08.11.2020 - 12:54 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Schmack baut in der Schweiz die weltgrößte Power-to-Gas-Anlage

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Das Schwandorfer Unternehmen Schmack errichtet in der Schweiz die weltweit größte Power-to-Gas-Anlage. In Deutschland seien die Hürden für ein solches Projekt zu hoch.

Durch den Power-to-Gas-Prozess kann überschüssiger Strom aus regenerativen Energien gespeichert werden.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die Rahmenbedingungen in Deutschland machen dem 1995 in Regensburg von Tüftler Ulrich Schmack und seinen Brüdern gegründeten einstigen Senkrechtstarter der Erneuerbaren Energiebranche in Deutschland das Leben schwer. Schmack ist inzwischen aus dem Unternehmen ausgetreten, seine Schwägerin ist weiter aktiv: "Die EEG-Umlage auf umgewandelten Strom ist dabei die größte Hürde", sagt Doris Schmack, Prokuristin der Tochterfirma microbEnergy.

Aus Power-to-Gas in Kombination mit Biogasanlagen könne ein neues Geschäftsmodell für Biogasanlagen entstehen. Nach Börsengang und Fast-Insolvenz folgte 2010 die Übernahme durch die Viessmann Gruppe. Die microbEnergy GmbH sollte sich dabei auf die Methanisierung, die Schmack Biogas GmbH auf den Anlagenbau konzentrieren - unter dem Dach der Schmack BioEnergie GmbH.

Der Auftrag aus der Schweiz kommt zur rechten Zeit - vielleicht mit Signalwirkung auch für die Oberpfalz? "Der Spatenstich sollte im Frühjahr erfolgen", sagt Eva Sonnleitner aus der Marketing-Abteilung. Corona-bedingt musste der auf September verschoben werden. "Wir liefern die Anlage schlüsselfertig." Von der ersten Machbarkeitsstudie von vor vier Jahren bis zur Betreuung nach der Fertigstellung sei Schmack federführend.

"In der Schweiz können wir die industrielle Tauglichkeit der Power-to-Gas-Technologie unter Beweis stellen."

Manuel Götz

Manuel Götz

"In der Schweiz können wir endlich die industrielle Tauglichkeit der Power-to-Gas-Technologie unter Beweis stellen", beschreibt Manuel Götz, Geschäftsführer der Schmack BioEnergie, die Bedeutung des Pilot-Projekts. Die weltweit größte Power-to-Gas-Anlage mit mikrobiologischer Methanisierung im Dietikon (Kanton Zürich) soll mit einer Elektrolyse-Leistung von 2,5 Megawatt ab Ende 2021 synthetisches Methan in das Netz einspeisen.

Strom aus Müll

Auf dem Areal des Limmattaler Regiowerks liefert eine Müllverbrennungsanlage den regenerativen Strom. Zudem kann das im Klärgas enthaltene CO2 aus der benachbarten Abwasserreinigung verwertet werden. Aus Abfall und Abwasser werden die Schweizer so erneuerbares Methan produzieren und über die Einspeisung ins Gasnetz künftig jährlich bis zu 5000 Tonnen CO2 einsparen - der Ausstoß von rund 2000 Haushalten.

Ein Modell auch für Schwandorf mit seiner Müllverbrennungsanlage? "Wir haben auch in Deutschland versucht, solche Projekte auf die Beine zu stellen", erklärt Sonnleitner die Hürden, "durch EEG-Kosten und Netzentgelte ist das finanziell nicht darstellbar - die Schweiz hat politisch entschieden, 30 Prozent ihres Gasnetzes bis 2030 grün zu betreiben, deswegen ist es dort finanzierbar."

Landrat Meier hofft auf die Umwandlung von Strom in Wasserstoff.

Neustadt an der Waldnaab

"Natürlich hoffen wir durch das Anspringen des Marktes auch auf ein Geschäftsmodell für uns als Technologieanbieter", sagt Doris Schmack. "Zusammen mit unserer Schwesterfirma, der Schmack Biogas, sind wir gut aufgestellt." Entscheidend für das Zustandekommen des Projekts ist die Zusage von acht Schweizer Energieversorgern, das Gas zu einem definierten Preis abzunehmen.

"Für ein erneuerbares und klimaneutrales Energiesystem müssen wir über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten", erklärt Ronny Kaufmann, Geschäftsführer der Swisspower AG. Diese Allianz von 21 Schweizer Stadtwerken und regionalen Versorgungsunternehmen investiert rund 14 Millionen Franken in das Vorzeigeprojekt. Auch das Bundesamt für Energie leistet einen finanziellen Beitrag.

Die geplante Anlage in der Schweiz.

Schweizer Energie-Strategie 2050

Auf höchster politischer Ebene wird die Anlage als Beitrag zum Umbau des Schweizer Energiesystems im Rahmen der Energiestrategie 2050 betrachtet: Auch die Eidgenossen wollen den Atomstrom durch Solar-, Wasser- und Windkraft ersetzen. Um saisonale Stromüberschüsse speicherbar zu machen, setzt Limeco als Bauherrin und Betreiberin auf Power-to-Gas als Schlüsseltechnologie.

Limecos Regiowerk in Dietikon versorgt das Limmattal mit klimafreundlicher Energie. Dazu betreibt das Unternehmen ein großes Fernwärmenetz, das in den nächsten Jahren stark ausgebaut werden soll, sowie eine Abwasserreinigungsanlage und eine Müllverwertungsanlage.

So funktioniert das Prinzip Power-to-Gas: Aus Wasserstoff (H2), Kohlenstoffdioxid (CO2) und Mikroorganismen wird Methangas (CH4), das in das Netz eingespeist werden kann.
Zahlen zur Power-to-Gas-Anlage:
  • 1.8 Miillionen Nm3: Klärgas (65 Prozent Methan/35 Prozent CO2) werden jährlich verarbeitet.
  • 2.5 MW: Elektrolyseleistung für die Wasserstoffproduktion.
  • 0.8 MW: nutzbare Abwärme produziert die Anlage für Limeco Regiowärme.
  • 14 Millionen Franken: Gesamtinvestition in das Projekt.
  • 2800 Nm3: Volumen haben die Klärgasspeicher, die einen flexiblen Betrieb der Anlage ermöglichen.
  • 4000–5000 Tonnen: CO2 werden pro Jahr eingespart, in etwa der Ausstoß von rund 2000 Haushalten.
  • 15 Jahre: Mindestbetriebsdauer der Anlage.
  • 10.000–15.000 MWh: CO2-neutraler Strom aus der KVA stehen pro Jahr zur Verfügung.
  • 18.000 MWh: erneuerbares Gas speist die Anlage pro Jahr ins Gasnetz ein.
  • 80 Prozent: Gesamtwirkungsgrad erzielt die Anlage mit Abwärmenutzung – ohne Abwärmenutzung sind es knapp 45 Prozent.
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