Corona-Impfung offenbar zu spät

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Todesfall in einem Weidener Pflegeheim: Ein 80-jähriger Bewohner war bereits geimpft und doch infizierte er sich noch mit Corona. Das ist tragisch, aber kein Argument gegen die Impfung.

Impfung im DRK-Pflegeheim.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Für Nathalie S. war die Nachricht von der Infektion mit Todesfolge ein Schock. Da erfolgt endlich die erhoffte rettende Impfung und dann das: „Der Opa war gesundheitlich schon stark angeschlagen, brauchte auch vorher schon immer wieder eine Sauerstoffmaske, aber wer rechnet schon damit, dass er sich trotz der Impfung anstecken könnte?“ Wann genau die Infektion erfolgte, ist indes noch unklar. „Er war zuletzt 5 oder 6 Tage vorher getestet worden.“ Möglich also, dass er zum Zeitpunkt der Impfung bereits infiziert war.

Kein Vorwurf ans Heim

Die Enkelin rätselt, wie es zum letztlich tödlichen Kontakt kommen konnte: „Er war schon vorher bettlägrig, hatte keinen Besuch.“ Und das Personal sei auch negativ getestet gewesen. „Wobei ich betonen möchte, dass ich dem Pflegeheim keinen Vorwurf mache“, sagt die Arzthelferin, „man hat ein gutes Hygiene-Konzept, das einwandfrei umgesetzt wurde, und sowohl der Heimleiter als auch das Pflegepersonal haben sich immer toll gekümmert.“

Bereits kurz nach der positiven Testung seien bei ihrem Großvater schwere Symptome aufgetreten: „Er bekam schweres Fieber, keine Luft, ab dem dritten Tag hat er nichts mehr gegessen.“ Die letzten 24 Stunden sei er nicht mehr ansprechbar gewesen. „Er war in seinem Zimmer in Quarantäne, die Schwestern informierten uns, als es zu Ende ging.“ Offenbar eine Verkettung unglücklicher Umstände: „Bis zur Impfung war das Heim Corona-frei, nach Weihnachten hat man mit den Impfungen begonnen, acht Tage später wurden mein Opa und vier weitere Insassen positiv getestet.“

Heimleiter: "Ursachenforschung läuft"

Dennis Schwenk, Leiter des betroffenen AWO-Heims in Weiden, ist auf Anfrage von Oberpfalz-Medien um lückenlose Klärung bemüht. Zwar könne er aus datenschutzrechtlichen Gründen zum Krankheitsbild und den pflegerischen Aspekten keine Aussagen treffen. „Jedoch können wir Ihnen versichern, dass im Seniorenheim Hans Bauer nach den Richtlinien der Testverordnung entsprechend, bei unseren Bewohnern wöchentlich in regelmäßigen Abständen Testungen stattfinden.“

Die Ursachenforschung laufe: „Die Ermittlung einer Infektionskette zur Aufklärung des Ursprungs des Virusaufkommens in unserer Einrichtung ist für uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abschließend nachvollziehbar“, teilt Schwenk mit. „Wir sind in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und erhoffen uns auch noch von dieser Seite Hinweise.“

"Schutzimpfungen sehr gut vertragen"

Richtig sei, dass man als Maßnahme aufgrund der aufgetretenen Infektion auf einem Wohnbereich eine Reihentestung bei allen Mitarbeitern und Bewohnern durchführen habe lassen: „Im Ergebnis zeigte sich, dass weitere Bewohner positiv getestet wurden. Diese waren bislang glücklicherweise asymptomatisch und wir hoffen, dass dies auch so bleibt.“ Im Übrigen hätten alle Bewohner und das Personal die Schutzimpfungen sehr gut vertragen. „Wir haben durchgehend nur positive Resonanzen hierzu erhalten.“

Auszuschließen sei ein Zusammenhang zwischen Impfung und Infektion: „Für uns als AWO-Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz hat die Schutzimpfung gegen Covid-19 für den nachhaltigen und verlässlichen Schutz unserer Bewohner und Mitarbeiter eine Schlüsselrolle im Kampf gegen das Virus.“ Neben den weitreichenden Bemühungen um Hygiene-, Schutz- und Besucherkonzepte und dem unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiter, „sehen wir nur durch eine hohe Impfbereitschaft den gangbaren Weg aus der Pandemie“. Durch intensives Werben und Aufklärungsarbeit hofft Schwenk, noch weitere Mitarbeiter und Bewohner für die Covid-19 Schutzimpfungen gewinnen zu können.

Gesundheitsamt: Wirkung erst nach zwei Wochen

Dr. Thomas Holtmeier, Leiter des Gesundheitsamtes des Landkreises Neustadt/WN und der Stadt Weiden, äußerte sich auf Anfrage nicht zum konkreten Fall. Er verweist aber darauf, dass sich die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe den vorliegenden Studien zufolge als sehr effektiv erwiesen hätten. „Sie verhinderten in knapp 95 Prozent der Fälle eine Erkrankung.“

Ein möglicher Erklärungsansatz, falls die Infektion dennoch nach der Impfung erfolgt sein sollte: „Wichtig ist allerdings, dass die volle Wirksamkeit zwei Impfungen voraussetzt.“ Eine einmalige Impfung schütze in geringerem Umfang. „Außerdem muss berücksichtigt werden, dass es normalerweise etwa zwei Wochen dauert, bis der Körper auf die Impfung hin Abwehrstoffe gebildet hat, die vor einer Erkrankung oder Komplikationen schützen.“

So bekommt man einen Termin für die Impfung

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Erkenntnisse aus bisherigen Impfstudien

  • Wie gut wirkt die Impfung? Die bisherigen Impfstoff-Kandidaten haben den Hersteller-Angaben zufolge eine hohe Wirksamkeit. Die Corona-Vakzine von Moderna und Biontech/Pfizer sollen einen Schutz von über 90 Prozent bieten.
  • Warum braucht es überhaupt eine zweite Dosis? Erst nach der zweiten kommt es zu einem sogenannten Boost-Effekt, das Immunsystem springt richtig an und ist für eine spätere Infektion mit Sars-CoV-2 gerüstet.
  • Wirken die Impfstoffe auch gegen Mutationen? Laut einer Studie des Pharmakonzerns Pfizer und der Universität Texas schützt der Impfstoff von Biontech/Pfizer auch gegen die bisher bekannten Virus-Varianten.
  • Welche Nebenwirkung hat eine Corona-Impfung? Die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna teilten nach Abschluss ihrer letzten Analysen mit, dass der Impfstoff über alle Altersgruppen hinweg ähnlich gut funktioniere und praktisch keine ernsten Nebenwirkungen zeige. Ein geringer Anteil der Impflinge litt nach Angaben der Unternehmen unter Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen und einer geröteten und schmerzenden Einstichstelle, besonders nach der zweiten Dosis.
  • Wie lange hält die Impfung? Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass eine Impf-Immunisierung gegen Corona ein Leben lang hält. Es könnte eher sein, dass man sie wie bei der Grippe-Schutzimpfung regelmäßig wiederholen muss.
  • Kann ein Corona-Geimpfter ansteckend sein? Es kann laut Experten nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Geimpften weiter mit dem Virus infizieren und es unbemerkt an andere weitergeben.

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