07.04.2020 - 09:37 Uhr
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Neuentwicklung bei Bosch: Oberpfälzer sorgt für Corona-Hoffnung

Der gebürtige Weidener Franz Lärmer war maßgeblich an der Entwicklung des neuen Corona-Schnelltest von Bosch beteiligt. Der Forscher bleibt bescheiden.

Franz Lärmer
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Forscher suchen nicht nur fieberhaft nach einem Impfstoff gegen Corona, sondern auch nach einer Möglichkeit, schneller auf das Virus zu testen. Jüngst vermeldete Bosch den Durchbruch bei der Entwicklung eines Schnelltests. Entscheidend beteiligt war Franz Lärmer.

Der gebürtige Weidener war schon als Kind ein Tüftler und Bastler. Das Abitur am Kepler-Gymnasium absolvierte er 1980 als Schulbester mit 1,0. Heute arbeitet der promovierte Physiker als Forscher bei Bosch und war dort nun in die Entwicklung des neuen Corona-Schnelltests involviert. Der Test weist eine Infektion mit dem neuen Coronavirus nach Angaben des Unternehmens in unter zweieinhalb Stunden nach - und könnte erheblich beitragen, die Pandemie einzudämmen und Infektionsketten schneller zu durchbrechen.

Stolze Familie

Während seine Familie in Weiden mächtig stolz ist, bleibt Franz Lärmer selbst am Telefon oberpfälzisch-bescheiden. "Wir tun, was wir können", sagte er zu unserer Zeitung. Die Test-Plattform habe Bosch schon vor Jahren entwickelt. Diese habe er nun auch für das Coronavirus gepasst. So gelang es Bosch innerhalb von nur sechs Wochen, den Schnelltest zu erschaffen, der dem Unternehmen zufolge eine Ergebnisgenauigkeit von über 95 Prozent erfüllt.

Im Video-Interview mit dem Handelsblatt, das auf Youtube abrufbar ist, erklärte Lärmer die Entwicklung im Detail. Auf der universellen Plattform könne jeder molekulargenetische Test integriert werden - so auch der Corona-Test. Im Probenmaterial des Patienten werde nach genetischen Markern gesucht, die das Virus identifizieren. Auch eine Lungenentzündung oder ein grippaler Infekt könnten miterkannt werden.

Interview mit Franz Lärmer

Auch in Betrieben geeignet

Lärmer geht davon aus, dass die typischen Abnehmer des Tests Krankenhäuser, Labore und niedergelassene Ärzte sein werden. "Im Prinzip kann man den Test überall hinstellen." Auch an Fertigungsstandorten von Unternehmen könne der Test implementiert werden. Hier sieht Lärmer eine große Chance. Um Beschäftigten vor einer Infektion zu schützen, könnten Firmen eine Art Eingangskontrolle einrichten, an der jeder im Schnellverfahren getestet wird. "Wenn man das regelmäßig tut, kann man die Produktion weiter aufrechterhalten und trotzdem die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleistet."

In diesem Gerät wird der Schnelltest ausgewertet

Konkurrenz durch einen in den USA entwickelten Test sieht Lärmer nicht. Aktuell sei das kein Problem, da die Nachfrage nach Tests extrem groß sei. Bosch könne einige 1000 Tests pro Tag produzieren. Einer Pressemitteilung von Bosch zufolge soll der Schnelltest "ab April" verfügbar sein. Der große Vorteil liegt dem Unternehmen zufolge darin, dass der Schnelltest direkt beim Arzt oder im Krankenhaus ein Ergebnis anzeigt, Transportwege ins Labor entfallen.

Zeit als entscheidender Faktor

"Im Kampf gegen das Coronavirus ist Zeit einer der entscheidenden Faktoren", betont Bosch-Vorstandsvorsitzender Volkmar Denner in der Mitteilung. Für den Bosch-Schnelltest werde dem Patienten ein Abstrich aus Nase oder Rachen entnommen - genau wie beim Labortest auch. Anschließend werde eine Kartusche mit der Probe in das Analysegerät eingeführt. Alle erforderlichen Reagenzien seien in der Kartusche bereits enthalten. Auch nicht speziell geschultes Medizinpersonal könne die Auswertung des Coronavirus-Tests zuverlässig durchführen.

Franz Lärmer erhält derweil viele Emails von Weggefährten, die ihm zur Entwicklung des Tests gratulieren. So große Aufmerksamkeit zog der bodenständige Diplom-Physiker zuletzt 2007 auf sich, als er den Europäischen Erfinderpreis entgegennahm - einen der bedeutendsten Innovationspreise des Kontinents. Mit dem neuen Schnelltest könnte Lärmer nun dazu beitragen, dass sich die gesamte Welt schneller von der Corona-Pandemie erholt.

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