29.04.2021 - 18:40 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Familie Guliyev aus Aserbaidschan darf wahrscheinlich bleiben

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Das Bleiberecht ist für die Guliyevs aus Sulzbach-Rosenberg in greifbarer Nähe. Die Härtefallkommission hat sich für einen Aufenthalt der aserbaidschanischen Familie ausgesprochen und wird ein Härtefallersuchen an den Innenminister stellen.

Die bange Zeit des Wartens auf eine Entscheidung hat ein Ende, die bayerische Härtefallkommission hat sich für ein Aufenthaltsrecht der Familie Guliyev ausgesprochen. Elnara Guliyeva (mit Töchterchen Viktoria auf dem Arm), ihr Mann Jafar mit der dreijährigen Veronika-Christiane und die Söhne Cavanshir (Zweiter von links) und Elnur sind überglücklich.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Als Elnara Guliyeva am Mittwochnachmittag die gute Nachricht erhält, dass sich die bayerische Härtefallkommission für ein Bleiberecht ihrer Familie in Deutschland ausgesprochen hat und ein Härtefallersuchen an Innenminister Joachim Herrmann stellen wird, tut sie sich schwer, ihr Glück in Worte zu fassen.

Unbeschreibliche Glücksgefühle

"Wir sind glücklich, so glücklich, wir sind so froh", setzt sie an, ihre Gefühlswelt zu beschreiben. Jetzt, wo das Bleiberecht für sie, ihren Mann und den vier Kindern in greifbarer Nähe gerückt ist. Es ist der Moment, auf den die Familie so lange gewartet hat. Seit ihr Fall bei der Härtefallkommission eingebracht worden war, haben Elnara Guliyeva und ihre Familie gehofft und gebangt.

Die Guliyevs waren vor sieben Jahren nach Deutschland gekommen, hatten politisches Asyl beantragt. Zwei Jahre nach der ersten Antragsstellung erfolgte die Ablehnung. Dagegen legte die Familie Widerspruch ein, im September 2019 dann die erneute Ablehnung. Selbst ein nochmaliger Eilantrag wurde damals negativ beschieden. Nach einem umstrittenen Abschiebeversuch im November 2019 wurde der Fall der Familie Guliyev bei der bayerischen Härtefallkommission eingebracht. Dieses Gremium beurteilt, ob bei eigentlich ausreisepflichtigen Ausländern dringende humanitäre oder persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in Deutschland rechtfertigen. Die Härtefallkommission, deren stimmberechtigte Mitglieder Vertreter der Kirchen, der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege und der kommunalen Spitzenverbände sind, prüft allerdings erst, wenn alle rechtlichen Wege ausgeschöpft sind. Im Fall der Familie Guliyev hatte die Härtefallkommission bei ihrer Sitzung im Februar 2020 eine endgültige Entscheidung um ein Jahr vertagt. Corona sorgte schließlich für eine Verzögerung bis Ende April.

Mit Jafar Guliyev, seiner Frau Elnara, den Söhnen Cavanshir (14) und Elnur (13) sowie den Töchtern Veronika-Christiane (3) und Viktoria (1) hat Christiane Rankl aus Sulzbach-Rosenberg auf eine positive Entscheidung der Härtefallkommission gehofft. Sie kennt die Familie seit sieben Jahren, half ihe, sich in der Fremde zurechtzufinden und ist inzwischen eine so gute Freundin geworden, dass die Guliyevs vor drei Jahren ihrem dritten Kind Veronika noch einen zweiten Namen gegeben haben: Christiane.

Auch bei Christiane Rankl ist am Mittwochabend die Freude unendlich groß, wenngleich sie persönlich kein anderes Votum der Härtefallkommission erwartet hat. Die Sulzbach-Rosenbergerin verweist auf die enorme Integrationsleistung, die die Guliyevs in all den Jahren gezeigt haben. Gerade in den vergangenen Tagen sei die Familie unter enormer Anspannung gestanden. "Das waren sieben Jahre Ungewissheit", sagt Rankl und betont: "Der Druck ist auf jeden Fall weg."

Auch Elnara Guliyeva gesteht, welche enorme Last von ihr abgefallen ist. Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch habe sie kein Auge zugetan. Als am Nachmittag die erlösende Nachricht gekommen sei, habe sie "nur noch geweint - vor Glück", so die vierfache Mutter. Die Söhne Cavanshir, der am 1. Mai seinen 15- Geburtstag feiert, und Elnur (13) hätte vor Freude laut gejubelt. Und bei einem Abendessen im Familienkreis wurde der Etappensieg am Abend gefeiert. Nicht minder groß war die Freude im fernen Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Dort leben Elnara Guliyevas Eltern. Sie besorgten sogleich Lamm und Hühnchen und grillten ob der guten Nachrichten aus Deutschland.

Dauer von zehn bis zwölf Wochen

"Diese Entscheidung ist sehr wichtig für unser Leben", sagt Elnara Guliyeva über das Votum der Härtefallkommission. Von einem "wunderbaren Ereignis" spricht Elisabeth Schwemmer aus Nürnberg die die Familie ebenfalls durch das Asylverfahren begleitet hat. Die Härtefallkommission stellt nun ein Härtefallersuchen an Innenminister Joachim Herrmann. Schwemmer geht fest davon aus, dass das Ministerium diesem Ansinnen folgen wird. In all den Jahren, in denen sie nun schon Fälle wie den der Familie Guliyev begleitet, hat sie es "tatsächlich noch nie erlebt, dass ein Härtefallersuchen der Härtefallkommission durch den Innenminister abgelehnt wurde". Sie geht davon aus, dass es circa zehn bis zwölf Wochen dauern wird - aber auch, dass am Ende die Aufenthaltserlaubnis stehen wird.

„Diese Entscheidung ist sehr bedeutend für unser Leben.“

Elnara Guliyeva

Der Fall Guliyev: die Vorgeschichte

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