01.12.2019 - 16:15 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

"Komm, Heiland, komm"

Erstklassiger A-cappella-Gesang beim Adventskonzert der Regensburger Domspatzen in Waldsassen

Der neue Regensburger Domkapellmeister Christian Matthias Heiß begeisterte mit den Regensburger Domspatzen beim Adventskonzert in der Basilika Waldsassen.
von Redaktion ONETZProfil

Die musikalische Einstimmung in die Adventszeit startet am Samstag mit einem fabelhaften Auftakt der Regensburger Domspatzen unter ihrem neuen Domkapellmeister Christian Matthias Heiß. Das letzte Wort der zweiten Zugabe "Guten Abend, gute Nacht" von Johannes Brahms lautet: "Paradies". In ein musikalisches Paradies werden die Zuhörer in der ausverkauften Basilika geführt. Der Knabenchor vermittelt das mit einer Komposition seines neuen Leiters, der drei- bis neunstimmigen Advents-Collage über "Rorate caeli" mit Gregorianischen Melodien. Die Männerstimmen beginnen, die Knaben ziehen aus dem Kirchenschiff ein und verströmen bewegende adventliche Atmosphäre.

Dezente Gesten

Gegenübergestellt wird die Vokalpolyphonie Palestrinas "Rorate coeli desuper". Mit dezenten Gesten und empathischer Mimik ermuntert Heiß die Sänger, die jederzeit reagibel und diszipliniert sind, und gibt gute Tempi vor. Auch die drei "O-Antiphonen" (Hermann Strategier, Estland) über den Herrn des Hauses Israel, den Morgenstern und die Wurzel Jesse gestalten die Domspatzen meisterlich.

Gut interpretiert ist das "brachio extento" (starker Arm). In fließendem Tempo wechselt der Cantus firmus zwischen Sopran und Tenor. Mit den starken Bässen zusammen wird Erhard Mauersbergers "Macht hoch die Tür" zu einer Kostbarkeit. Die astreine Höhe der Soprane und die warmen, runden Altstimmen in Mendelssohn Bartholdys "Veni Domine" begleitet ein Chormitglied auf der Chororgel.

Beim estnischen "Ave Maria" von Urmas Sisask stehen die drei Solosoprane im Mittelpunkt und begeistern bis zum wunderschönen Piano am Schluss. Es fällt schwer hier nicht spontan zu applaudieren. Die Marienlieder: Männer kräftig beim "Kyrie Eleison", sehr präsenter Alt in "Maria durch ein Dornwald ging" (Wolfram Menschick). Mut zum Pianissimo bei Rachmaninoffs "Ave Maria".

"Hodie Christus natus est" von Heinrich Schütz: Weihnachten blitzt auf in verschiedenen Klangfarben und Affekten, steigert sich zum mächtigen "Gloria in excelsis"-Jubel. Im Choralvorspiel über Johann Sebastian Bachs "Nun komm, der Heiden Heiland", BWV 659, lässt der Waldsassener Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter feinfühlig mit gut ausgewählten Registern den ersten adventlichen Programmblock kontemplativ nachhallen.

"Kindelein im Stroh"

Ausdrucksstark gestalten die Domspatzen die drei "himmlischen" Werke, indem sie farbenprächtig die neue Mär vom Licht, das auf die Erde kommt und still leuchtet (Morten Lauridsen, Johann Eccard, Franz Lehrndorfer), verkünden. Intensivst und warm timbriert bezaubert der wirklich frohe Dur-Schlussakkord beim "Kindelein im Stroh". Weihnachtliche Stimmung durchdringt die Basilika. "Die Könige" von Peter Cornelius mit dem Choral "Wie schön leuchtet der Morgenstern" endet im perfekt gelungenen Schluss "Schenk ihm dein Herz!".

Neuen Klang und beschwingten Rhythmus bringen das mit Tamburin und Klangholz untermalte katalanische "Riu, riu, chiu" von Mateo Flecha. Das schwedische "Jul, jul" von Gustaf Nordqvist gestaltet der Männerchor als strahlendes Weihnachtslied. David Willocks "I Saw Three Ships" und das Spiritual "Go Tell It On The Mountain" in der Fassung von Joseph Birkl sind selten lebendiger und mit detaillierter Feinheit zu hören als bei den Domspatzen unter Christian Heiß.

Mit einem "Still, still, still" (wieder eine Eigenkomposition) zeigt Heiß den feierlichen Gipfel seiner musikalischen Visitenkarte. Das "Adeste fideles" (Carl Thiel) gerät zum festlichen Glanzpunkt. Am Schluss der Applaus der herbeigeströmten Musikliebhaber und als erste Zugabe "Wachet auf ruft uns die Stimme" mit dem adventlichen Appell zur Wachsamkeit.

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