Corona-Hilfe: Trotz aller Eile Schnellschüsse helfen nicht

Soforthilfe und andere Unterstützungen stehen bereit, auch für die Oberpfälzer Wirtschaft. Dennoch gibt es für interessierte Unternehmen einiges zu beachten, sagt IHK-Experte Florian Rieder. Und ohne Geduld geht es auch nicht.

Unternehmen leiden Unter der Coronakrise. Die IHK informiert, was bei staatlicher Hilfe zu beachten ist.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Bund und Freistaat wollen die Wirtschaft am laufen halten und verteilen Milliarden. Aber verschenkt wird das Geld nicht, verrät der Nordoberpfälzer IHK-Geschäftsstellenleiter Florian Rieder.

ONETZ: Herr Rieder, nach den ersten Tagen: Wie sind Ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Förderprogrammen, die Bund und Land zur Bewältigung der Corona-Krise aufgelegt haben?

Florian Rieder: Im Vordergrund stehen aktuell die Zuschüsse der Soforthilfe, alleine zu diesem Thema hat die IHK Regensburg bislang rund 1500 telefonische Beratungsgespräche geführt. Tatsächlich haben die ersten Unternehmer bereits Soforthilfe erhalten. Daraus eine pauschale Bewertung abzuleiten, ist aber nicht möglich. Die Ausgangslagen für Selbständige und Unternehmen sind oft sehr unterschiedlich,man sollte genau hinschauen, damit auch wirklich schnell geholfen werden kann. Wie bei jedem Förderprogramm gilt es auch hier, Fallstricke zu vermeiden.

Florian Rieder

ONETZ: Was sind das für Fallstricke?

Es geht oft um Details, einzelne Bestimmungen werden neu interpretiert, um noch besser helfen zu können. Wir hatten noch nie die Situation, dass ein Programm so schnell umgesetzt wird. Dabei muss trotzdem Rechtssicherheit gewährleistet, Missbrauch vermieden werden. Immerhin können kleine Unternehmen oder Selbständige bis 9 000 Euro erhalten, größere Unternehmen deutlich mehr. Für alle Beteiligten ist das eine Riesenherausforderung, wir versuchen so konkret wie möglich zu helfen.

ONETZ: Was ist besonders wichtig, um Soforthilfe korrekt zu beantragen?

Kern des Antrages ist die durch Corona verursachte existenzbedrohende Wirtschaftslage. Diese geht mit einem so genannten Liquiditätsengpass einher, der letztlich die Ansprüche für einen Zuschuss in einem dreimonatigen Betrachtungszeitraum begründet. Das muss sauber ermittelt werden, auch wenn nur wenige Angaben im Antrag notwendig sind. Es lässt sich absehen, dass die Soforthilfen nachträglich geprüft werden. Rückzahlungen oder gar strafrechtlichen Konsequenzen will da niemand riskieren.

ONETZ: Für viele natürlich am wichtigsten, wie schnell fließen die Zuschüsse?

Die ersten Zuschüsse sind bereits letzte Woche geflossen, trotzdem ist Geduld gefragt. Bei der Regierung der Oberpfalz als zuständiger Bewilligungsstelle sind nach kurzer Zeit bereits 17 000 Anträge zur Bearbeitung eingegangen. Die Mitarbeiter dort tun was sie können, es dauert aber trotzdem seine Zeit.

ONETZ: Was raten sie Unternehmen, die Förderung brauchen?

Auch wenn die Zeit drängt: Wichtig ist, sich genau zu informieren. Wir empfehlen Nachfragen bei Industrie- und Handelskammer, bei Handwerkskammer oder der Wirtschaftsförderung der kreisfreien Städte oder Landkreise. Die Mitarbeiter dort haben einen Überblick, welches Förderprogramm infrage kommt. Das gilt nicht nur für die Soforthilfen, sondern auch darüber hinaus. Generell wurde ein ganzes Arsenal an Hilfsmaßnahmen an den Start gebracht, in Not geratene Unternehmen sollten die ganze Klaviatur spielen können.

Coronakrise:

Hier gibt es Infos für Unternehmer

Unternehmen können sich im Internet oder auch persönlich am Telefon informieren. Unter www.ihk-regensburg.de sind dazu viele Inhalte hinterlegt, zusätzlich stehen Telefonhotlines bereit.

Einen guten Überblick gibt es auch unter www.stmwi.bayern.de/soforthilfe-corona Für Unternehmen, Soloselbständige, Freiberufler un landwirtschaftliche Betriebe gilt, sich fortlaufend auf dem aktuellen Stand zu halten, da sich Konditionen ändern können. So wurden kürzlich die Hilfen des Bundes und des Freistaats Bayern verzahnt und der Kreis der Antragsberechtigten sowie die Zuschusshöhen angepasst.

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