22.04.2021 - 18:40 Uhr
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Kuschel-Show-down um bayerischen SPD-Vorsitz

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Am Samstag entsacheidet sich die Personalfrage der Bayern-SPD auf einem Online-Parteitag: Uli Grötsch oder das gemischte Doppel Florian von Brunn und Ronja Endres. Die Kontrahenten sammeln Unterstützer.

Der amtierende Generalsekretär der SPD Bayern und Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch und Ramona Greiner. Im Falle seiner Wahl zum neuen Chef der bayerischen SPD will Grötsch die gebürtige Oberfränkin zu seiner Generalsekretärin machen.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Im Windschatten des Kanzlerkandidaten-Duells der Union fällt am Samstag auf einem Online-Parteitag die Entscheidung um den Vorsitz der bayerischen SPD: Generalsekretär Uli Grötsch möchte die blau-weißen Genossen zusammen mit seiner Wunsch-Generalsekretärin Ramona Greiner aus dem Tal der Tränen führen. Das Duett Florian von Brunn und Ronja Endres hält mit rot-grünen Perspektiven dagegen.

Beide Seiten siegesgewiss

Optimistisch gehen beide Seiten ins offene Rennen. "Wir registrieren große Begeisterung an der Basis", sagt Florian von Brunn, "wenn Sie auf unsere Homepage schauen, haben sich da schon 120 Unterstützer verewigt - vom Abgeordneten bis zum Kult-Sportreporter Günther Koch, daran kommen die Delegierten nicht so einfach vorbei." Polit-Partnerin Endres ergänzt: "Mich freut die große Diversität der Unterstützer, Betriebsräte und Gewerkschafter, Junge und Alte, Menschen mit Migrationshintergrund."

Aber auch Grötsch ist in Siegerlaune: "Ich habe bewusst nicht alle SPD-Mitglieder angerufen", sagt er mit Blick auf die Performance der Konkurrenz, "trotzdem haben auf meiner Facebook-Seite schon gut 25 politische Freunde Videos gepostet - von der Hofer Oberbürgermeisterin, über Gewerkschafter bis zu Landtags- und Bundestagsabgeordneten." Das mache ihn zuversichtlich für Samstag.

Arif Tasdelen (v.l.), Ronja Endres und Florian von Brunn in München. Der Nürnberger Landtagsabgeordnete Arif Tasdelen soll im Falle einer Wahl von Ronja Endres und Florian von Brunn zur SPD-Doppelspitze in Bayern Generalsekretär werden.

Die Unterschiede

Was ihn von den Mitbewerbern unterscheide? "Die beiden kommen aus Großstädten, sie repräsentieren eher das städtisch-ökologische Milieu", sagt der Weidener Bundestagsabgeordnete. "Ramona und ich stehen für den Slogan, ,Stadt und Land, Hand in Hand'." Der Schwerpunkt der Grötsch-Kampagne: "Wir sind zuallererst die Partei der Arbeit und der sozialen Gerechtigkeit - vereint mit den Themen Umweltschutz und Digitalisierung."

Seine designierte Generalin Ramona Greiner aus dem oberfränkischen Bischofsgrün im Fichtelgebirge mit Wohnsitz in Unterhaching lobt Grötsch als eine Frau, die die Herzen und Köpfe der Menschen gleichermaßen berühre und erreiche. "Sie denkt und arbeitet modern, ist aber im Herzen eine Arbeiterin geblieben." Eine ideale Kombination: "Meine Wahrnehmung ist, dass wir in weiten Teilen der Partei als Team wahrgenommen werden", sieht er in der erweiterten Solo-Bewerbung kein Manko. "Nur als Team mit klarer Aufgabenteilung können wir erfolgreich sein."

Distanz zum Unions-Gerangel

Beide Formationen fühlen sich vom Unions-Gerangel um die Kanzlerkandidatur abgestoßen: "Ganz ehrlich", sagt Grötsch, "was ich in den vergangenen zwei Wochen mitbekommen habe, kenne ich so von der Union nicht." Sonst habe man Personalfragen parteiintern geklärt. "Was für ein skrupelloser Typ Söder ist, weiß jetzt ganz Deutschland." Da wollen es die Sozis besser machen: "Unser gesamter Wahlkampf ist sauber verlaufen", sagt von Brunn, "es gab keine persönlichen Angriffe." Deswegen ist sich Endres sicher: "Wer auch immer gewinnt oder verliert, wir können anschließend gut zusammenarbeiten."

Vor der Auseinandersetzung mit dem scheinbar übermächtigen Gegner CSU ist man nicht bange: "Mir fällt zu vielen Politikern etwas ein", verrät von Brunn Gedanken zu seiner Parteitagsrede, "Kohl als Kanzler der Einheit, Schröder als Irak-Kriegsgegner, Seehofer hat das Soziale wieder in CSU gebracht - bei Söder fallen mir nur sein Ehrgeiz ein und dass er als Finanzminister 33.000 GBW-Wohnungen verkauft hat." Dass die SPD viel Boden verloren hat, wissen die beiden natürlich. "Den größten Vertrauensverlust und Mitgliederschwund verzeichneten wir 2010 mit der Agenda", sagt von Brunn. Und Endres fügt hinzu: "Für uns ist es sehr wichtig, dass mit dem Wahlprogramm Hartz IV endlich beerdigt ist."

Keine Stadt-Land-Polarisierung

Mit Grötschs Stadt-Land-Polariserung können die beiden wenig anfangen: "Ich bin selbst am Land in Penzberg groß geworden, meine Mutter war alleinerziehende Sozialhilfeempfängerin", sagt Endres, die derzeit in Regensburg lebt, "ich weiß wie das ist, wenn es zur Monatsmitte nur noch für Spaghetti mit Tomatensauce reicht." Von Brunn verwehrt sich dagegen, Stadt und Land gegeneinander auszuspielen. "Wir sind für gleichwertige Lebensverhältnisse überall in Bayern, wir können nur gemeinsam erfolgreich sein."

Der Graben zwischen den Kandidaten ist kein großer. Lediglich der Akzent ist ein anderer: "Der Klimawandel zwingt zu einer Neuausrichtung unserer Politik", findet Endres, "wir brauchen soziale Gerechtigkeit und eine gesunde Umwelt." Die Digitalisierung biete Chancen für beides.

Kein Politiker-Sprech

Als bedeutsame Aufgabe empfindet das oberbayerische Duo die Vermittlung seiner Inhalte: "Wir müssen dieses Politiker-Sprech durchbrechen", orientiert sich Endres in der Kommunikation an ihrer eigenen Jugendbildungsarbeit. "Den Riss in der Gesellschaft kitten", will auch von Brunn, indem er "Menschen mit anderen Meinungen, ob zu Impfrisiken oder umstrittenen Corona-Maßnahmen, ernst nehmen" möchte.

Letztendlich käme es allen Bewerbern darauf an, die SPD zurück in die Erfolgsspur zu führen. "Das Beispiel Malu Dreyer oder der Kärntner SPÖ zeigt, dass man auch aus einer Minderheitenposition heraus mit überzeugenden Personen und richtigen Inhalten gewinnen kann."

Oberpfälzer Genossen halten Weidener Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch die Daumen.

Bayern
Info:

Die bayerischen SPD-Vorsitzenden

  • 1892–1918 Georg von Vollmar
  • 1918–1933 Erhard Auer
  • 1946–1947 Lisa Albrecht
  • 1946–1947 Wilhelm Hoegner
  • 1947–1963 Waldemar von Knoeringen
  • 1963–1972 Volkmar Gabert
  • 1972–1977 Hans-Jochen Vogel
  • 1977–1985 Helmut Rothemund
  • 1985–1991 Rudolf Schöfberger
  • 1991–2000 Renate Schmidt
  • 2000–2003 Wolfgang Hoderlein
  • 2003–2009 Ludwig Stiegler
  • 2009–2017 Florian Pronold
  • 2017-2021 Natascha Kohnen

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