stört nicht nur die Forstwirte. Auch viele Wanderer sehen in Mountainbikern die größeren Umweltsünder.

Fragt man einen Mountainbiker, dann liegt das Problem allerdings wo anders. Wo früher nur vereinzelt Ausflügler unterwegs waren, laufen in letzter Zeit immer mehr Spaziergänger im Wald umher. Ohne Rücksicht trampeln sie durch die Natur und suchen sich neue Wege. An schönen Aussichtspunkten lassen sie ihre Bierflaschen liegen und viele weigern sich, für Radfahrer Platz zu machen. Mountainbiker Matthias Lenk musste schon die ein oder andere Streitsituation bei seinen Touren durch die Oberpfalz schlichten. Immer öfter wird er von Wanderern angegangen die sich von den Bikern gestört fühlen. So schieben sich alle gegenseitig die Schuld an ausgetretenen Waldwegen und zerstörter Umwelt zu.

Fest steht, immer mehr Wanderer und Mountainbiker sind im Oberpfälzer Staatswald unterwegs. Da kann es oftmals etwas enger auf den Wegen werden. "Wenn sich dann auch noch jeder im Recht sieht, kann es schonmal zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen den Waldbesuchern kommen", erklärt Forstbetriebsleiter Stefan Bösl. Er sieht die Situation aber gelassen. Es wird immer wieder zu kleinen Reibereien kommen. Aber den meisten liegt die Natur am Herzen und sie sind aus den selben Gründen im Wald unterwegs: Frische Luft, Bewegung und Erholung. Wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen und der erhalt der Natur an erster Stelle steht, dann könne man Streit im Wald vermeiden. "Es geht nur miteinander.", sagt auch Matthias Lenk.

Kommentar:

Mountainbiker wollen auch nur Erholung

Im Bayerischen Waldgesetz (BayWaldG) wird geregelt, dass jeder den Wald zu Erholungszwecken betreten darf. Betreten - genau da liegt das Problem. Mit zwei Rädern unterm Hintern sucht man scheinbar keine Erholung. Denn dort, wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist Mountainbiken verboten. Das schränkt das Walderlebnis für Biker oftmals enorm ein.
Carbonrahmen, hydraulische Scheibenbremsen und Reifen mit extra Grip für ein besonderes Flow-Erlebnis. Solche "Smarte"-Details möchte man natürlich nicht auf asphaltierten Straßen testen. Mit dem Porsche in einer verkehrsberuhigten Zone entsteht schließlich auch kein richtiges Fahrgefühl. Aber wo fährt man dann, um alles aus sich und seinem Rad herauszuholen?
Die ausgeschriebenen Wege muss man meist mit anderen Waldbesuchern teilen. Nicht nur die Wanderer fühlen sich so in ihrer Erholung gestört. Wenn Mountainbiker eine Wahl hätten, würden die meisten bestimmt auch ein Aufeinandertreffen mit Streitlustigen vermeiden. Doch das wird mit immer mehr Waldbesuchern immer schwerer.
Mehr Biker im Wald sollte aber auch bedeuten: mehr Wege, die sie nutzen dürfen. Daran scheitert es vieler Orts noch. Die Biker, die nicht auf illegale Trails ausweichen, müssen sich zum Dank auch noch wüste Beschimpfungen von Spaziergängern anhören. Dabei wollen sie alle auch nur Erholung. Zwar mit etwas mehr Wind um die Nase und mehr Tempo, aber trotzdem mit Rücksicht auf die Natur.

Mareike Schwab

 

 

Kommentare

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Franz Wölfl

Warum keine Klingel am Mountainbike? Weil diese das Gesamtgewicht unverhältnismäßig erhöhen würde!
Dabei ist es egal, ob Pedelec oder richtiges Fahrrad, oder ob man selbst 75 oder 96 kg wiegt!

25.08.2020