02.09.2021 - 19:24 Uhr
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Ein Mann und sein Traum: Eine Donau ohne Müll

Ein unangenehmes Erlebnis im Donaudelta am Schwarzen Meer hat aus Thomas Thalhammer einen Müllsammler in Regensburg gemacht. Nun sucht der Schwandorfer Gymnasiallehrer europaweit Mitstreiter. Uns hat er seinen Sammelplatz gezeigt.

Am Regensburger Donauufer sammelt Thomas Thalhammer einmal im Monat Plastikabfall. Drei bis vier Müllsäcke kommen dabei jedes Mal zusammen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Auf dem Radweg unter der Regensburger Osttangente herrscht an diesem Vormittag Ruhe, einige Möwen sitzen am Wasser. Thomas Thalhammer radelt heran, steigt ab, sein Blick fällt auf eine Treppe, die zur Donau hinunterführt. Dort liegen Reste eines Fastfood-Essens, Becher, Verpackungen, eine Tüte, über die Stufen verteilt. Schon beim nächsten Windstoß könnten sie in der Donau landen.

Genau deswegen kommt Thalhammer regelmäßig zu „seiner Müllsammelmeile“ an der Donau. Der 62-Jährige will verhindern, dass der Müll in den Fluss gelangt und weiter gespült wird, möglicherweise bis zum Schwarzen Meer. Dort hatte der Regensburger 2019 ein Erlebnis, das ihn nachhaltig berührte – und zum Handeln brachte. Er hatte sich einen langgehegten Wunsch erfüllt und war ans Donaudelta in Rumänien gereist, dort wo die Donau ins Schwarze Meer mündet. Glücklich schwamm er im Wasser, als etwas gegen seine Wade klatschte. Es war die Plastiktüte eines deutschen Discounters. „Da ist mir klargeworden: Wir sind mit verantwortlich für diesen Mist“, sagt Thalhammer. „Ich hatte ein richtig schlechtes Gewissen.“

Unter die Osttangente zum Müll sammeln

Ein Mal pro Monat geht Thalhammer, der am Schwandorfer Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium als Kunstlehrer arbeitet, seitdem unter der Osttangente zum Müll sammeln. Drei bis vier Müllsäcke macht er dabei normalerweise voll. Manchmal helfen ihm Freunde. Das Uferstück kennt er gut, weil er dort schon früher gerne mit seiner Staffelei saß und die Landschaft und die Schiffe malte. Der herumliegende Abfall am Donauufer ärgerte ihn schon länger. Gerade nach sonnigen Tagen wird viel Abfall aus dem an der Regensburger Altstadt liegenden Donauabschnitt angespült, hat Thalhammer beobachtet.

Er will nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Dass die Leute an einem schönen Sommerabend an der Donau essen und dabei mal was liegen bleibt oder in den Fluss geweht wird, komme vor. Doch der Müll summiere sich. „Beim nächsten Hochwasser ist das Zeug dann 500 Kilometer weiter und irgendwann dann vielleicht im Schwarzen Meer.“

Europaweit die Ufer säubern

Deshalb kam Thalhammer auf die Idee, die Initiative „Donau ohne Plastik“ zu starten. Er denkt dabei im großen Stil. Das langfristige Ziel ist es, 5600 Menschen zu finden, die entlang der Donau in Deutschland, Österreich, der Slowakei, in Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine leben und regelmäßig auf einem Kilometer Uferabschnitt Müll sammeln. Damit wären beide Seiten der Donau zwischen Donaueschingen (Baden-Württemberg) und Sulina (Rumänien) abgedeckt, hat Thalhammer ausgerechnet.

Der Gymnasiallehrer ist überzeugt, dass viele Menschen „ihren“ ganz persönlichen Lieblings-Donauabschnitt haben, den sie sauber halten könnten. Er schließt in seinen Überlegungen die vielen Flüsse mit ein, die in die Donau fließen. Auch dort seien Sammelaktionen natürlich hilfreich. Um das Projekt voranzutreiben, streckt Thalhammer seine Fühler aus. Im Mündungsgebiet in Rumänien gibt es sehr aktive Umweltgruppen, erzählt er. In Wien leben zwei seiner Kinder, die ebenfalls Abfall an der Donau sammeln.

Unterwegs mit dem Holzboot

In Regensburg hat Thalhammer beim Wasserwirtschaftsamt und der Naturschutz- sowie der Abfallbehörde des Landkreises um logistische Unterstützung gebeten – schließlich muss der Müll fortgeschafft und ordnungsgemäß entsorgt werden. Ihm sei die Bereitstellung von Müllsäcken, bei größeren Mengen das Abtransportieren sowie die kostenfreie Annahme als Restmüll von der Müllstation des Landkreises Regensburg zugesagt worden, berichtet er.

Manchmal ist Thalhammer auch auf seinem Holzboot auf der Donau unterwegs und fischt dabei Müll aus dem Wasser, der sonst nicht zu erreichen wäre. Am Ufer bewegt sich der 62-jährige langsam zu Fuß vorwärts. Mit einem Greifer schnappt er sich Plastikflaschen, Take-away-Verpackungen und Tetra-Paks. „Ah, ein Plastikstrohhalm“, sagt er und greift zu. „Die sind zum Glück ja jetzt verboten.“

Das Einsammeln sei eine Sisyphus-Arbeit, räumt Thalhammer ein. Ein paar Tage nach seinen Sammelaktionen liege wieder Müll herum. Aber: Es sei zutiefst befriedigend, den Flussabschnitt zumindest für eine gewisse Zeit ohne Abfall zu sehen. Thalhammer geht es auch darum, zu verhindern, dass Kunststoffprodukte zu lange im Wasser liegen und beim Zerfall Mikroplastik ans Wasser abgeben. Denn das lande über die Nahrungskette letztlich wieder beim uns, den Menschen.

Thomas Thalhammer sammelt auch Radiergummis seiner Schüler

Schwandorf
Hintergrund:

Die Donau und das Projekt

  • Die Donau ist mit einer Gesamtlänge von 2857 Kilometern nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Sie durchfließt oder berührt dabei zehn Länder – so viele wie kein anderer Fluss auf der Erde.
  • Die Donau entspringt im Schwarzwald und mündet über das ausgedehnte Donaudelta im Schwarzen Meer.
  • Um der Verschmutzung des Flusses entgegenzutreten, hat der Regensburger Thomas Thalhammer die Initiative „Donau ohne Plastik“ ins Leben gerufen. Weitere Informationen und Kontakt unter www.donau-ohne-plastik.de.

 

 

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