24.10.2020 - 13:53 Uhr
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Zweite Runde im Mordprozess: Freispruch oder lange Freiheitsstrafe?

Es war ein feuchtfröhliches Gelage - und am Ende gab es einen Toten. Wurde er erstochen - und von wem? Oder war es ein Unfall? Viele Fragen bleiben auch in der zweiten Runde des Regensburger Prozesses offen.

Symbolbild.
von Autor AHSProfil

Muss er die nächsten elf Jahre ins Gefängnis - oder ist der 51-jährige Angeklagte bald ein freier Mann? Im Revisionsprozess um einen Mord in Neustadt an der Donau (Kreis Kelheim) am Schwurgericht Regensburg sind am Freitag die Plädoyers gehalten worden. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine Freiheitsstrafe von elf Jahren, die Verteidigung auf einen Freispruch.

Bei einer Feier in der späteren Wohnung im Mai 2018 starb einer der Gäste an einer tiefen Schnittverletzung im Halsbereich. Als Täter wurde der heute 51-jährige Gastgeber ermittelt und in Untersuchungshaft genommen. Da der Bundesgerichtshof das erste gegen ihn ergangene Urteil - einen Schuldspruch wegen Mordes - aufgehoben hatte, muss er sich seit einem Monat erneut vor einem anderen Schwurgericht verantworten. Damals wurde er zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und Unterbringung in eine Erziehungsanstalt verurteilt.

Kommt ein anderer Täter in Betracht?

Auf die Revision des Angeklagten hin hob der Bundesgerichtshof diese Entscheidung auf und verwies das Verfahren an eine andere Strafkammer als Schwurgericht zurück. Die Karlsruher Richter waren zu dem Ergebnis gekommen, dass die Regensburger Entscheidung einer "sachlich-rechtlichen Nachprüfung nicht standhält". Die Täterschaft des Angeklagten sei "nicht tragfähig belegt". Dabei sei die Widersprüchlichkeit einer Zeugin nicht ausreichend gewürdigt worden. Es sei nicht ausschließbar, dass sie als Täterin in Betracht kommt.

In der Neuauflage des Prozesses machte diese Zeugin von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Die damalige Lebensgefährtin des Angeklagten erklärte unwiderlegbar, dass sie sich inzwischen verlobt hätten und deshalb ebenfalls nicht aussagen will. Ungeachtet dessen wurden die Protokolle ihrer damaligen Aussagen durch Verlesen in das Verfahren eingeführt.

Staatsanwalt hat keine Zweifel

In seinem Schlussvortrag räumte der Staatsanwalt zwar ein, dass das Motiv dieser Tat nicht abschließend geklärt werden konnte. Dennoch hat er keinen Zweifel daran, dass der wahre Täter auf der Anklagebank sitzt. Die psychologische Sachverständige hatte den Angeklagten als voll schuldfähig eingestuft, vermochte aber eine erhebliche Minderung der Steuerungsfähigkeit auf Grund seiner Suchterkrankung nicht ausschließen. Er plädierte deshalb an Stelle der lebenslangen Freiheitsstrafe auf eine solche von elf Jahren. Nach einem Vorwegvollzug von drei Jahren und sechs Monaten soll er in einer Entzugsklinik untergebraucht werden. Die beiden Verteidiger Maximilian Keser und Olaf Groborz plädierten unisono auf Freispruch. Dabei verwiesen sie auf ein mögliches Alternativgeschehen, insbesondere auf die vom Bundesgerichtshof in Erwägung gezogene Fremdtäterschaft.

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu Folge soll der Angeklagte in der Tatnacht im Mai 2018 seinem Opfer hinterücks mit einem Küchenmesser einen einzigen Schnitt in den Hals gesetzt haben. Der Geschädigte starb binnen Minuten. Das Urteil wird am 2. November verkündet.

Mordprozess vor Neuauflage

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