19.07.2021 - 18:09 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Mordprozess in Regensburg: Anrufe vom Bruder führten zum Tod

Ein 56-jähriger Regensburger hat gestanden, dass er seine Ehefrau im vergangenen Herbst in der gemeinsamen Wohnung erstochen hat. Das Motiv: Eifersucht. Nach der Tat erschien er auf dem Polizeirevier – gefasst und emotionslos.

Der Angeklagte blickte im Gerichtssaal meist nach unten. Der 56-jährige gelernte Koch soll seine Frau aus Eifersucht ermordet haben. Um die Simultan-Übersetzung eines Dolmetschers zu hören, trug der gebürtige Mazedonier Kopfhörer.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Am Montag begann der Mordprozess vor dem Landgericht Regensburg. Der Angeklagte hörte der Verlesung der Anklageschrift stoisch zu, den Blick nach unten auf die gefalteten Hände gerichtet. Was Staatsanwalt Wolfgang Voit dem gelernten Koch vorwirft, ist eine äußerst brutale Gewalttat: S. soll seine Ehefrau am 8. Oktober vergangenen Jahres aus Eifersucht mit rund einem Dutzend Messerstichen ermordet haben.

In der Familie mit den drei erwachsenen Kindern, die in einer Wohnung im Stadtosten lebt, hatte es schon länger Probleme gegeben. S., der aus Mazedonien stammt und seit 28 Jahren in Deutschland lebt, war bei der Polizei wegen häuslicher Gewalt bekannt. Am Tag der Tat kam es gegen Mittag – wieder mal – zu einem Streit zwischen den Eheleuten. Die Kinder waren nicht zu Hause. Ausgangspunkt waren Anrufe einer unbekannten Nummer auf dem Handy der Frau. Der Mann vermutete einen Nebenbuhler.

Griff zum breiten Küchenmesser

Die Auseinandersetzung eskalierte, der Angeklagte griff zu einem breiten Küchenmesser, stach auf die Frau ein und verletzte sie am Hals und an der Hand. Der Anklage zufolge versuchte sich die Frau zu wehren, ging aber schließlich zu Boden – wo ihr der Mann „nunmehr mit absolutem Vernichtungswillen zwölf weitere Messerstiche in den hinteren beziehungsweise rechten Bereich der Nacken-Hals-Partie“ versetzte. Die vermeintlichen Kontakte seiner Frau habe S. als „Schande und Ehrverletzung“ empfunden, „der er nur noch durch deren Tötung begegnen konnte“, heißt es in der Anklageschrift. Später stellte sich heraus: Bei den Anrufen, die zu dem tödlichen Streit führten, hatte es sich um die neue Handynummer des Bruders der Frau gehandelt. Er wollte lediglich seine Schwester erreichen.

Der Pflichtanwalt des Angeklagten, Julian Wunderlich, trug eine Einlassung seines Mandanten vor. Darin gestand S., dass er seine Frau getötet hat. Geplant habe er die Tat aber nicht. Der Tag habe ganz normal begonnen. S. bestätigte den Streit wegen der Anrufe von der unbekannten Nummer. Während der Auseinandersetzung habe seine Frau ihm gesagt, dass sie ihn von Anfang an gehasst habe und die Ehe der größte Fehler gewesen sei. Sie habe ihn mit einem Spaghetti-Sieb beworfen, er habe sie „vielleicht grob angefasst“. Er habe den Eindruck gehabt, sie fasse in Richtung Schublade. Da habe er sich ein Messer gefasst und ihr in den Hals gestochen. Dann setze seine Erinnerung aus, gab S. an. Als sie wieder einsetzt, habe er seine Frau blutüberströmt am Boden liegen sehen. Er habe sich mit einem Mix aus Medikamenten, die er zuhause fand, umbringen wollen, was nicht glückte.

Nach der Tat "extrem ruhig und gefasst"

Nach der Tat fuhr S. selbst zur Polizei, um sich zu stellen. Auf der Polizeiwache trat der Angeklagte extrem ruhig und gefasst auf – das berichteten vier Polizisten übereinstimmend im Zeugenstand. S. habe erklärt, dass er soeben seine Frau erstochen hat – und dabei präzise Angaben gemacht. „Er sprach so, wie wenn mir jemand schildert, dass sein Fahrrad gestohlen wurde“, sagte eine Polizistin. Sofort wurden Streifenbeamte losgeschickt, die die leblose Frau auf dem Küchenboden auffanden.

Schon in den Wochen vor der Tat war die Lage in der Familie angespannt gewesen. Im August hatte S.‘ Tochter nach einem gewaltsamen Angriff auf sie erwirkt, dass ihr Vater der Wohnung verwiesen wurde. Erst nach Vermittlungsversuchen von Verwandten durfte S. im September wieder einziehen. Der Angeklagte ließ über seinen Anwalt erklären, dass er sicher den „Hauptteil“ der Schuld für das schlechte Verhältnis mit seiner Frau und seinen Kindern trage. Man hätte sich besser frühzeitig trennen sollen. Der Prozess wird nächsten Montag fortgesetzt.

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Schwandorf
Hintergrund:

Mordprozess

  • Die Staatsanwaltschaft Regensburg wirft dem Angeklagten vor, seine Ehefrau aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. Sie fordert, ihn wegen Mordes zu verurteilen.
  • Der 56-jährige Regensburger soll seine Frau schon früher immer wieder zu Unrecht des Ehebruchs sowie des „mangelnden Gehorsams“ bezichtigt und körperlich angegriffen haben.
  • Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll am 2. August fallen.

 

 

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