06.08.2020 - 18:44 Uhr
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Auf Kräne geklettert: Bauarbeiter beenden Streik in Regensburg

Drei Bauarbeiter saßen mehr als 24 Stunden auf einem Kran, weil sie seit 45 Tagen keinen Lohn bekamen. Am Donnerstagnachmittag wurde das Geld überwiesen.

Drei Bauarbeiter saßen mehr als 24 Stunden auf einem Kran, weil sie seit 45 Tagen keinen Lohn bekamen.
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Von Michael Bothner

Um auf sich aufmerksam zu machen und sich Gehör zu verschaffen, haben Bauarbeiter am Mittwoch begonnen, mit Eisenstangen auf die Verstrebungen der Kräne zu schlagen. Seit Mittwochfrüh um 6 Uhr haben auf der Großbaustelle in der Dr.-Gessler-Straße rund 25 Angestellte einer italienischen Baufirma die Arbeit niedergelegt. Der Grund: Laut eigenen Angaben haben sie seit 45 Tagen keinen Lohn mehr erhalten.

Drei Männer waren auf einen der Kräne geklettert und harrten dort mehr als 24 Stunden aus. Mittwochmittag kamen sie freiwillig wieder herunter. Zunächst war noch unklar, gegen wen sich der Zorn der zum Großteil aus Ägypten stammenden Arbeiter richtete.

Aufgeheizte Stimmung

Doch wie Karin Paul, zuständige Einsatzleiterin der Polizeiinspektion Süd, am Donnerstag vor Ort mitteilte, sei das Geld wohl irgendwo in den Verwirrungen der "Sub-Sub-Sub-Unternehmen" nicht mehr weitergereicht worden. "Die italienische Firma, bei der die Streikenden angestellt sind, haben das Geld selbst nicht erhalten und konnten daher die Löhne nicht mehr zahlen", erklärt Paul. Die Polizei tritt vor Ort auch als Vermittler zwischen den Streikenden und dem Bauherren, der Investor F&B Grundbesitz Regensburg II GmbH auf.

Mehrfach ruft ein Mann "Bastardo" und "Mafioso" in Richtung des Bauherren Michael Fritsch. Die Stimmung vor Ort ist auf beiden Seiten sehr angespannt. Zwar versichert Fritsch, mit der Situation selbst nichts zu tun zu haben - er sei für die 25 Arbeiter eigentlich gar nicht zuständig. "Wir sind jetzt trotzdem in Vorleistung gegangen und haben einen Teil der offenen Summe auf das Konto der Firma in Bergamo überwiesen." Die Bauarbeiter ermahnt er dabei immer wieder, den Streik zu beenden, sobald das Geld eingegangen ist. "Auch, damit am Ende nicht doch noch jemandem etwas passiert."

Solidaritätskundgebung

Um sich vor der Sonne zu schützen, haben sich die drei Kranbesetzer in das Innere zurückgezogen. Doch bei den Temperaturen sei es dort oben auf Dauer durchaus gefährlich, heißt es vor Ort. "Wenn das Geld auf dem Konto ist, kommen die Männer runter", versichert ein Kollege, der Englisch spricht und als Vermittler auftritt.

Ab 11.30 Uhr haben sich gegenüber der Baustelle auch ein Dutzend Demonstranten zu einer Solidaritätskundgebung eingefunden. "Streik" steht auf einem der Transparente. Sie fordern auch die übrigen Arbeiter, die über eine andere Firma angestellt sind, auf, sich dem Streik anzuschließen. Ohne Erfolg.

Einige der Bauarbeiter erklären stattdessen ihr Unverständnis für den Streik und behaupten, da gehe es gar nicht um unbezahlten Lohn. Doch genauer wollen sie nicht darauf eingehen.

Am Nachmittag war dann klar, dass die betroffenen Bauarbeiter ihr Geld erhalten. Der Streik war beendet. Nach Auskunft einer Polizeisprecherin war das Arbeitsverhältnis der Bauarbeiter schon vor dem Streik beendet.

Am Mittwoch verschanzen sich in Regensburg Bauarbeiter auf Kränen

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