Corona-Infektion im Krankenhaus: Wie groß ist das Risiko?

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Wer ins Krankenhaus muss, erwartet, dass ihm dort geholfen wird und nicht, dass er sich eine weitere Krankheit zuzieht. Trotz aller Maßnahmen lässt sich das in der Corona-Pandemie aber nicht immer vermeiden. Beispiele und Erklärungen.

Medizinisches Personal arbeitet auf einer Intensivstation in einem Zimmer mit Covid-19-Patienten.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Kommt es vor, dass sich Patienten im Krankenhaus mit Corona infizieren?

Ja, das lässt sich nicht völlig ausschließen, heißt es bei Krankenhäusern und Gesundheitsämtern in der Region. "Dadurch, dass wir mögliche Infektionsursachen bei Covid-Infizierten recherchieren, sind uns Fälle bekannt, die sich mutmaßlich im Krankenhaus angesteckt haben", teilte das Landratsamt Neustadt/WN auf Anfrage mit. Das Gesundheitsamt für den Landkreis Neustadt und die Stadt Weiden führt "diesbezüglich allerdings keine Statistik" und könne daher keine Zahlen nennen. "Es ist allerdings nur ein sehr kleiner Teil der uns gemeldeten Fälle", teilte Sprecherin Claudia Prößl weiter mit. Von wenigen Fällen spricht auch das Klinikum Nordoberpfalz in Weiden. "Im Vergleich zur Anzahl der bisher behandelten Covid-19-Patienten während der ersten und zweiten Welle ... handelt es sich um eine sehr geringe Anzahl", teilte es auf Anfrage mit. Sowohl im Frühjahr als auch derzeit gibt es in den Kreisen Tirschenreuth und Neustadt/WN, sowie in der Stadt Weiden eine hohe Zahl von Ansteckungen. Entsprechend viele Corona-Patienten müssen seit Wochen in den Häusern des Klinikums in Weiden und Tirschenreuth behandelt werden.

"In den letzten Wochen hatten wir keine solchen Fälle zu verzeichnen", teilte Sandra Dietl, Sprecherin des Klinikums St. Marien in Amberg, mit. Gleichwohl sagt auch sie, dass Infektionen nie völlig auszuschließen sind. Ähnlich äußert sich Marion Hausmann, Sprecherin des Krankenhauses St. Barbara in Schwandorf: "Weder im Krankenhaus St. Barbara Schwandorf noch vermutlich in irgendeiner anderen Klinik können nosokomiale Infektionen – also eine Infektion, die im Zuge eines Aufenthalts oder einer Behandlung in einem Krankenhaus auftritt – komplett ausgeschlossen werden." Roland Ganzmann, Vorstand des St. Anna Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg, berichtet, sie hätten noch nicht beobachtet, dass sich Patienten im Krankenhaus infiziert hätten. Allerdings habe es während der gesamten Pandemie Fälle gegeben, in denen "nach negativem Aufnahme-Test erst nach einigen Tagen Krankheits-Symptome aufgetreten sind".

Auf welchen Wegen kann es im Krankenhaus zu Corona-Infektionen kommen?

Quellen für Corona-Infektionen im Krankenhaus können andere Patienten, Besucher und das Personal sein. Wie das geschehen kann, erläutert Professor Dr. Bernd Salzberger, Leiter Infektiologie des Universitätsklinikum Regensburg und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, an einem Beispiel aus dem vergangenen Jahr. Sie hätten erlebt, dass ein Patient, der seit mehr als vier Wochen im Klinikum lag, Fieber und Husten bekommen habe und daraufhin positiv auf Corona getestet wurde. Damit sei klar gewesen, dass die Infektion im Krankenhaus erworben worden war. Eine Analyse habe die Ansteckungskette aufgedeckt: Die Frau des Patienten hatte die Infektion mitgebracht. Vom Patienten gingen dann weitere Infektionen aus, berichtet Professor Salzberger. Zwei Patienten und zwei Pflegekräfte der gleichen Station waren ebenfalls Corona-positiv. Zu diesem Zeitpunkt seien alle Beteiligten in Quarantäne geschickt und die Infektionskette gestoppt worden. An diesem Beispiel könne man alle Übertragungsmöglichkeiten sehen, sagt der Infektiologe. Ob aber "die Mitpatienten über den Umweg der Pflegekräfte oder direkt vom ersten Patienten angesteckt wurden, kann man nicht auflösen".

Von der mutmaßlichen Infektion eines Patienten im Klinikum Nordoberpfalz mit Corona im Januar, berichtet eine Angehörige. Laut dem vorläufigen Arztbrief war der Betreffende aus dem Kreis Neustadt/WN im Klinikum zweimal im Abstand von vier Tagen negativ getestet worden. Am fünften Tag, dem letzten seines Klinikaufenthalts stellte sich heraus, dass er Kontakt zu einem Mitpatienten hatte, dessen Corona-Test vom Vortag positiv ausgefallen war. Der Patient im fortgeschrittenen Alter wurde nach Hause entlassen und musste sich als Kontaktperson K1 zu Hause isolieren. Nach wenigen Tagen stellten sich Corona-Symptome ein, weshalb er erneut ins Klinikum gebracht wurde. Diesmal allerdings nicht nach Weiden sondern nach Tirschenreuth. Dort verstarb er. Auch in einem zweiten Fall berichten Angehörige von einer Corona-Infektion im Klinikum Weiden. Die Zimmernachbarin einer an einer Lungenembolie erkrankten Patientin hatte sich im Klinikum angesteckt, wie sich im Nachgang herausstellte. Inzwischen hat die Betroffene ihre Covid-19-Erkrankung überstanden, leidet aber weiter unter den Spätfolgen.

Wie reagiert das Krankenhaus, wenn eine Corona-Infektion auftritt?

Falls ein positiver Fall auftritt werde der Patient umgehend auf eine Covid-Station verlegt, heißt es vom Klinikum Nordoberpfalz. Zudem werde ein Aufnahme-Stopp für die Station erlassen und es erfolge "eine ausführliche Testung der gesamten Station. Eine normale Belegung wird erst wieder ermöglicht, wenn Patienten und Personal nach zehn Tagen jeweils negative Testergebnisse vorweisen."

Haben die hohen Ansteckungszahlen in der nördlichen Oberpfalz einen Einfluss auf das Situation in den Krankenhäusern?

Das Landratsamt Neustadt/WN verweist darauf, dass "durch die vergleichsweise hohe Inzidenz in der gesamten Bevölkerung, und das über einen deutlich längeren Zeitraum hinweg als im Frühjahr 2020, nach wie vor hohe Eintragsrisiken" bestehen. Das heißt, die Gefahr, dass die Krankheit unerkannt ins Krankenhaus getragen werden kann, steigt. Auch die Mutanten erhöhen das Risiko: "Hinzu kommt die bessere Übertragbarkeit durch Virusvarianten, die auch in dieser Region inzwischen vermehrt auftreten", teilte die Sprecherin mit.

Was ist die besondere Schwierigkeit bei Covid-19?

"Besondere Gefahren bei Corona stellen die hohe Ansteckungsgefahr, die symptomlose Inkubationszeit und die hohe Zahl an symptomlosen Infizierten dar", sagt Sandra Dietl, Sprecherin des Klinikums St Marien in Amberg. Dr. Roland Brey, Leiter des Gesundheitsamtes für den Landkreis Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg, weist darauf hin, dass bei Corona die "Inkubationszeit sehr variabel sein kann und es auch Verläufe ohne Symptome gibt". Man könne daher oft nicht unterscheiden, ob der Patient bereits infiziert war, auch wenn bei der Aufnahme ins Krankenhaus ein Test gemacht wird. Zudem könne das Ergebnis des Tests falsch negativ ausfallen und die Infektion werde dann erst später erkannt. „Die durchgeführten Tests ... stellen nur eine Momentaufnahme dar, denn selbst bei negativen Tests kann ein Patient bereits mit dem Virus infiziert sein, das Testergebnis jedoch noch negativ ausfallen", sagt Professor Dr. Christian Paetzel, Ärztlicher Direktor der Region Süd des Klinikums Nordoberpfalz. Er verweist darauf, dass die "Inkubationszeit ... bis zu zehn Tage dauern" könne. "Daher ist es in vielen Fällen rein spekulativ, woher die Infektion stammt.“

Trotz strengster Einhaltung der Hygienerichtlinien und Schutzmaßnahmen, die die Kliniken Nordoberpfalz seit Beginn der Pandemie strikt verfolgt, kann eine Ansteckung im klinischen Umfeld nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden. Um Infektionen in unseren Häusern zu vermeiden, übertreffen unsere Teststrategie und die eingeleiteten Schutzmaßnahmen die Forderungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in vielen Belangen.

Professor Dr. Christian Paetzel, Ärztlicher Direktor der Region Süd der Kliniken Nordoberpfalz

Professor Dr. Christian Paetzel, Ärztlicher Direktor der Region Süd der Kliniken Nordoberpfalz

Mit welchen Maßnahmen versuchen Krankenhäuser zu verhindern, dass es zu Ansteckungen kommt?

Die Krankenhäuser verfolgen strikte Hygienekonzepte, um Ansteckungen mit Corona zu verhindern. Dazu gehört das seit vergangenem Jahr wieder geltende Besuchsverbot. So soll eine Möglichkeit ausgeschlossen werden, wie Infektionen eingeschleppt werden können. Patienten werden bei der Aufnahme auf Covid-19 getestet und wegen der langen Inkubationszeit später ein weiteres Mal. Im Klinikum St. Marien in Amberg werden darüber hinaus Patienten, die aus Pflegeheimen ins Klinikum "zusätzlich noch umkehrisoliert". Dies bedeute, dass die Patienten in Einzelzimmern liegen und vor möglichen Infektionsquellen besonders geschützt würden.

Im Klinikum Nordoberpfalz wird bei den Patienten bei jeder Aufnahme sowie nach 48 Stunden ein PCR-Test durchgeführt. Diese zusätzliche Testung könne "mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit eine Infektion bei asymptomatischen Patienten ausschließen", teilte das Klinikum mit. Vor der Entlassung erhält jeder Patient erneut einen Test. "Wir halten uns hier – sowohl bei der Teststrategie als auch bei allen weiteren Aspekten des Aufenthaltes und der abschließenden Entlassung von Patienten – strikt an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der jeweiligen Gesundheitsämter“, erklärt die Medizinische Direktorin der Kliniken Nordoberpfalz, Michaela Hutzler. Covid-19-Patienten werden in allen Kliniken strikt getrennt von anderen Patienten behandelt, auf entsprechenden Isolier- und Intensivstationen. Es gibt keinen Wechsel des Pflegepersonals und der Ärzte zwischen den Bereichen. "Auch dadurch werden Infektionsrisiken für Patienten weiter vermindert", heißt es vom Klinikum Amberg. In Krankenhäuser gelten für Mitarbeiter Abstandregeln, sowie die Pflicht bei Patientenkontakt FFP2-Masken zu tragen. Für die Kräfte die auf Covid-Stationen arbeiten gibt es zusätzlich entsprechende Schutzausrüstung. Das St. Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg stellt dem Personal der Corona-Isolationsstation, der Corona-Intensivstation und der Zentralen Patientenaufnahme "gebläseunterstützte Filtergeräte mit Helm zur Verfügung, die eine bessere Handhabung, einen höheren Schutz und eine geringere Belastung als FFP2-Masken darstellen". Zudem werden Klinik-Mitarbeiter regelmäßig auf Corona getestet. Beim St. Barbara-Krankenhaus in Schwandorf heißt es etwa: "Mitarbeiter, die beruflich bedingt in Kontakt mit Corona-Patienten kommen, werden mindestens einmal pro Woche getestet – auf Wunsch auch öfter." Zudem könnten sich "alle Mitarbeiter nahezu täglich auf freiwilliger Basis testen lassen".

Hat sich die Lage im Laufe der Pandemie seit März 2020 verändert?

Ja, heißt es bei den Krankenhäusern. Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 fehlten Schutzausrüstung für Pflegekräfte und Ärzte. Es gab zu wenig Tests, "Im Vergleich zur ersten Welle liegt ein großer Vorteil sicherlich in der besseren Verfügbarkeit von Schutzausrüstung, vor allem von FFP2-Masken", teilte das Klinikum Nordoberpfalz mit. "Auch die verbesserten Testmöglichkeiten stellen einen großen Unterschied zur ersten Welle dar." Sandra Dietl vom Klinikum St. Marien in Amberg erläutert, "zu Beginn der Pandemie vor fast einem Jahr war es aufgrund der begrenzten Kapazitäten nicht möglich, alle Patienten vor der Aufnahme zu testen". Zudem gab es damals noch keine Schnelltests und die Rückmeldung aus externen Laboren habe mehrere Tage in Anspruch genommen. Inzwischen sei die Labordiagnostik erheblich verbessert worden. "Vor allem durch die schnelle Verfügbarkeit ist die Wahrscheinlichkeit, dass infizierte Patienten nicht erkannt werden, drastisch verringert worden."

Müssen Patienten Angst haben ins Krankenhaus zu gehen?

"Nein", heißt es von Seiten des Klinikums Nordoberpfalz. Alle Kliniken in der Region warnen davor, aus Angst nicht ins Krankenhaus zu gehen, "Wir möchten ausdrücklich davor warnen, dass es durch das Verschieben von wichtigen Kontroll-Untersuchungen oder Notfallbehandlungen zu weitaus größeren gesundheitlichen Risiken kommen kann", sagt Marion Hausmann vom Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf. "Nein, Patienten müssen keine Angst haben, ins Krankenhaus zu gehen. Das Infektionsrisiko ... ist durch unsere Maßnahmen im Krankenhaus auf ein Minimum reduziert", betont Sandra Dietl vom Klinikum Amberg. Das Krankenhaus St. Anna in Sulzbach-Rosenberg warnt: "Die Nichtbehandlung von stationär behandlungsbedürftigen Erkrankungen aus Angst vor einer Infektion im Krankenhaus ist die weitaus größere Gefahr." Denn die Infektionsschutzmaßnahmen im Krankenhaus entsprächen höchstem Standard und den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Gleichwohl gibt es in den Notaufnahmen einen Rückgang. Darauf weist Dr. Andreas Pohl, Chefarzt der Notaufnahme am Klinikum Weiden, hin: "Nicht nur in den Notaufnahmen unseres Klinikverbunds bestätigt sich der deutschlandweite Trend, dass die Zahl der Patienten, die die Notaufnahmen aufsucht, deutlich geringer ist als vor der Pandemie. Die Entscheidung, im Zweifel die Notaufnahme nicht aufzusuchen, kann jedoch lebensbedrohlich sein“, betont Dr. Pohl.

Der Chefarzt der Mikrobiologie im Klinikum St. Marien Amberg im Interview

Amberg

Impfung als Teil der Lösung

Deutschland & Welt
Hintergrund:

Infektionen in Krankenhäusern bundesweit

Gut 2,3 Millionen Menschen haben sich bislang mit dem Corona-Virus infiziert, meldet das Robert-Koch-Institut in Berlin. Rund 7800 haben sich laut RKI in einem Krankenhaus (Stand 9. Februar 2021) angesteckt. Das sind 900 mehr als in der Woche zuvor.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit hat keine Daten zur Zahl der Infektionen in Krankenhäusern, sondern nur zu Infektionen in Einrichtungen, insgesamt (Pflegeheime, Krankenhäuser und ähnliches). Der Anteil der Infektionen in diesen Einrichtungen an der Gesamtzahl ist in der zweiten Welle mit 0,56 Prozent deutlich geringer, als in der ersten Welle mit 1,86 Prozent.

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