13.08.2020 - 17:13 Uhr
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Luna lebte auf der Straße - In der Oberpfalz ist sie jetzt ein Schulhund

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Ein tierischer Hilfslehrer im Klassenzimmer: Die zertifizierte Schulhündin Luna begleitet den Regensburger Gymnasiallehrer Stefan Exner in den Unterricht. Das hat gleich mehrere positive Effekte.

Gymnasiallehrer Stefan Exner absolvierte mit Luna eine neunmonatige Schulhund-Ausbildung.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Luna kam zu Stefan Exner, als sie vier Monate alt war. Eine Tiervermittlung hatte den Straßenhund von Kreta nach Deutschland gebracht. Früh fiel Exner das freundliche Wesen des Labradormischlings auf. Und irgendwann kam er beim Gassigehen mit einer anderen Lehrerin ins Gespräch, die meinte, dass Luna doch ein idealer Schulhund wäre.

Exner machte sich kundig und begann im vergangenen Herbst tatsächlich eine Schulhund-Ausbildung mit Luna: Ein Dreivierteljahr lang fuhr er einen Sonntag im Monat mit der Hündin in die Hundeschule Amperland bei Fürstenfeldbruck in Oberbayern.

An zwei Schulen im Einsatz

Zusammen mit neun weiteren Lehrern und deren Hunden übte Exner mit Luna unter anderem den Grundgehorsam, die Impulskontrolle, den Einsatz in der Schule und den Umgang mit Kindern. Vorangegangen war ein Wesenstest. Die Trainerin prüfte, ob die Hunde für das quirlige Umfeld einer Schule geeignet sind. Luna bestand den Eignungstest - und in diesem Juni auch den Abschlusstest mit Bravour. Mittlerweile ist die vierjährige Hündin an beiden Schulen, an denen Stefan Exner unterrichtet, im Einsatz. Dabei hat sie es mit unterschiedlichen Altersklassen zu tun: Am Leibniz-Gymnasium in Altdorf bei Nürnberg werden Schüler von der fünften bis zur zwölften Klasse unterrichtet, am Abendgymnasium Regensburg holen Erwachsene das Abitur nach. Luna ist an beiden Schulen der heimliche Star.

Bessere Stimmung durch Luna

"Servus, Luna", heißt es, wenn Exner zur Arbeit erscheint. Dann erst wird der Lehrer selbst begrüßt, wie er lachend erzählt. Luna hat ihren eigenen Platz auf einer Decke auf dem Boden neben Exners Stuhl im Lehrerzimmer. Wenn Exner in den verschiedenen Klassen Unterricht gibt, ist Luna immer dabei.

Im Klassenzimmer wirke Luna stressmindernd und integrationsfördernd, sagt Exner. Sie gehe offen und vorurteilsfrei auf jeden zu, befördere Gespräche und sorge für eine offene Atmosphäre. Wenn zum Beispiel gerade eine schwierige Mathe-Schulaufgabe vorüber ist, und Exner mit Luna im Klassenzimmer auftaucht, "dann gibt es erst Mal ein großes Hallo", erzählt der Pädagoge. Die Stimmung bessere sich umgehend. Auch Tierethik sei ein Thema: Exner vermittelt, welche Bedürfnisse Luna hat, wie man Kontakt zu ihr aufnimmt und sie streichelt.

Lieblingsort Schulteich

Exner setzt die Hündin auch gezielt für Belohnungen ein. Dann lässt er sie ein kleines Kunststück vorführen, oder ein Schüler darf ihr ein Leckerli geben. Andersherum diszipliniere es die Klasse, wenn er darauf hinweist, dass es wegen Luna nicht unruhig sein darf. Ein positiver Nebeneffekt: "Der Ordnungsdienst klappt jetzt wie geschmiert." Denn wer die Tafel wischen muss, darf auch Lunas Hundebox aufbauen, ihr frisches Wasser und Leckerlis bereitstellen. Der Job ist heiß begehrt, erzählt Exner.

Luna darf sich frei im Zimmer bewegen. Ihren Rückzugsort, die Hundebox benutzt sie kaum. Die Hündin mag den Kontakt mit den Schülern und Lehrern, sagt Exner. Der Alltag an den Schulen sei für sie aber auch anstrengend. Der Pädagoge merkt es, wenn sie eine Pause braucht. Mehrmals am Tag geht er in Schulpausen oder in Freistunden mit ihr Gassi. An heißen Tagen ist Lunas Lieblingsort der Schulteich, in dem sie baden darf.

Zwei, drei Kollegen mit Hundeangst seien dem Projekt anfangs skeptisch gegenübergestanden, erzählt Exner. Doch auch sie konnte Luna mit ihrer zurückhaltenden Art von sich überzeugen. Lunas einzige Schwäche: ihr großer Appetit. Eine Salamisemmel einer Referendarin verschwand schon mal im Hundemaul. Ihrer Beliebtheit tat das keinen Abbruch. Luna hat sogar eine eigene Instagram-Seite, betreut von einem Schülerteam. Unter "leibniz.schulhund.luna" werden fleißig Fotos von ihr gepostet. Über 400 Follower hat sie schon.

In Tirschenreuth war auf dem Großparkplatz ein Hund unterwegs und suchte dort in Mülleimern nach Fressen

Tirschenreuth
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