09.02.2021 - 16:03 Uhr
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Der Regensburger Hafen lebt

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Kräne, Gleise, Container und Güterschiffe dominieren das Bild am Regensburger Donauhafen. Doch die 180 Hektar große Hafenfläche im Stadtosten bietet – vom Menschen oft kaum bemerkt – auch eine Heimat für geschützte Tiere und Pflanzen.

Schafe und Ziegen beweiden Grasflächen im Hafengebiet, die für technische Geräte schwer zugänglich sind. Wo die Tiere grasen, wird die Artenvielfalt größer
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Severin Eggerdinger kennt den Regensburger Hafen wie seine Westentasche. Seit 2018 ist er Natur- und Landschaftspfleger bei der Bayernhafen-Gruppe, die sechs Hafenstandorte im Freistaat besitzt und teils selbst betreibt. Besonders stolz ist Eggerdinger, dass sich jedes Jahr ein Flussregenpfeifer-Paar zum Brüten am Regensburger Hafen niederlässt. Aber auch Möwen, Gänse und Enten breiten sich aus. Auf den Kränen und hohen Gebäuden finden Turmfalken Nistplätze. „Von der Nachtigall bis zum Zaunkönig hüpft bei uns alles herum“, erzählt Eggerdinger.

Die Vögel finden auf der Hafenfläche entlang der Donau ein relativ ungestörtes, ruhiges Gebiet vor. Trockene und nasse Bereiche wechseln sich ab, Auwälder bieten bestimmten Pflanzen den idealen Ort zum Wachsen. Das wiederum zieht Insekten an, die dann die Vögel heranlocken. Trotz der Stadtnähe ist das Hafengebiet kaum frequentiert, wenige Spaziergänger oder Hundebesitzer sind unterwegs.

„Natürlich sind die Industrie-, Gewerbe und Verkehrsflächen an den Bayernhafen-Standorten unser Hauptgeschäft“, sagt Joachim Zimmermann, Geschäftsführer der Bayernhafen-Standorte in Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg, Roth, Passau und Regensburg. „Doch sie lassen sich ganz hervorragend mit Naturflächen verbinden.“ Weil Bayernhafen Eigentümer der verschiedenen Standortflächen ist, habe man es selbst in der Hand die naturschutzfachliche Ausprägung und Vernetzung von Flächen zu entwickeln.

Aktuell sind etwa fünf Prozent des Regensburger Hafengebiets Naturflächen, sagt Landschaftspfleger Eggerdinger. Die Tendenz sei aber stark steigend, denn: „Wir bauen bisherige Ackerflächen in einen auentypischen Gehölzbestand und extensive Grünlandbereiche um.“ Auf 16 Hektar Land zwischen der Äußeren Wiener Straße und dem südlichen Donauufer werden damit neue Biotopflächen entstehen. Das habe Vorteile für alles Seiten, sagt Eggerdinger. Bayernhafen halte so Ausgleichsflächen parat für künftige bauliche Entwicklungen. Und Tiere und Pflanzen könnten sich bereits jetzt besser ausbreiten.

Eggerdinger ist selbst überrascht, wie schnell sich die Natur ihren Platz zurückerobert. „Eine kleine Fläche haben wir bereits umgewandelt“, erzählt er. „Dort sind schon jetzt viel mehr Insekten und Spinnen unterwegs.“ Das habe zuerst Meisen angelockt, dann auch Biber, Hasen und Rehe. „Man glaubt gar nicht, wie viele Tiere es in der Stadt gibt.“ Sogar die Population der störungsempfindlichen Fasane wachse an.

Trotz aller Idylle, in erster Linie ist der Hafen ein wichtiger Umschlagsplatz für Güter aller Art. Lastwagen und Züge rollen an, schwere Container werden auf Güterschiffe gehievt. Das sorgt natürlich für Lärm. „Überraschenderweise stört das die Tiere kaum“, sagt Eggerdinger. Ähnlich wie auf militärischen Übungsplätzen würden sich die Tiere recht schnell an die Geräuschkulisse gewöhnen.

Zu den streng geschützten Tieren, die sich am Hafen angesiedelt haben, gehört die Zauneidechse. Ihr gefällt vor allem der geschotterte Bereich um die Gleise. Naturpfleger Eggerdinger hat mit der Echse schon persönlich Bekanntschaft gemacht. Als ein Bauprojekt anstand, siedelte er das Einzelexemplar, das auf der Vorwarnliste der deutschen „Roten Liste“ steht, vorsichtig auf eine Fläche in der Nachbarschaft um. Auch Libellenarten, die sonst kaum vorkommen, schwirren an den abgeschiedenen Wasserflächen des Hafens. Muscheln und Jungfische finden im ruhigen Hafenbecken einen idealen Lebensraum.

Bauliche Probleme am Schottenportal

Regensburg

Eine besondere Gruppe von Tieren hat sich nicht auf natürliche Weise im Hafen angesiedelt, sondern wird seit drei Jahren jeden Sommer eigens herbeigeholt: 20 Schafe und Ziegen beweiden die Flächen an Stellen, wo technische Gerätschaften schlecht hinkommen. Wo sie grasen, sei auch die Artenvielfalt größer, schwärmt Eggerdinger über die „fleißigen Helferlein“.

Der 32-jährige liebt seine Tätigkeit. „Bis auf den Kaffee in der Früh ist jeder Tag anders“, sagt der Natur- und Landschaftspfleger. Mal entwickelt er am Schreibtisch Pflanz- und Begrünungspläne und kümmert sich um Genehmigungen, mal legt er draußen Blühwiesen an oder baut Krötenzäune. „Es ist ein echter Traumjob.“

Hintergrund:

Der Hafen Regensburg

Der Anlage bei Flusskilometer 2373 bis 2379 ist der nördlichste Donau-Hafen

  • Er entstand am jetzigen Ort östlich des Stadtzentrums ab Beginn des 20 Jahrhunderts
  • Eigentümer: Freistaat Bayern
  • Anlegefläche Auf einer Strecke von 5200 Metern Kailänge
  • Der Hafen bietet rund 2000 Arbeitsplätze
  • Es werden pro Jahr ca. 1,5 Millionen Tonnen an Gütern umgeschlagen
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