08.11.2020 - 13:12 Uhr
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Landrat Ebeling: Power-to-Gas hätte perfekt zu Schwandorf gepasst

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Im Kanton Zürich baut die Schwandorfer Schmack BioEnergie GmbH die weltgrößte Power-to-Gas-Anlage. Sie beflügelt die Schweizer Energiewende. Dabei hatte sich auch der Landkreis Schwandorf um das Projekt beworben.

Müllkraftwerk unter Strom: Schwandorf hatte bereits für eine Power-to-Gas-Anlage geplant.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die weltweit größte Power-to-Gas-Anlage der Schmack BioEnergie GmbH in Dietikon (Kanton Zürich) soll ab Ende 2021 synthetisches Methan in das Netz einspeisen. „In der Schweiz können wir die industrielle Tauglichkeit der Power-to-Gas-Technologie unter Beweis stellen“, beschreibt Manuel Götz, Geschäftsführer der Schmack BioEnergie, die Bedeutung des Pilot-Projekts.

So funktioniert die Schmack-Anlage in der Schweiz

Schwandorf

Auf dem Areal des Limmattaler Regiowerks liefert eine Müllverbrennungsanlage den regenerativen Strom – nach der Novellierung des Erneuerbaren Energiengesetzes (EEG) wird Strom aus Müllverbrennungsanlagen als regenerativ eingestuft. Zudem kann das im Klärgas enthaltene CO2 aus der benachbarten Abwasserreinigung verwertet werden. Mit dem erneuerbaren Methan aus Abfall und Abwasser sparen die Schweizer über die Einspeisung ins Gasnetz künftig jährlich bis zu 5000 Tonnen CO2 ein – der Ausstoß von rund 2000 Haushalten.

Endlich das fehlende Glied

Power-to-Gas, also die Umwandlung von elektrischer Energie in Gas, ist eine Möglichkeit, nicht benötigten Strom – aus Solar- oder Windenergie – zwischenzuspeichern. Mittelfristig könnte diese Technologie das fehlende Glied der Energiewende liefern: Die dringend benötigten Speicher, um Stromspitzen wind- und sonnenreicher Phasen zu nutzen, ohne die Netze zu überlasten oder überproduzierten Strom unwirtschaftlich weiterverkaufen zu müssen.

Inzwischen ist die Idee der Einbeziehung von Müllverbrennungsanlagen (MVA) als Mosaikstein der Energieversorgung in der Politik angekommen. DIE MVA in Helmstedt etwa ist Teil eines „Reallabors der Energiewende“. Dort wird das bei der thermischen Abfallverwertung anfallende Kohlendioxid (CO2) aus dem Rauchgas abgeschieden und zu Methangas aufbereitet. „Diese Technologie trägt als wichtiges Element der Sektorenkopplung entscheidend zur Effizienz und Realisierung der Energiewende bei“, sagt Avacons Technikvorstand Stephan Tenge, „und hat einen festen Platz in der Energiezukunft.“

Pilotprojekt wird in der Schweiz statt in Schwandorf umgesetzt

Seit dem Start im Jahr 2016 verfolgt der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) das Projekt des Energieversorgers Limeco an der Dietikoner Kehrichtverbrennungsanlage, wie Müllverbrennungsanlagen in der Schweiz heißen. „Ich finde es bedauerlich, dass das Pilotprojekt in der Schweiz und nicht in Schwandorf verwirklicht wurde“, ärgert sich Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU), „obwohl wir bereits vor den Kollegen in Dietikon mit der Planung begonnen haben.“

Verbandsdirektor Thomas Knoll sei sogar Mitglied im Verband der Schweizer Abfallbehandlungsanlagen (VBSA). „Die Voraussetzungen am Standort Schwandorf wären für die von „microbEnergy“ entwickelte Power-to-Gas-Technologie hervorragend.“ Die 2015/2016 entwickelte Projektidee für eine Power-to-Gas-Anlage in Schwandorf beinhalte folgende Elemente:

Die geplante Anlage in der Schweiz.
  • Aus dem Strom des Müllkraftwerks wollte man Wasserstoff und Methan herstellen. Das Gas sollte in das Erdgasnetz eingespeist werden.
  • „Das Vorhaben hätte in der Region Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovationskraft gestärkt“, sagt Ebeling.

Woran ist die Projektumsetzung in Schwandorf gescheitert?

  • Stromspeicher wie Power-to-Gas-Anlagen müssen für den gespeicherten Strom die EEG-Umlage bezahlen, wodurch der Strompreis für den Anlagenbetrieb steigt.
  • Für den Eigenverbrauch fallen reduzierte Umlagen an.

„Ein rentabler Betrieb ist so nicht möglich“, begründet Ebeling das vorläufige Scheitern der Idee.

Negatives Gutachten

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf habe im Januar 2016 bei der auf Energierecht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Becker Büttner Held ein Gutachten in Auftrag gegeben: „Leider hat das Rechtsgutachten die oben genannten Belastungen mit Umlagen und Steuern bestätigt“, sagt der Landrat.

Aufgeben will Ebeling nicht: „Eine Chance sehe ich, wenn der Gesetzgeber Leuchtturmprojekte wie die Power-to-Gas-Anlage im Landkreis Schwandorf als Energiespeicher anerkennt.“ Dann wäre es möglich eine solche Anlage von der EEG-Umlage zu befreien. Alternativ könnten auch langfristige Abnahmegarantien für das mit EEG-Umlage produzierte Gas abgegeben werden – wie beim Limeco-Projekt. „Damit könnten zum Beispiel auch Liegenschaften des Freistaates Bayern klimaneutral beheizt werden.“

Info:

Power-to-Gas als Stromspeicher

  • Power-to-Gas, also die Umwandlung von elektrischer Energie in Gas, ist eine Möglichkeit, nicht benötigten Strom – wie die Spitzen aus Solar- und Windenergie – zwischenzuspeichern.
  • Dabei wird mittels Wasserelektrolyse und unter Einsatz elektrischen Stroms ein Brenngas, Wasserstoff, Ammoniak oder Methan, erzeugt.
  • Als Power-to-Fuel kann es im Verkehrswesen genutzt werden (besonders als Treibstoff für Schiffe und Flugzeuge) .
  • als chemischer Rohstoff (Power-to-Chemicals)
  • oder zur späteren Rückverstromung in Gaskraftwerken.
  • Eine Weiterentwicklung sind integrierte Speicherkraftwerke auf Basis reversibler Brennstoffzellen mit Speicherwirkungsgraden bis 70 Prozent.
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