02.07.2020 - 17:59 Uhr
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Trauer um Georg Ratzinger: „So wie er gelebt hat, ist er gestorben“

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Die Region nimmt Abschied vom ehemaligen Domkapellmeister Georg Ratzinger. Schwester Laurente, die ihn in seinen letzten Jahren umsorgt hat, wird seinen Humor vermissen.

Der damalige Papst Benedikt XVI. (rechts) ist im Vatikan beim Gebet mit seinem Bruder Georg Ratzinger. Der frühere Regensburger Domkapellmeister, Leiter der Regensburger Domspatzen, und Bruder des emeritierten Papstes ist gestorben.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, sich von Georg Ratzinger zu verabschieden. Der ehemalige Domkapellmeister der Domspatzen, der am Mittwoch im Alter von 96 Jahren gestorben ist, wird in der Stiftskirche St. Johann neben dem Regensburger Dom aufgebahrt.

Vor zwei Wochen hatte der emeritierte Papst Benedikt XVI. seinem schwer kranken Bruder noch überraschend einen Besuch abgestattet. Dass der 93-Jährige zur Beerdigung nochmals die für ihn beschwerliche Reise nach Regensburg auf sich nimmt, gilt als unwahrscheinlich. Am Mittwoch, 8. Juli, zelebriert Bischof Rudolf Voderholzer ab 10 Uhr das Pontifikalrequiem im Dom. Coronabedingt sind die Plätze zur Mitfeier begrenzt. Das Requiem kann auch als Livestream auf der Homepage des Bistums verfolgt werden. Anschließend wird Ratzinger gegen 12.30 Uhr im Stiftungsgrab der Regensburger Domspatzen auf dem Unteren Katholischen Friedhof in Regensburg beigesetzt.

Domspatzen singen nicht

Die Chöre der Regensburger Domspatzen bedauern, dass sie die Totenmesse für ihren früheren „Chef“ nicht musikalisch begleiten können. Das Abstandsgebot zwischen den Sängern aufgrund von Corona lasse das nicht zu, erklärte Domkapellmeister Christian Heiß. Singen werde lediglich ein kleines Ensemble aus 16 ehemaligen Domspatzen. Als Ersatz nehmen die aktuellen Chöre der Domspatzen bei einer nichtöffentlichen Totenvesper am Sonntag, 5. Juli, um 15 Uhr im Dom Abschied von Georg Ratzinger. Auch sie wird live auf der Bistums-Homepage übertragen.

Am Dienstag, 7. Juli, besteht von 10 bis 18 Uhr in der Stiftskirche St. Johann beim Dom die Möglichkeit, von Georg Ratzinger Abschied zu nehmen und sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Im digitalen Kondolenzbuch auf der Internetseite des Bistums haben seit Mittwoch bereits viele Freunde, Schüler und Wegbegleiter berührende Nachrichten hinterlassen.

Requiem von Georg Ratzinger im Regensburger Dom

Regensburg

Durch seine langjährige Tätigkeit als Chorleiter der Domspatzen hatte Ratzinger zahllose Kontakte zu ehemaligen Schülern. Albert Schmid, ein Vertrauter von Georg Ratzinger, erlebte bei Besuchen in Ratzingers Haus oft, dass frühere Schüler aus aller Welt bei ihm anriefen. Der ehemalige Domkapellmeister habe sich an die einzelnen Schüler gut erinnern können – und an deren gesangliche Fähigkeiten, erzählt Schmid, ehemaliger Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken, schmunzelnd.

Schmid war dabei, als Georg Ratzinger seinen letzten Atemzug tat. „So wie er gelebt hat, ist er auch gestorben“, erzählt er. Auf ganz natürliche Weise. Ratzinger sei auf seinen Tod vorbereitet gewesen. Er sei sich seiner Endlichkeit bewusst gewesen und habe das Leben gleichzeitig bejaht. Der ehemalige Domkapellmeister sei ein klardenkender, schnörkellos argumentierender Mensch gewesen, „der sich und anderen nichts vorgemacht hat“.

Beileidsbekundung von Papst Franziskus

Eine Beileidsbekundung kam von oberster Stelle: „Sie waren so aufmerksam, mir als Erstem die Nachricht vom Heimgang Ihres geliebten Bruders Georg mitzuteilen“, schrieb Papst Franziskus an seinen Vorgänger Benedikt XVI. „In dieser Stunde der Trauer möchte ich Ihnen nochmals meine herzliche Anteilnahme und meine geistliche Nähe bekunden.“

Umsorgt wurde Georg Ratzinger in den letzten sieben Jahren seines Lebens von Schwester Laurente aus dem Kloster Mallersdorf. Die 74-Jährige begleitete ihn auch am Sterbebett. In den letzten drei Wochen sei er bettlägrig gewesen und habe viel Pflege gebraucht, sagt Schwester Laurente im Gespräch mit unserer Zeitung. Noch bis zum Beginn der Corona-Pandemie hatte sie den ehemaligen Domkapellmeister viel im Rollstuhl durch die Regensburger Gassen geschoben, danach nur noch im Hof. Sie war es auch, die ihm seine geliebten Süßspeisen zubereitete. „Drei Mal die Woche“, erzählt Schwester Laurente.

Benedigt XVI. zu Besuch bei seinem Bruder in Regensburg

Regensburg

Der Besuch seines Bruders, des emeritierten Papstes, Ende Juni habe Georg Ratzinger nochmal aufblühen lassen, sagt sie. Die Brüder hätten auch nach der Rückkehr von Benedikt nach Rom miteinander telefoniert, doch die Gespräche am Telefon seien Georg Ratzinger zunehmend schwergefallen. Als sein Lebensende näher rückte, habe er vor allem Ruhe gewollt. Selbst Musik war ihm dann zu viel. Vermissen werde sie vor allem seinen Humor und seine Dankbarkeit. „Für jeden Handgriff gab es ein Vergelt’s Gott“, erzählt sie.

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