12.02.2021 - 10:54 Uhr
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Vom Rinderstall zur Künstlerbühne: "Die Nowak" im Interview

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"Die Nowak" setzt auf tiefgründige Lieder. Drei davon gibt die Sängerin bei "KLANG.Stall" zum Besten.

Was die Regensburger Künstlerin "Die Nowak" mit einem Schottergärtner verbindet und wie ein "Hängematten-Interview" therapeutisch wirken kann, verrät sie ab Sonntag im "KLANG.Stall" von Stefan Jürgens.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Sänger und Schauspieler Stefan Jürgens („RTL Samstag Nacht“, „Tatort“, „Soko Wien“) hatte im Herbst 2020 zu Konzerten unter dem Motto „KLANG.Stall“ in einen ehemaligen Stall eingeladen. Ab diesem Sonntag ist ein Stream abrufbar, bei dem auch „Die Nowak“ aus Sinzing bei Regensburg zu sehen und zu hören ist.

ONETZ: Ein alter Rinderstall als Konzertbühne: Das hätten Sie sich vor Corona wohl auch nicht träumen lassen, oder?

Die Nowak: Ja, das kann man so sagen. Das vergangene Jahr 2020 hat trotz der vielen Hürden auch sehr viele Überraschungen für mich parat gehabt. Und dieses Erlebnis gehört definitiv dazu.

ONETZ: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie bei „KLANG.Stall“ dabei sind? Wann und wo ist die Sendung produziert worden?

Die Nowak: Stefan Jürgens habe ich 2018 beim Rio-Reiser-Songpreis in Unna kennengelernt. Er hat mich angerufen und gefragt, ob ich mitmachen will. Die Sendung wurde mit drei weiteren Folgen an einem Wochenende im Oktober unter besten Hygieneauflagen auf Stefans liebevoll restauriertem Hof in der Nähe von Kyritz (Brandenburg) produziert. Ein unglaublich inspirierender Ort: wunderschöne Landschaft, Alleen, soweit das Auge reicht, und Backsteinhäuser. Ich liebe Backsteinhäuser.

ONETZ: Sie sind mit drei Liedern zu hören, darunter unter anderem „Der Schottergärtner“. Das klingt wie ein Plädoyer gegen Flächenverbrauch und wie eine Hymne auf den Naturgarten. Wie kommt man auf so einen Text?

Die Nowak: Das trifft es ziemlich gut. Die Idee hatte ich, als ich auf die Facebook-Satireseite „Gärten des Grauens“ gestoßen bin. Ulf Soltau, ein Berliner Biologe, betreibt diese Seite, die mittlerweile rund 80000 Follower zählt. Er prämiert dort die hässlichsten Schottergärten Deutschlands und versieht die von Fans eingesendeten Fotos mit satirischen Kommentaren. Ich habe aus diesen Kommentaren und den Bildern meinen Text geschrieben, sie quasi in eine Gedichtform gepresst und daraus entstand eines meiner wichtigsten Lieder - das ich übrigens im Frühjahr samt Video veröffentlichen werde.

ONETZ: Sie selbst sind sehr Rio-Reiser-affin. Wie kommt’s und was fehlt der deutschsprachigen Musikszene seit dessen Tod vor fast 25 Jahren?

Die Nowak: Ich habe im Jahr 2018 den Rio-Reiser-Songpreis gewonnen und lasse mich gerne von seinen unglaublich tiefen Texten und seiner Musik inspirieren. Gute Musik mit tiefen Texten wird auch heute noch geschrieben. Sie wird leider zu wenig beleuchtet. Um diese Musik herauszuheben, gibt es diesen Songpreis. Und ich freue mich unglaublich, dass ich in diesem Jahr Teil der Jury sein darf unter anderem neben Jan Delay, Balbina, Gründungsmitgliedern von Ton Steine Scherben und der Band Juli.

ONETZ: „KLANG.Stall“ ist nicht nur ein Konzert, vielmehr lernt man – in Ihrem Fall in einem Hängematten-Gespräch mit Stefan Jürgens - auch den Künstler als Menschen kennen. Was halten Sie von diesem Konzept und hätte das auch im linearen Fernsehen eine Chance verdient?

Die Nowak: Das Hängematten-Interview ist sicher eines der ungewöhnlichsten und schönsten Interviews, das ich geben durfte. Es hatte beinahe etwas Therapeutisches. (lacht) Solche Formate sind Leuchtfeuer in diesen stürmischen Zeiten. Ich würde es dem KLANG.Stall wünschen, dass er insbesondere in diesen Zeiten im öffentlich-rechtlichen Programm ausgestrahlt wird. Denn Stefan hat sicher auch einiges in dieses Konzept investiert. Ich konnte mich dort mit vielen wunderbaren Künstler/innen vernetzen und das ist eines der wenigen Dinge, die gerade funktionieren. Abgesehen davon gab es eine gute Gage.

Die Pandemie macht der Kultur zu schaffen

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ONETZ: Wie sind Sie selbst durch die Corona-Pandemie ausgebremst worden? Was ist künstlerisch „liegengeblieben“?

Die Nowak: Es ist das Schlimmste für mich, mich nicht auf der Bühne weiterentwickeln zu können. Denn die Interaktion mit dem Publikum lässt sich zu Hause nicht üben. Ein zweiter Verzicht ist, dass ich mich 2020 gegen eine physische Veröffentlichung meiner EP entschieden habe. Ich schaue aber nach vorne. Das Corona-Jahr hat mir unglaublich viel Vernetzung eingebracht: Ich habe an Musikvideos von Antje Schomaker und Phela mitwirken dürfen, bin Teil eines Liedes der Hamburger Band Kraus, welches Moses Schneider (Tocotronic) produziert hat, habe die Deichgranaten und Alin Coen kennengelernt. Und jetzt plane ich ein Projekt mit einer unglaublich talentierten Musikerin aus Wien: Sie heißt Magdalena Wawra, merken Sie sich die!

Schauspieler und Sänger Stefan Jürgens (2.von rechts) hatte neben "Die Nowak" auch Max Prosa (links) und Kaleb Erdmann eingeladen
Hintergrund:

Zur Person: "Die Nowak"

  • „Die Nowak“ ist natürlich nur ein Künstlername, mit bürgerlichen Namen heißt die Sängerin Rebekka Maier.
  • In der Region ist sie keine Unbekannte, denn sie war schon zweimal bei Konzerten der „Sünde“ in Weiden zu Gast.
  • Die aktuelle Sendung von „KLANG.Stall“ gibt es ab 14. Februar als „Vimeo on demand“, dabei sind neben Gastgeber Stefan Jürgens und „Die Nowak“ noch Max Prosa und Kaleb Erdmann.
  • Weitere Informationen unter www.vimeo.com/ondemand/willkommenimklangstall4 sowie www.dienowak.de
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