23.07.2020 - 11:58 Uhr
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Maria Baumers Zwillingsschwester: "Wir hatten keine Geheimnisse"

Lange hatte sie sich schützend vor den Verlobten ihrer Schwester gestellt. Die Zwillingsschwester von Maria Baumer hatte bei polizeilichen Vernehmungen stets betont, dass Christian F. nichts mit ihrem Verschwinden zu tun hat. Doch dann kamen Zweifel.

Barbara F. (rechts), Zwillingsschwester von Maria Baumer, hat am Mittwoch als Zeugin ausgesagt.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Zum ersten Mal seit Beginn des Mordprozesses um Maria Baumer waren am Mittwoch wieder alle Zuhörer- und Journalistenplätze im Sitzungssaal 104 des Landgerichts Regensburg besetzt. Tapfer stand Maria Baumers Zwillingsschwester Barbara die fast dreistündige Zeugenvernehmung. Nur eine kurze Pause brauchte die hochschwangere Frau, die klar und deutlich auf alle Fragen antwortete. Einmal kamen ihr die Tränen. Sie vermisse Maria so sehr, sagte sie.

Ihr Verhältnis zu ihrer Zwillingsschwester beschrieb die Zeugin als sehr innig, auch wenn es oft Streitereien gegeben habe. "Wir hatten keine Geheimnisse voreinander. Sie wusste, dass es mir schlecht geht, bevor ich es begriff." In der Zeit vor Marias Verschwinden am 26. Mai 2012 sei im Leben ihrer Schwester viel los gewesen, blickte Barbara zurück: Der Start in den neuen Job als Windanlagengutachterin war nicht leicht. Maria war sich außerdem nicht sicher, ob sie den Beruf und ihr neues Amt als Landesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) zeitlich unter einen Hut bringen konnte.

Erste Zweifel im September 2013

Das Verschwinden der Maria Baumer: Eine Chronologie

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Zudem sorgte sie sich über eine unerklärliche Gedächtnislücke. Dennoch habe sie den Eindruck gehabt, dass Maria alles hinkriegen würde - verzweifelt habe sie nicht gewirkt.

Sie selbst habe ein gutes Verhältnis zu Marias Verlobten Christian F. gehabt, sagte Barbara. Sie habe ihn als Teil der Familie akzeptiert. In der Zeit nach Marias Verschwinden sei ihre Beziehung sogar noch enger geworden. "Wir kümmerten uns umeinander, gingen zusammen zu polizeilichen Vernehmungen als moralische Unterstützung." Ihre Familie habe ihn auch weiterhin öfter zum Essen eingeladen, doch irgendwann habe Christian F. mehr Abstand gewollt. "Ich dachte, wir erinnern ihn zu sehr an Maria."

Erste Zweifel kamen dann, als Maria Baumers sterbliche Überreste am 8. September 2013 in einem Waldstück bei Bernhardswald (Kreis Regensburg) gefunden wurden - in der Nähe des Reiterhofs, auf dem sie zuletzt lebend gesehen worden war. Das habe nicht dazu gepasst, was Christian F. am Tag des Verschwindens erzählt hatte: Dass Maria sich telefonisch gemeldet und von einer Auszeit und einer Fahrt nach Hamburg gesprochen habe. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es die Fahrt nach Hamburg nie gegeben hat und Christian F. seine Verlobte Maria stattdessen heimtückisch mit einem Medikamentenmix getötet hat.

Auch eine Facebook-Nachricht war am Morgen ihres Verschwindens noch auf Marias Account aufgetaucht, bestätigte später ein IT-Spezialist im Zeugenstand. "Mein Schatz, es tut mir weh, ich kann nicht anders. Du weißt, was ich dir gesagt habe. Ich liebe dich", hieß es darin. Unklar ist, wer diese Nachricht erstellt hat. Sie sei jedenfalls auf einem Rechner, nicht von einem Handy aus geschrieben worden, sagte der Experte.

Treffen mit Mikro in der Tasche

Bei einem Treffen 2014 mit Christian F. habe sie sich selbst ein Bild machen wollen, ob er etwas mit der Tat zu tun haben könnte, sagte Barbara. Auch eine ganze Weile danach sei sie nicht entschieden gewesen. "Ich wollte anfangs nicht glauben, dass Christian der Täter sein könnte." Und noch ein weiteres Gespräch gab es 2015 - dann von der Polizei initiiert. Bei einem Treffen in einem Regensburger Café hatte Barbara ein Mikrofon in der Tasche, das das Gespräch aufzeichnete. Michael Haizmann, Verteidiger des Angeklagten, beantragte umgehend, die Angaben der Zeugin, die das Gespräch im Café betreffen, nicht zu verwerten. Ansonsten würden Beschuldigtenrechte verletzt.

Eindrücklich beschrieb die Zwillingsschwester die Tage nach Marias Verschwinden, die zwischen Bangen und Hoffen lagen. Erst als Maria auch am Pfingstmontag nicht mit dem Zug von Hamburg zurück nach Regensburg kam, wie sie es Christian F. zufolge angekündigt hatte, sei sie wirklich verzweifelt gewesen, sagte Barbara. Verärgert sei sie darüber gewesen, dass Christian F. zusammen mit einem seiner Brüder bereits Marias Laptop gesichtet hatte. Eigentlich wollte Barbaras Lebensgefährte, der sich mit Technik auskannte, das übernehmen. "Ich hatte Angst, dass versehentlich etwas gelöscht wird." Tatsächlich waren Dateien und Internet-Suchverläufe gelöscht worden.

In der Beziehung sei Christian F. der ausgleichende, ruhigere Part gewesen, der die temperamentvolle, aufbrausende Maria wieder auf den Boden der Tatsachen holen konnte, sagte Barbara. Eine Cousine von Maria, die ebenfalls als Zeugin aussagte, bestätigte diese Rollenverteilung in der Beziehung.

Allerdings hatte sie in der Woche vor Marias Verschwinden eine für sie ungewohnte Beobachtung gemacht: Bei einem gemeinsamen Treffen sei Christian F. seiner Verlobten über den Mund gefahren, als diese laut überlegte, ihre Arbeitszeit zu verkürzen. "Eine solche Reaktion kannte ich von ihm überhaupt nicht."

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