30.07.2021 - 14:44 Uhr
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Oberpfälzer Industrie erholt sich

Der Großteil der Oberpfälzer Metall- und Elektro-Unternehmen ist in einer deutlichen Erholungsphase: Das geht aus einer Umfrage der Arbeitgeberverbände Bayme und VBM hervor. Dennoch gehen in diesem Jahr Arbeitsplätze verloren.

Stefan Klumpp, Vorsitzender der Bayme-VBM Region Oberpfalz-Nord.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

„Unsere Unternehmen in der Oberpfalz sind wieder zuversichtlich“, sagte Stefan Klumpp, Vorsitzender der Bayme-VBM Region Oberpfalz-Nord, am Donnerstag in einem Online-Pressegespräch. Rund 78 Prozent der Betriebe bezeichneten das aktuelle Inlandsgeschäft als gut, 73 Prozent das Auslandsgeschäft. Die Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf seien insgesamt positiv. Allerdings: „Der Aufschwung kommt nicht in der Stärke, die wir gerne hätten“, erklärte Klumpp, der der Tirschenreuther Hamm AG vorsteht.

Zum einen belaste die allgemein schlechte Materialverfügbarkeit die Unternehmen. Klumpp führt den Mangel auf ein verändertes Konsumverhalten der Menschen in der Pandemie zurück. Die Menschen würden ihr Geld statt in Urlaub in Sachgüter wie Gartenhäuser, Fahrräder oder Spielkonsolen stecken. Das führe dazu, dass Mikrochips, aber auch Kunststoff, Kupfer oder Stahl knapp werden. „Die Materialflüsse sind nicht mehr in Balance.“

Übergang zur E-Mobilität

Zum anderen bremse der Transformationsprozess hin zu CO2-Vermeidung und Digitalisierung die Entwicklung. Relativ gut aufgestellt sieht Hamm die Oberpfalz beim Übergang vom Verbrenner zur Elektromobilität. Durch den späten Strukturwandel seien die Zulieferer im Bezirk nicht so stark auf den Verbrenner-Motor ausgerichtet wie andere Regionen. Bei der Bewertung der aktuellen Lage dürfe nicht vergessen werden, dass die Corona-Pandemie global keineswegs vorbei ist, auch wenn Deutschland derzeit etwas durchatmen könne. Das Vorrezessionsniveau aus dem Jahr 2018 werde wohl erst 2022 erreicht werden können.

Die Bereitschaft, Mitarbeiter einzustellen, habe sich in den Unternehmen wieder erhöht, sagte Klumpp. Knapp 40 Prozent der Unternehmen planen der Umfrage zufolge einen Beschäftigungsaufbau, allerdings befürchtet gleichzeitig mehr als ein Drittel der Betriebe, Stellen abbauen zu müssen. Insgesamt erwarten die Arbeitgeberverbände deshalb noch eine Abnahme der Beschäftigten in der Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie um rund 1500 Stellen. Damit werden zum Ende des Jahres gut 90 000 Personen in der Branche beschäftigt sein. Zu beobachten sei eine große Heterogenität, sagte Klumpp. „Einzelne Unternehmen sind noch in Kurzarbeit, andere wissen gar nicht, wo sie Mitarbeiter herbekommen sollen.“

Homeoffice bleibt Thema

Auch das Thema Homeoffice würden die Unternehmen unterschiedlich handhaben. Geeignet seien dafür ohnehin nur bestimmte Jobs, nicht die klassischen Facharbeiten-Stellen. Viele Unternehmer hätten weiterhin großen Respekt vor Corona und hätten deshalb ihre Homeoffice-Regeln noch nicht geändert, berichtete Klumpp. Davon, dass das Homeoffice künftig dominieren wird, geht er nicht aus. „Wenige Unternehmen gehen so weit, dass sie Büroräume reduzieren.“

Als Herausforderung sieht es Klumpp, künftig den Betriebsfrieden zwischen geimpften und ungeimpften Mitarbeitern aufrecht zu erhalten. Kritisch sieht er in diesem Kontext, dass sich Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) öffentlich skeptisch zum Impfen äußert. „Das ist nicht hilfreich.“

Die Oberpfälzer Unternehmen Cube und Ghost gehören zu den führenden Fahrrad-Herstellern.

Waldsassen
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