04.10.2019 - 21:22 Uhr
TirschenreuthDeutschland & Welt

Lichtblick für Kinder: Inge Pannrucker

Wir schließen unsere Serie „Mein Lichtblick“ mit einem Ehrenamts-Profi. Inge Pannrucker (79), viele Jahre lang FDP-Bildungspolitikerin in verschiedenen Gremien, hat nach ihrer Pensionierung den Kinderschutzbund in Tirschenreuth gegründet.

Inge Pannrucker und der Reporterchef der Redaktion Tirschenreuth, Martin Maier. Das Geld kommt einem Kindergarten zugute.
von Gabi EichlProfil

Die frühere Grundschullehrerin feiert im Februar ihren 80. Geburtstag und sagt überzeugend: "Flasche noch nicht leer." Die Acht vor der Jahreszahl hat ihr ein wenig zu schaffen gemacht, aber inzwischen hat sie das kleine Tief überwunden und schaut interessiert in die Zukunft. Und das heißt bei Inge Pannrucker: Was kann ich tun? Wo werde ich gebraucht?

Der Umgang mit Menschen macht der Lehrerin immer schon Freude. Sie wäre sonst vermutlich nicht Lehrerin geworden. Dazu kommt ihr "wichtigstes Ehrenamt", wie sie es nennt: die beiden Kinder. Der Sohn ist heute 55 Jahre alt, die Tochter 53. Und weil sie immer auch schon sehr sportlich ist, gründet sie als junge Lehrerin in Flossenbürg eine Kinder-Frauen-Turngruppe. Als sie wenige Jahre später nach Tirschenreuth wechselt, hat sie ihren Sport entdeckt: Tennis. 64 Jahre wird sie aktiv spielen, 30 davon bestreitet sie Turniere. So weit, so gut: Eine junge Volksschullehrerin, sportlich, ein bisschen Ehrenamt nebenbei. 1975 sei sie "aufgewacht", sagt Inge Pannrucker. Im damaligen "Jahr der Frau". Die Wochenzeitung "Die Zeit" brachte einen Cartoon mit dem Aufruf an Frauen: "Wollen wir weiter schlafen?" Inge Pannrucker will nicht.

Sie gründet einen überparteilichen, nicht konfessionellen Frauen-Treff, der Skikurse veranstaltet, Kleiderbasare, das erste Kinderferienprogramm des Stiftlandes. Und bald darauf wird ihr klar: Ich kann nur dann wirklich etwas erreichen, wenn ich in die Politik gehe. 1978 wird sie als eine der ersten Frauen in den Stadtrat gewählt, in der nächsten Periode auch in den Kreistag. In der Partei bringt sie es bis zum Landesvorstand. Aber Pannrucker ist dem Herzen nach eine Kommunalpolitikerin. Sie habe versucht, immer ganz nah an den Menschen zu sein, sagt sie. Und sie bezeichnet ihre Erfolge als "keine großen Würfe, aber nah am Menschen". Sie hat den Wochenmarkt mit ins Leben gerufen, die Hausaufgabenhilfe, die Abschaffung der Bademützenpflicht im Hallenbad. Keine großen Würfe? Auf jeden Fall ganz nah am Menschen.

Eine Inge Pannrucker verzettelt sich aber auch nicht. Sie habe immer angestoßen und dann losgelassen, sobald sich andere der Sache angenommen hätten: "Ich mache nur, was andere nicht machen und was gemacht werden sollte." Gleichwohl habe sie jede ihrer Aufgaben immer sehr ernst genommen. Wer Inge Pannrucker kennt, weiß, dass sie ihre Aufgaben nicht nur ernst genommen hat, sondern dass sie es auch verstand, ihre Ziele als gewiefte Taktikerin durchzusetzen ("weil ich was erreichen wollte"). Als sie 2004 in Pension geht, gründet sie in Tirschenreuth den Kinderschutzbund, der inzwischen mehr als 100 Mitglieder hat. Inge Pannrucker wird mit den 500 Euro der Lichtblicke-Aktion einem Kindergarten eine Sitzgarnitur mit Sonnenschirm kaufen. Zum 80. Geburtstag wünscht sie sich von ihrem Sohn einen Polka-Tanz und danach bricht die passionierte Reisende auf, das Polarlicht einmal mit eigenen Augen zu sehen.

Zur Person:

Inge Pannrucker

Inge Pannrucker beginnt ihre Ehrenamtskarriere als Kind und Jugendliche. Sie lässt sich mehrmals zur Klassensprecherin wählen und besucht früh schon regelmäßig eine Dame im Altenheim bis zu deren Tod. Die gebürtige Pragerin lebt seit der Vertreibung durch den Krieg mit ihren Eltern im niederbayerischen Plattling. Sie wird Grundschullehrerin, unterrichtet zunächst in Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN), wenig später in Tirschenreuth.

Doch so sehr sie den Beruf liebt, opfert sie die Lehrerkarriere der Politik. Sie erkennt frühzeitig, dass sie ihre Anliegen nur mit Hilfe politischer Ämter durchsetzen kann. Und macht Karriere in ihrer Partei, der FDP ("ich bin liberal, seit ich denken kann"). Sie sitzt drei Perioden im Stadtrat und im Kreistag, ist jahrelang FDP-Kreisvorsitzende, Bezirksvorsitzende, gehört dem Landesvorstand an. Nach der Pensionierung gründet sie den Kinderschutzbund Tirschenreuth, dem sie bis heute vorsteht.

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