03.05.2021 - 09:51 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Männerträume auf dicken Reifen

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Sie sehen aus wie Motorräder, wären da nicht die Tretpedale an den Seiten: Mit seinen ungewöhnlichen Bikes ist der Regensburger Fahrradhersteller Ruff Cycles weltweit in eine Marktlücke gestoßen.

Dicke Reifen, stylischer Rahmen, Bosch-Antrieb: Geschäftsführer Pero Desnica hat mit dem „Ruffian“, einer „Harley Davidson zum Treten“, ein erfolgreiches Nischenprodukt etabliert.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Japan, Russland, USA, Australien: Die wuchtigen Räder von Ruff Cycles finden weltweit Absatz. In 65 Ländern werden sie verkauft. "Viele denken, wir kommen aus Kalifornien, nicht aus der beschaulichen Oberpfalz", erzählt Geschäftsführer Pero Desnica und lacht. Der 39-Jährige hat das Unternehmen seit 2012 aufgebaut.

Fahrradverrückt sei er schon immer gewesen, sagt Desnica. Als Kind fuhr er ein BMX-Rad, bis heute viel Downhill im Gelände. Neben seiner Arbeit im Maschinenbauzulieferer-Betrieb seiner Familie begann er erst hobbymäßig, sich im Fahrradbereich kreativ auszutoben. Er stellte "coole" Fahrradteile her, mit denen die Käufer ihre eigenen Fahrräder pimpen konnten. Irgendwann baute er dann auch Kompletträder zusammen.

Richtig an Fahrt auf nahm das Geschäft 2016. Alles begann mit einer Wette. "Ein Freund meinte, wenn du deine Bikes elektrisch machst, verkaufst du auf der nächsten Messe auf einen Schlag 100 Stück." Desnica wettete dagegen - und verlor. Er verkaufte gleich 200 Stück. Mittlerweile machen die E-Bikes 90 Prozent des Umsatzes bei Ruff Cycles aus.

"Platzen aus allen Nähten"

Eine vergleichbare Marke gebe es weltweit nicht, sagt der Geschäftsführer. "Wir haben aus unserer Liebhaberei ein funktionierendes Geschäftsmodell gemacht." Angefangen hat er alleine, heute gehören 80 Mitarbeiter zur Firma. Neben dem Firmensitz im Regensburger Gewerbepark gehört eine Schweißerei in Bosnien und ein Vertrieb in San Francisco zum Unternehmen. In Bosnien werden Fahrradteile hergestellt, in Regensburg werden sie montiert und dann weltweit verschickt. Im September zieht das Unternehmen innerhalb des Gewerbeparks in größere Räume. "Wir platzen aus allen Nähten", sagt Desnica, der aus Kroatien stammt und 1991 als Flüchtlingskind mit seiner Familie nach Deutschland kam.

Vier Mitarbeiter kümmern sich allein um die Social-Media-Kanäle des Unternehmens. Über Facebook, Instagram und Youtube werden die Räder beworben, die preislich zwischen 2500 und 7000 Euro liegen. Videos spielen eine wichtige Rolle, "um das Lebensgefühl und den Lifestyle von Ruff Cycles zu transportieren", sagt Desnica. Es gehe darum, mit Design und Technik ein Gefühl von Freiheit zu vermitteln. Für den Geschäftsführer ist das nicht nur ein Verkaufsargument. Er sagt, er wolle mit seinen Produkten dazu beitragen, weg vom Verbrenner hin zu elektrischer Mobilität zu kommen.

Der Umsatz von Ruff Cycles habe sich in den vergangenen Jahren jährlich verdoppelt, berichtet Desnica. Heuer rechnet er mit einem Umsatz von zehn Millionen Euro - vorausgesetzt die Zulieferer kommen mit der Lieferung aller Teile hinterher. Denn die Corona-Pandemie beschert Ruff Cycles wie den meisten Fahrrad-Herstellern zwar eine große Nachfrage, aber auch ein Problem: Die Lieferketten sind länger, störanfälliger und teurer geworden.

Anruf aus den USA

Ein Coup ist dem Unternehmen im vergangenen Herbst gelungen. Aus dem Nichts erhielt Desnica einen Anruf von Paul Teutul Jr., Star der bekannten US-Fernsehshow "American Chopper". Erst glaubte der Geschäftsführer an einen Scherz, doch die Anfrage war echt: Der US-Fernsehstar wollte eine Kooperation mit Ruff Cycles eingehen. Der Fahrradhersteller sollte ein E-Bike nach dem Vorbild eines von Teutul designten Motorrads entwickeln. Die Zusammenarbeit klappte kurzfristig und problemlos, sagt Desnica. Mittlerweile werden die ersten Modelle ausgeliefert.

Für die Elektroräder nutzt Ruff Cycles einen Bosch-Antrieb. "Das ist oft ein Türöffner für uns, das steht für Qualität", berichtet der Geschäftsführer. Und auch das "Made in Germany" habe auf dem Weltmarkt immer noch einen Wert. Genutzt werden könnten die Räder auf vielfältige Weise. Das reiche vom Brötchenkaufen bis zur Bergtour. Die Kunden sind weniger vielfältig: Zu 99 Prozent sind es Männer.

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Hintergrund:

Zahlen und Daten

  • Ruff Cycles mit Firmensitz in Regensburg startete 2012 als Ein-Mann-Betrieb, heute hat das Unternehmen 80 Mitarbeiter.
  • Geschäftsführer Pero Desnica rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz von zehn Millionen Euro.
  • 90 Prozent des Umsatzes macht der Verkauf von E-Bikes aus.
  • Die stylischen Räder kosten zwischen 2500 und 7000 Euro.

Mehr Informationen gibt es auf www.ruff-cycles.com

 

 

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