03.07.2020 - 13:27 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Kinderpornos angeblich im Keller gefunden

Ein Frührentner soll vor Jahren einen 13-jährigen Jungen missbraucht haben. Beim Prozessauftakt in Regensburg bestreitet er die Vorwürfe und gibt eine kuriose Erklärung ab.

Symbolbild.
von Autor AHSProfil

Die Anklage lautet: Schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes und Besitz von kinderpornografischen Schriften. Ein heute 19-Jähriger hatte einen Frührentner aus Cham 2019 angezeigt - fünf Jahre nach der Tat.

Der 65-Jährige bestreitet die Vorwürfe ("Da war nix") und wartete beim Prozessauftakt in Regensburg mit einer schier unglaublichen Geschichte auf: Die rund 3600 Porno-Bilder, die die Polizei auf seinem Tablet entdeckte und durchwegs Jungen im Alter von unter 14 Jahren zeigten, habe er 1995 bei einer Kellerentrümpelung gefunden, als er noch in Berlin wohnte. Als der Vorsitzende Richter, Fritz Kammerer, von der 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg darauf hinwies, dass Bilddateien aus dem Jahr 2004 darunter sind, konnte der Mann, der seit November in Untersuchungshaft sitzt, dazu keine Erklärung abgeben.

In den Jahren 2013 und 2014 hatte der Angeklagte einer Pfadfindergruppe einen Raum auf dem Dachboden seines Anwesens überlassen. Nachdem gegen 20 Uhr die Pfadfinder ihr Treffen beendet hatten, veranlasste er einen damals 13-jährigen zu bleiben. Er forderte ihn auf, sich nackt auszuziehen. Auch er entkleidete sich. Dann küsste und streichelte er den Jungen und nahm dabei sexuelle Handlungen vor. Insgesamt soll es zu zehn solcher Übergriffe gekommen sein.

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Nach Verlesen des Anklagesatzes hatte es Verteidigerin Sabine Prokisch-Hierl ihrem Mandanten überlassen, Stellung zu nehmen. Bei dem weit schwerwiegenderen Vorwurf des sexuellen Missbrauchs war sich dieser keiner Schuld bewusst: "Da war nix, ich weiß nicht, warum er so etwas behauptet". Er sei seit 50 Jahren leidenschaftlicher Pfadfinder. "Ich bin den Kindern ein Vorbild! Warum soll ich meinen Verein in Verruf bringen?" Den vermeintlich Geschädigten wollte er fördern und habe ihm mit Einverständnis der Eltern sogar einen Tauchlehrgang bezahlt. Er vermute eine Racheaktion, weil er sich auch um andere Kinder gekümmert hat.

Auf den richterlichen Vorhalt "Zwischen der Tat und der Anzeige sind Jahre ins Land gegangen" erfolgte keine Reaktion. Den inzwischen 19-jährigen will er 2014 zum letzten Mal gesehen haben. Dem vom Gericht bestellten Sachverständigen gegenüber hatte er eingeräumt, dass er bisexuell ist, was seine Ehefrau akzeptiert habe. Er habe ihr nur bei der Hochzeit versprechen müssen, dass er mit keiner anderen Frau fremdgeht. Auf den Vorhalt, dass sich unter den sichergestellten Dateien auch Filme befinden, die ihn mit einer anderen Frau beim Geschlechtsverkehr zeigen, schwieg er.

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Der 19-Jährige, der Anzeige erstattet hatte, war nicht zur Verhandlung erschienen, konnte aber telefonisch erreicht werden. Er habe keine Ladung erhalten und soll nun an einem der späteren Verhandlungstage als Zeuge gehört werden.

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