12.08.2020 - 16:35 Uhr
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Oberpfälzer Polizei warnt vor allem Senioren: Pedelec-Fahrer teils überfordert

Es wird bunter auf den Oberpfälzer Wegen und Straßen. Neben Autos, Fahrrädern und Fußgängern tummeln sich E-Fahrzeuge im Verkehr. Die Polizei will kein Spielverderber sein, sagt aber: Die Nutzer sollten ihre Fahrkünste nicht überschätzen.

E-Fahrzeuge machen gute Laune. Man muss aber wissen, wie man richtig mit ihnen umgeht. Das war am Dienstag die Botschaft von (von rechts) Polizeirat Andreas Schieder, dem Oberpfälzer Polizeivizepräsidenten Thomas Schöniger, Verkehrswacht-Bezirksvorsitzenden Gernot Schötz und Schauspielerin Inge Faes.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

"Unser Ziel ist es, dass die Leute sicher unterwegs sind", sagte der Oberpfälzer Polizeivizepräsident Thomas Schöniger bei einem Pressegespräch in Regensburg. Insbesondere die Zahl der Pedelecs - Elektrofahrräder, die beim Treten eine Motorunterstützung bieten - sei in jüngster Zeit stark gestiegen. Eine genaue Zahl kennt die Polizei nicht, da die Fahrzeuge nicht zugelassen werden müssen - im Gegensatz zu den E-Bikes, die bis zu 25 Stundenkilometer fahren, auch wenn der Fahrer nicht in die Pedale tritt. Echte E-Bikes gebe es deutlich weniger als Pedelecs, sagte Schöniger.

Auffällig sei, dass bei Unfällen mit Pedelecs der Anteil der Alleinbeteiligten hoch ist: In knapp 52 Prozent der Fälle war niemand anders an dem Unfall beteiligt. Die Polizei geht daher davon aus, dass die Pedelec-Nutzer von ihrem Gefährt teils überfordert sind. Die Pedelecs seien schwerer und häufig schneller, der Bremsweg und das Fahrverhalten anders, sagte Schöniger. Er appellierte an die Nutzer, das Fahren in Kurven, das Ausweichen bei Hindernissen und das Bremsen zu üben.

Die Verkehrswacht bietet Kurse an, bei denen die Teilnehmer in einem Parcours die richtige Fahrweise auf dem Pedelec trainieren können. "Gerade ältere Fahrer sind in schwierigeren Situationen mit den schweren Fahrzeugen überfordert", sagte Gernot Schötz, Bezirksvorsitzender der Verkehrswacht. Er empfiehlt dringend das Tragen eines Helms, auch wenn das nicht vorgeschrieben sei. Die Zahl der Unfälle, an denen Pedelecs beteiligt sind, ist stark gestiegen: 2012 waren es in der Oberpfalz 11, 2019 dann schon 138, wie Polizeirat Andreas Schieder erklärte. Er betonte, dass die neuen Verkehrsmittel einen Lernprozess für alle Verkehrsteilnehmer nötig machen. Wenn ein Autofahrer beim Rechtsabbiegen früher vielleicht gut einschätzen konnte, ob er abbiegen kann, bevor ein heranfahrender Radler da ist, sei das bei Pedelecs schwieriger - da die E-Fahrzeuge einfach schneller sind.

Gerade ältere Fahrer sind in schwierigeren Situationen mit den schweren Fahrzeugen überfordert.

Gernot Schötz, Bezirksvorsitzender der Verkehrswacht

Mit 99 Kilometern pro Stunde

Ein Problem sei auch die Manipulation von Pedelecs, sagte Schieder. Im Internet seien Bausätze, die das Tempo erhöhen, relativ leicht zu erwerben. Das sei aber zum einen gefährlich und zum anderen ein Strafbestand, etwa weil ein Fahrzeug mit einer höheren Geschwindigkeit dann versicherungspflichtig wäre. Ein Mann in der Nordoberpfalz habe sein Pedelec so getunt, dass es sogar 99 Stundenkilometer fahren konnte, erzählte Schieder.

Und auf einen ungewöhnlichen Fahrer wurde die Regensburger Polizei aufmerksam: Er fuhr ohne zu treten mit 30 Stundenkilometern einen Berg hinauf. Er hatte ein herkömmliches Fahrrad zu einem E-Bike umgebaut. Weil es aber nicht zugelassen war und auch sonst nicht den technischen Anforderungen entsprach, zog die Polizei es aus dem Verkehr.

Insbesondere in Regensburg hat sich mittlerweile auch der E-Scooter als Fortbewegungsmittel etabliert. Polizeivizepräsident Schöniger wies daraufhin, dass die Elektro-roller versicherungspflichtig sind. Beim Alkoholkonsum würden die gleichen Regeln wie beim Autofahren gelten, auch der Führerschein könne entzogen werden. Die Zahl der Verkehrsunfälle ist hier noch recht gering: Die Oberpfälzer Polizei verzeichnete seit Juni 2019, seitdem die Elektroroller im Straßenverkehr zugelassen sind, lediglich drei Unfälle, an denen Fahrer von E-Scootern beteiligt waren.

Drei Videoclips

Mit drei Videoclips im Internet will das Polizeipräsidium auf launige Weise auf die Gefahren beim Fahren mit den neuen E-Fahrzeugen hinweisen. Die Regensburger Schauspielerin Inge Faes saß bei den Dreharbeiten zum ersten Mal auf einem Pedelec - und war begeistert von dem mühelosen Fahren. Sie habe aber auch Respekt vor der Geschwindigkeit, sagte die Mittsechzigerin. Sollte sie sich selbst ein Pedelec zulegen, würde sie auf jeden Fall an einer Schulung teilnehmen, meinte Faes.

E-Bikes sind im Handel derzeit der große Umsatzbringer. Ein Experte gibt Tipps zum Kauf eines E-Fahrrads

Weiden in der Oberpfalz
Dieses selbstgebaute E-Bike zog die Regensburger Polizei aus dem Verkehr. Die Beamten wurden auf das Gefährt aufmerksam, weil der Fahrer mit 30 Stundenkilometern ohne zu treten einen Berg hinauffuhr.

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Stefan Srp

Hier sind die Verkäufer in der Pflicht, einzuweisen. Im Winter niemals im Turbo-Modus! Im Sommer nur kurz im Turbo bei schweren Anstieg/Zuladung wie Chr,-Seltmannstr oder Frauenrichterstr , bei mittleren Anstieg Sport, jeweils oben zurückschalten! Senioren sollten auf flacher Strecke nur Tour benutzen. Nach Kauf anfangs nur Eco, da wird nur das Mehrgewicht ausgeglichen, das ist dann so wie mit alten Rad und in einer ruhigen Ecke Kurvenfahren langsam steigernd üben: Kurve nicht so steil, sondern früher nehmen, Innenpedal oben und sich nach innen in die Kurve legen, bis einen das schwerere Rad nicht mehr aus der Fahrspur rausträgt. Und Bremsen testen, dürfen nicht zu schwach eingestellt sein, leicht anziehend schon greifen bis zur Hälfte am Bremshebel dann stark, hinten muss Bremse stärker sein als vorn, sonst hebt Hinterrad ab. Wenn die Zuordnung links vorn, rechts hinten am alten Rad andersrum war, lässt sich das auch wechseln. So meine Erfahrung.

18.08.2020