ATU verklagt Ex-Geschäftsführer

ATU hat am Landgericht Amberg Klage gegen einen ehemaligen Geschäftsführer eingereicht. Das Unternehmen mit Stammsitz in Weiden fordert von Manfred Ries (54) Schadenersatz in Höhe von knapp über 5 Millionen Euro.

A.T.U. Zentrale
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Der Amberger Landgerichtssprecher Uli Hübner bestätigte am Montag auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, dass ein Verfahren bei einer Zivilkammer anhängig sei. Es gehe um Haftung und Schadenersatz. Ein Termin stehe noch nicht fest, aktuell laufe eine Replikfrist. Das Landgericht Amberg ist zuständig, weil der Wohnsitz des Beklagten im Landgerichtsbezirk liegt. Weder das Landgericht, noch ATU wollten den Inhalt der Klage am Montag näher erläutern.

Möglicherweise spielt ein Millionenschaden eine Rolle, der ATU entstanden war, als vor 2015 noch Personalrabatte für Mitarbeiter aller Konzernteile (Estato etc.) gewährt worden waren. Erlaubt wäre dies nur für Filialbeschäftigte der ATU gewesen. Das Unternehmen informierte im Januar 2015 per Aushang über einen „Schaden in Höhe von mehreren Millionen Euro, der gegenüber des Finanzamtes und den Rentenversicherungsträgern zu begleichen ist“.

Ries war über zehn Jahre bei ATU und von Juli 2011 bis Juni 2013 Vorsitzender der Geschäftsführung von ATU. Eigentümer war zu dieser Zeit US-Investor KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co), durch dessen Übernahme ab 2004 ein Schuldenberg auf der 12 000-Mitarbeiter-Firmengruppe lastete. All die Jahre lief es nicht rund. Im Juni 2013 wurde Ries mit sofortiger Wirkung von Hans Norbert Topp ersetzt. Im Dezember 2013 verkaufte KKR die Werkstattkette an Centerbridge. Die Stadt Weiden hatte zur Rettung von ATU 2010 und 2013 auf insgesamt rund 120 Millionen Euro an Gewerbesteuern verzichtet.

Inzwischen gehört ATU dem französischen Unternehmen Mobivia, 20 Prozent der Anteile sind im Besitz des Reifenherstellers Michelin. Bei ATU herrschte ab 2013 weiterhin ein munterer Wechsel der Geschäftsführer: Auf Topp folgte Norbert Scheuch (später Vorstandsvorsitzender bei Heckler & Koch, dort 2017 fristlos gekündigt), dann Jörn Werner (inzwischen CEO bei Ceconomy/Saturn). Aktuell leitet der Franzose Matthieu Foucart die Geschäfte bei ATU.

In die Zeit von Ries fiel auch die gescheiterte Betriebsratswahl 2012 und die Kündigung von drei langjährigen Mitarbeitern, die diese vorangetrieben hatten. Ein ähnliches Gebaren wirft ihm die Gewerkschaft Verdi auch jetzt bei seinem neuen Arbeitgeber vor. Ries ist Personalchef bei Weltbild. 2018 wollte Weltbild die Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden durchsetzen. Verdi rief zu Protesten auf. Im Laufe eines Verfahrens am Arbeitsgericht Augsburg zog die Firma den Kündigungsantrag zurück. Ries’ Vorgesetzter und Geschäftsführer bei Weltbild ist sein ehemaliger Geschäftsführer-Kollege aus ATU-Zeiten, Christian Sailer.

ATU hat einen seiner (zahlreichen) ehemaligen Geschäftsführer auf Schadenersatz verklagt. Das Unternehmen fordert von Manfred Ries mehrere Millionen Euro.
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