20.07.2020 - 19:45 Uhr
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Maria Baumers letzter Abend: "Es war sehr entspannt"

Was passierte am Tag vor Maria Baumers Verschwinden? Wenig Auffälliges - wie am Montag mehrere Personen im Mordprozess am Landgericht Regensburg aussagten. Ein Freund erzählte aber von einem Stimmungstief ein paar Tage zuvor.

Der Angeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts Regensburg neben Polizisten und seinem Verteidiger.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Es war der 25. Mai 2012, der Freitag vor dem Pfingstwochenende. Maria Baumer hatte gerade ihre erste Arbeitswoche in ihrem neuen Job als Windanlagengutachterin hinter sich. Die 26-Jährige hatte eine Einweisung erhalten und ein kleines Projekt selbst bearbeitet. Am Freitag gab es ein Abschlussgespräch darüber. "Marias Verhalten war ganz normal", sagte ihr damaliger Chef im Zeugenstand. Sie sei neugierig und eifrig gewesen. Er habe zwar gehört, dass ihr der Umstieg von der Uni auf den 40-Stunden-Job nicht ganz leicht fiel, das sei aber bei allen Berufsanfängern so. Nach dem Arbeitstag verließ sie die Firma.

Gegen 15, 16 Uhr kam Maria Baumer dann zusammen mit ihrem Verlobten Christian F. auf dem Reiterhof in Bernhardswald an, der dem Bruder des Verlobten und dessen Frau gehört. So schilderte es die Frau des Bruders im Zeugenstand. Die beiden Frauen sattelten zwei Pferde, übten eine halbe Stunde auf dem Reitplatz und brachen dann zu einem einstündigen Ausritt auf.

"Sie war gut drauf"

Nach dem Ausritt kam es der Zeugin zufolge zu einer Kaffeerunde vor dem Haus, die später in einen heiteren Grillabend überging. Auch zwei ihrer Kinder und ihre Mutter seien anwesend gewesen. "Es war ein sehr entspannter, schöner Abend", erzählte sie. Maria sei gut drauf gewesen. Gegen Mitternacht sei sie zusammen mit Christian F. aufgebrochen.

Die Zeugin gehört zu den letzten Menschen, die Maria Baumer lebend gesehen haben. Nach diesem Abend verschwand die 26-Jährige spurlos. 16 Monate später fanden Schwammerlsucher ihre sterblichen Überreste in einem Waldstück bei Bernhardswald. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Christian F. seine Verlobte mit einem Medikamentenmix aus Lorazepam und Tramadol heimtückisch ermordete, weil er sich in eine andere Frau verliebt hatte - und ihm das "inszenierte Verschwinden" von Maria Baumer die Möglichkeit gab, den Abbruch seines Medizinstudiums vor seinem sozialen Umfeld zu rechtfertigen.

Das Medizinstudium war auch Thema bei dem Grillabend, gab die Zeugin an. Christian F. hatte einen Chemie-Schein nicht bestanden und es gab Überlegungen, ob er nicht die Uni wechseln sollte. Auch ein enger Freund von Maria Baumer berichtete in seiner Zeugenaussage von den Problemen. Maria habe sich bei ihm über ihren Verlobten, der neben dem Studium als Krankenpfleger arbeitete, beschwert, weil sie diesen öfter zum Lernen anstoßen müsse. "Sie meinte, es wird schwer, dass er es schafft."

"Aufgedreht und überglücklich"

In zwei Punkten wich die Zeugenaussage des Freundes, den Maria von der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) her kannte, von anderen Aussagen ab. Er schilderte nämlich, dass es Maria in der Woche vor ihrem Verschwinden nicht immer gut gegangen war. Am Dienstag habe sie ihn spätabends in sehr schlechter, depressiver Stimmung angerufen und ihn gebeten, zu kommen. Er habe abgelehnt, weil es spät war. Doch ihn habe das schlechte Gewissen geplagt, weshalb er sie am Freitag telefonisch kontaktierte, nach seinen Aussagen zwischen 17 und 18 Uhr. Maria habe in bester Laune abgenommen, "aufgedreht und überglücklich" - und zwar zu Hause. Das steht im Widerspruch zu der Aussage, dass sie um diese Uhrzeit schon auf dem Reiterhof war.

Der Freund berichtete außerdem von einem zweiten Blackout, den Maria Baumer am Wochenende vor ihrem Verschwinden auf der KLJB-Versammlung gehabt haben soll, bei der sie zur Landesvorsitzenden gewählt worden war. "Sie wusste nicht mehr, mit welchen Diözesanverbänden wir am Vorabend gesprochen haben", sagte der Mann. Maria Baumer war zu der Zeit bereits in ärztlicher Behandlung wegen einer früheren Erinnerungslücke. Ein behandelnder Arzt sagte am Mittwoch, bei einer Kernspintomografie sei nichts Auffälliges herausgekommen.

Auf dem Jakobsweg

Nachdem Maria Baumer verschwunden war, gab es zunächst die Vermutung, dass die gläubige Katholikin sich auf den Jakobsweg begeben haben könnte. Und tatsächlich gab es mehrere Personen, die erklärten, sie auf der Strecke in Nordrhein-Westfalen gesehen zu haben. Eine Frau sagte im Zeugenstand, sie sei sich zu 90 bis 95 Prozent sicher, dass sie Maria Baumer gesehen habe.

Wenig erhellend war das Ergebnis von mehreren Einsätzen von Personensuchhunden. Polizeiliche Hundeführer aus der Oberpfalz und aus Mittelfranken hatten die Vierbeiner auf Streckenabschnitten eingesetzt, wo Passanten Maria Baumer gesehen haben wollten. Doch da die Suche ein Jahr nach dem Verschwinden, im Mai 2013, stattfand, gab es wenig Hoffnung auf einen Erfolg, wie ein Hundeführer einräumte. Ein Sachverständiger für analytische Umweltchemie wurde noch deutlicher. Aus seiner Sicht können die Hunde schon Geruchsspuren, die älter als einen Tag sind, nicht mehr wahrnehmen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Unter anderem wird dann die Zwillingsschwester von Maria Baumer aussagen.

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