25.01.2021 - 13:17 Uhr
SelbDeutschland & Welt

BHS-Tabletop-Chef im Interview: „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“

Der Vorstandsvorsitzende von BHS Tabletop, Gerhard Schwalber, sieht das Unternehmen für die Zeit nach der Krise gut aufgestellt. Dennoch sollen wie angekündigt bis Jahresende 190 Stellen sozialverträglich abgebaut werden.

Gerhard Schwalber, Vorstandsvorsitzender von BHS Tabletop.
von Redaktion ONETZProfil

Von Peggy Biczysko

Hinter vielen Unternehmen rund um den Globus liegt ein hartes Jahr durch den Lockdown, den das Coronavirus ausgelöst hat. Die Pandemie ist auch schuld daran, dass sich Firmen nicht wie gewohnt präsentieren können. So findet die Ambiente, auf der normalerweise im Februar über 4600 Unternehmen ihre Neuheiten präsentieren, in diesem Jahr nicht statt. Auf der größten Konsumgütermesse der Welt hatte sich bislang auch BHS Tabletop mit seinen neuesten Porzellan-Kreationen aus Selb zur Schau gestellt. Wie die Lage im Unternehmen momentan ist, wollten wir vom Vorstandsvorsitzenden der BHS Tabletop AG, Gerhard Schwalber, wissen.

ONETZ: Herr Schwalber, wie ist BHS Tabletop bisher durch die Coronakrise gekommen?

Gerhard Schwalber: Wir sind weiterhin Plan-konform unterwegs und sehen Licht am Ende des Tunnels. Dies liegt vor allem an den enormen Anstrengungen, die wir unternommen haben, am finanziellen Entgegenkommen der Mitarbeiter, dem finanziellen Engagement des Eigners, der realisierten Bankenfinanzierung, nach wie vor intakten Lieferketten, einem bislang erfolgreichen Corona-Krisenmanagement und einem kompromisslosen Kosten-Management.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen haben wir im Projektgeschäft Erfolge erzielen können, hier insbesondere im Segment Gesundheitswesen, der Gemeinschaftsverpflegung und im Fremdmarkengeschäft. Und wir haben die Krise für Innovationsprojekte genutzt.

ONETZ: Welche Projekte sind das?

Bei Bauscher haben wir beispielsweise das Bento-Box-System auf den Markt gebracht, da Gastronomen wie auch Gäste seit dem letzten Jahr verstärkt auf Hygiene-Standards achten. Bauscher ist unser Spezialist für Profi-Porzellan. Funktional, raffiniert und mit zwei überzeugenden Designs machen es die Boxen besonders leicht, Essen hygienisch einwandfrei und dennoch stilvoll zu servieren.

ONETZ: War die Pandemie der Grund für die Entlassungen im Unternehmen?

Diese globale Pandemie traf uns insofern, da wir Zulieferer von Gastronomie und Hotellerie sind. Infolge der Krise haben sich IG BCE, VKI, Betriebsrat und Arbeitgeber deshalb im Oktober auf einen gemeinsamen Zukunftspakt verständigt. Dieser beinhaltet im Kern einen Sozialplan und für die Laufzeit des neuen Tarifvertrags eine Standortgarantie für die produzierenden Betriebsteile in Schönwald und Weiden sowie das Dekorations- und Logistikzentrum (DLZ) in Selb.

BHS Tabletop entlässt 190 Mitarbeiter

Weiden in der Oberpfalz

ONETZ: Wie viele Menschen sind im vergangenen Jahr entlassen worden und wurden Beschäftigte früher in den Ruhestand geschickt?

Arbeitnehmervertretung und Unternehmensleitung haben sich im Zuge des im Juli angekündigten Arbeitsplatzabbaus auf einen Interessensausgleich und Sozialplan verständigt. Dieser sollte möglichst unter Vermeidung von betriebsbedingten Kündigungen auskommen, weswegen zum 1. Dezember 2020 für die betroffenen Mitarbeiter eine Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft eingerichtet wurde. Der geplante Abbau von den 190 Stellen läuft bis Ende 2021.

ONETZ: Wird bei Ihnen noch kurzgearbeitet?

Ja, es wird weiterhin phasenweise kurzgearbeitet – in Logistik, Produktion und bei Profi-Table.

ONETZ: Wie viele Menschen beschäftigt BHS Tabletop aktuell an all seinen verschiedenen Standorten?

1155 waren es im Geschäftsjahr 2019. 190 Stellen sollen bis Ende 2021 abgebaut werden. Aktuell befinden wir uns in den Personalabbaumaßnahmen, und entsprechend ändern sich die Zahlen kontinuierlich.

Chancen für entlassene BHS-Tabletop-Mitarbeiter

Weiden in der Oberpfalz

ONETZ: Die Ambiente in Frankfurt, die ja die Plattform schlechthin für die Unternehmen auf dem internationalen Markt ist, fällt diesen Februar aus. Wie und wo präsentieren Sie Ihre neuesten Produkte?

Wir haben einen exzellenten Zugang zu unseren (Bestands-)Kunden und arbeiten weiterhin erfolgreich und intensiv mit den Fachhändlern zusammen – pandemie-bedingt natürlich hauptsächlich digital. Und wir werden selektiv auf digitalen Branchenmessen vertreten sein.

ONETZ: Haben Sie einen Online-Markt erschlossen, auf dem Sie Ihre Produkte vorführen können?

Wir arbeiten aktuell an einem komplett neuen und erweiterten digitalen (Vermarktungs-)Ansatz, weil wir hier national und international sehr viel Potenzial sehen. Darin geht es unter anderem auch um das Thema Präsentation.

ONETZ: Der Haushaltsbereich soll ja gut gelaufen sein, zumal die Menschen, die Corona-bedingt zu Hause bleiben mussten, mehr in ihr Heim investiert haben. Können Sie das so bestätigen?

Wir sind nicht auf den Haushaltsbereich ausgerichtet, daher können wir diese Frage nicht beantworten.

ONETZ: Gibt es Länder, deren Märkte für Sie aufgrund der Pandemie komplett weggebrochen sind?

Nein.

ONETZ: Wo sehen Sie ein Licht am Horizont?

Die Impfungen haben begonnen. Je schneller sich die Pandemie und die persönlichen Einschränkungen abschwächen, desto besser für uns. Die über die Wintermonate aufgestaute Sehnsucht der Menschen nach Gemeinschaftserlebnissen, Reisen, Ausgehen und Treffen mit Freunden ist enorm. Diesem Moment fiebern alle entgegen. Und wir arbeiten genau auf diesen Zeitpunkt hin. Wenn die Nachfrage aus Gastronomie, Hotellerie, Gemeinschaftsverpflegung oder Tourismus nach unseren Produkten und Lösungen wieder anspringt, werden wir sehr gut vorbereitet und umgehend handlungsfähig sein.

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