Rolando Villazón über Coronakrise: "Habe zwei Monate nicht mein Haus verlassen"

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Startenor Rolando Villazón ist auch Autor. Sein dritter Roman handelt von einem Mexikaner, der unbedingt Opernsänger werden will. Villazón spricht im Interview mit Oberpfalz-Medien über Salzburg, Mozart und seine persönliche Coronakrise.

Beeindruckt auch als Schriftsteller : Tenor Rolando Villazón.
von Anke SchäferProfil

Der Mexikaner Vian Maurer will unbedingt Opernsänger werden. Er schafft es aber nur bis zum Komparsen bei den Salzburger Festspielen. Ganz im Gegensatz zu Startenor Rolando Villazón, der sich die lesenswerte Geschichte ausgedacht hat. „Amadeus auf dem Fahrrad“ ist aber nicht nur ein espritvoller, komödiantischer Spiegel des einzigartigen Kosmos der Salzburger Festspiele. Es ist auch eine tiefe Verneigung vor Wolfgang Amadeus Mozart, der für Rolando Villazón zum musikalischen Lebensbegleiter und besten Freund geworden ist. Und es ist eine Geschichte vom Mut, Grenzen zu überwinden und für seine Freiheit einzustehen. Zwischen Fernsehauftritten und CD-Aufnahmen hat sich der gefragte Künstler Zeit genommen für die schriftlich gestellten Fragen zu seinem dritten Roman, zur Corona-Kulturkrise und zu seinen Plänen für die nächsten Monate.

ONETZ: Herr Villazón, Kulturbotschafter Ihres Heimatlandes Mexiko sind Sie ja schon. Mit Ihrem neuen Roman empfehlen Sie sich aber auch für ein solches Amt bei der Stadt Salzburg – wäre das eine interessante Option?

Rolando Villazón: Ich liebe Salzburg tatsächlich sehr. Sobald ich nach Salzburg komme, beginnt mein Herz zu schlagen. Durch meine Arbeit als Intendant der Mozartwoche habe ich jetzt das Glück, noch mehr dort sein zu können. Und Salzburg im Januar ist ganz besonders schön!

ONETZ: Wer Salzburg sagt, denkt unweigerlich Mozart. Was hat Ihre Liebe zu beiden entfacht?

Salzburg ist seit 2005 ein extrem wichtiger Ort in meinem Leben. Natürlich ist meine Liebe durch die Mozartwoche nochmal intensiver geworden. Meine Liebe zu Mozart begann 2010, als ich eingeladen war, Don Ottavio in Don Giovanni in Baden-Baden zu singen und für die Deutsche Grammophon aufzunehmen. Zur Vorbereitung habe ich Mozarts Briefe gelesen – und einen Freund fürs Leben gefunden. Seitdem ist Mozart aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Ich lese jeden Tag einen kleinen Brief oder höre ein Stück Musik von ihm. Er ist wirklich einer meiner besten Freunde geworden.

ONETZ: Im Roman formen Musik, Kunst und Literatur die Kulisse für eine berührende Geschichte der Befreiung. Liegt das Glück im Mut, familiäre Fesseln abzustreifen und sich selbst treu zu bleiben, egal ob erfolgreich oder nicht?

Mut ist auf jeden Fall sehr wichtig. Man muss Konventionen neu bewerten und sich in diesem neuen Licht selbst erfinden. Fesseln können natürlich ganz unterschiedlicher Art sein, aber die Suche nach persönlicher Freiheit ist wirklich ein ganz wichtiges Thema für mich.

ONETZ: Sie lassen die Leser auch ein bisschen hinter den Vorhang solch großer Festspiele spitzen – ein schwieriger Spagat, wenn Namen bekannter Kollegen oder erkennbare Ähnlichkeiten im Spiel sind?

Mir war es wichtig, neben den fiktiven Charakteren auch einige reale Kollegen und Kolleginnen vorkommen zu lassen. Der Roman spielt ja 2015 bei den Festspielen und diese Künstlerinnen und Künstler sind ein wichtiger Bestandteil der Festspiele und dieser besonderen Salzburger Stimmung. Ich habe mit den KollegInnen noch nicht gesprochen aber glaube und hoffe, sie sind zufrieden.

ONETZ: Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben nicht nur die internationale Kulturszene lahmgelegt. Wie haben Sie diese schwierigen Wochen zuhause in Frankreich erlebt?

Es war wirklich eine außergewöhnliche Zeit: Ich habe tatsächlich zwischen Mitte März und Mitte Mai zwei Monate nicht meine Wohnung verlassen. Der Lockdown war in Frankreich wesentlich strenger als in Deutschland. Meine Familie und ich haben gemeinsam einen guten Rhythmus gefunden und die Zeit gut überstanden. Als der Lockdown dann vorbei war, musste ich gleich auf eine Reise nach Berlin und Salzburg und das war ein ziemlicher Kulturschock.

ONETZ: Wie stehen Sie zu den Plänen, die Salzburger Festspiele im August modifiziert aber doch durchzuziehen?

Wir brauchen Kunst in unserer Gesellschaft. Gesundheit ist wichtig, Wirtschaft ist wichtig, aber wir können Kunst nicht zu einer Nebensache werden lassen. Dafür hat sie zu große Bedeutung für uns Menschen. Im Moment wirkt es so, als wären Opernhäuser und Konzertsäle der letzte Ort, an denen die Regeln zum "Social Distancing" noch eingehalten werden. Im Flugzeug sitzen die Menschen wie die Sardinen eingepfercht und ins Theater sollen nur 50? Das macht keinen Sinn! Ich appelliere wirklich an alle Menschen, sich für Kunst und Künstler auf allen Ebenen einzusetzen. Und ganz wichtig: Es gab viel Kultur umsonst, aber die Menschen müssen auch wieder für Kultur bezahlen. Ohne können Kunst und Künstler nicht überleben.

ONETZ: Haben Sie als Intendant Hoffnung für die Mozartwoche 2021?

Mehr als Hoffnung! Ich freue mich auf eine erfolgreiche Mozartwoche 2021 und auf eine weitere großartige Feier zu Ehren Mozarts.

ONETZ: Wie ist es um Ihren Terminkalender für die nächsten Wochen und Monate bestellt?

Jetzt im Sommer geht es langsam wieder los, mit Konzerten in Polen und Österreich. Im Herbst wurden einige Konzerte ins nächste Jahr verschoben, aber andere sind noch geplant – ich hoffe, es bleibt dabei.

ONETZ: Werden Sie „Amadeus auf dem Fahrrad“ in absehbarer Zeit persönlich und live vorstellen können oder passen Sie sich an die neue Zeit an und starten einen Live-Stream?

Wir müssen beides wagen: Meine Buchpräsentation im Litertaturhaus München fand vor limitiertem Publikum statt und wurde außerdem live gestreamt. In Salzburg gibt es eine Präsentation vor Publikum im August. Am 16.7. gibt es außerdem ein Livestream-Konzert mit mir und dem großartigen Xavier de Maistre auf www.dg-stage.com, der neuen Plattform der Deutschen Grammophon. Es muss neue Wege geben, für unser Publikum aufzutreten.

Kulturszene macht in Coronakrise auf sich aufmerksam

Weiden in der Oberpfalz

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Buchcover
Info:

Zum Buch

Rolando Villazóns dritter Roman "Amadeus auf dem Fahrrad", Hardcover, 416 Seiten, aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen, ist am 16. Juni bei Rowohlt erschienen und kostet 26 Euro. Ebenfalls bei Rowohlt erschienen und von Willi Zurbrüggen übersetzt sind die Vorgänger-Romane "Kunststücke" (2016) und "Lebenskünstler" (2018).

Info:

Zur Person

Rolando Villazón wurde 1972 in Mexiko-Stadt geboren. Dort besuchte der Enkel eines österreichischen Emigranten die deutsche Schule und das Konservatorium. Nach seinem internationalen Durchbruch 1999 sorgte er 2005 an der Seite von Anna Netrebko in „La Traviata“ bei den Salzburger Festspielen für Furore. Er ist zudem gefragter Opernregisseur, Moderator bei „Klassik Radio“, Kulturbotschafter Mexikos und Intendant der Mozartwoche Salzburg. Rolando Villazón ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Paris.

Willi Zurbrüggen arbeitet als Literaturübersetzer und freier Autor. Für seine Übersetzungen aus dem Spanischen wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Übersetzerpreis des spanischen Kulturministeriums und dem Jane-Scatcherd-Preis.

Info:

Veranstaltungen

Am Donnerstag, 16. Juli ist er zusammen mit Harfenist Xavier de Maistre exklusiv per Live-Stream der Deutschen Grammofon Stage (www.dg-stage.com) mit „Serenata Latina“ im "Théâtre des Bouffes-Parisiens“ in Paris zu erleben. Die gleichnamige CD der beiden erscheint am 2. Oktober 2020.

Am Freitag, 7. August, 11 Uhr liest Rolando Villazón im Rahmen der diesjährigen Salzburger Festspiele in der Großen Universitätsaula aus „Amadeus auf dem Fahrrad“. Die Mozartwoche 2021 unter dem Motto "Mozart- der vollkommenste musico drammatico" findet vom 21. bis 31. Januar 2021 in Salzburg statt.

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