Sorge in Hohenberg: Rechte wollen Gaststätte kaufen

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"Braunes Haus" in Hohenberg? Rechtsradikale wollen laut Informationen von Oberpfalz-Medien ein Gasthaus in der oberfränkischen Stadt kaufen. In unmittelbarer Nähe ist eine Jugendherberge. Der Bürgermeister ist in Alarmbereitschaft.

Dieses rote Haus soll "braun" werden, wenn es nach den Rechtsextremen vom "Dritten Weg" geht
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Das Haus leuchtet rot an der Schirndinger Straße. Wenn es nach den Kadern der rechtsradikalen Splitterpartei "Der Dritte Weg" geht, soll es "braun" werden. Nach Informationen von Oberpfalz-Medien bemühen sich die Rechtsradikalen, den leerstehenden Gasthof "Ritterschänke" zu erwerben. Sollte das gelingen, droht im Landkreis Wunsiedel ein rechtsradikaler Treffpunkt mit überregionaler Bedeutung zu entstehen - direkt neben einer Jugendherberge und keine zehn Kilometer von der Bezirksgrenze zur Oberpfalz entfernt.

Eine offizielle Bestätigung zu den Verhandlungen um das bei E-Bay-Kleinanzeigen angebotene Objekt gibt es von keiner Seite. "Generell sind wir immer bundesweit auf der Suche nach geeigneten Objekten, um neue Partei- und Bürgerbüros, sowie nationale Zentren zu etablieren. Über Einzelheiten gebe ich jedoch keine Auskunft", lässt Tony Gentsch ausrichten, der für den "Dritten Weg" im sächsischen Plauen im Stadtrat sitzt.

Und auch der Anbieter, ein Geschäftsmann aus Hohenberg, bestätigt nichts. Er spreche mit verschiedenen Interessenten. Demnächst führe er sogar Verhandlungen mit möglichen Käufern aus Italien. Und was ist mit den Rechtsradikalen? "Dazu sage ich öffentlich nichts." Ein Dementi hört sich anders an.

Szene in Oberfranken aktiver

Tatsächlich beobachten Experten seit einiger Zeit, dass sich "Der Dritte Weg" zunehmend in Oberfranken engagiert und versucht, in Nordostbayern Fuß zu fassen. Zuletzt hatte dabei ausgerechnet der Bayerische Verwaltungsgerichtshof geholfen: Die Richter hatten ein 2014 beschlagnahmtes Haus in Regnitzlosau (Kreis Hof) wieder der damaligen Besitzerin zugesprochen. Diese neue/alte Eigentümerin ist die Mutter jenes Tony Gentsch, der damals als Führungsfigur im "Freien Netzes Süd" galt und heute für den "Dritten Weg" spricht.

Beschlagnahmt wurde das Haus, nachdem das "Freie Netz Süd" verboten worden war. Beobachter sehen in diesem "Netz" den Vorläufer der Partei "Der Dritte Weg". Die Ermittler hatten es damals als erwiesen angesehen, dass die Immobilie in Wirklichkeit der Nazi-Gruppierung gehört. Entweder kann die Splitterpartei nun aber doch nicht auf das Haus zugreifen, oder der Bedarf in der Region ist größer. Anders lässt sich das Interesse in Hohenberg kaum erklären.

Irritierter Bürgermeister

Entsprechend irritiert reagierte Hohenbergs Bürgermeister Jürgen Hoffmann, als er durch Oberpfalz-Medien vom geplanten Immobilienkauf erfuhr. "Das ist zum ersten Mal, dass ich davon höre." Er wolle nachhaken. "Wir wollen so was nicht in Hohenberg. Und auch sonst nirgendwo." Tatsächlich bietet die Gaststätte beste Infrastruktur, um dort Kaderschulungen oder ähnliches durchzuführen. Auf dem Gaststättenschild über dem Eingang wird auf Fremdenzimmer hingewiesen, in der Anzeige ist von 15 Zimmern die Rede. Dazu kommt die Lage mitten im Ort - keine 100 Meter vom Eingang zur Burg Hohenberg, wo der Freistaat gerade viel Geld investiert, um die dortige Jugendherberge zu sanieren.

Der Bürgermeister macht dann auch klar, dass er diesen Verkauf verhindern wolle. Der Stadt sei es wichtig, die Gaststätten zu erhalten. Sie hätten dem Besitzer deshalb Unterstützung angeboten. Diesen Verkauf wolle die Stadt aber auf keinen Fall akzeptieren.

Am Mittwoch ergänzte der derzeit urlaubende SPD-Politiker, er habe die Angelegenheit an seinen Vertreter Hans-Jürgen Wohlrab weitergegeben. Wohlrab von der SPD wolle wie Hoffmann das Landratsamt einschalten. Das Ziel sei klar: Aus der rotgestrichenen Gaststätte an der Schirndiger Straße soll unter keinen Umständen ein "braunes Haus" werden.

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