22.07.2021 - 18:15 Uhr
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Generalvikar Fuchs räumt zum Abschied Fehler ein

Nach fast 16 Jahren gibt Michael Fuchs das Amt des Generalvikars im Bistum Regensburg ab. Nachfolger Roland Batz wird sich mit dem Priestermangel, dem neuen Sparkurs und der weiteren Aufarbeitung der Missbrauchsfälle auseinandersetzen.

Der scheidende und der neue Generalvikar im Bistum Regensburg: Michael Fuchs (links) und Roland Batz.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Für viele war die Ankündigung, dass Fuchs das Amt des Generalvikars aufgibt und im September die Regensburger Pfarrei St. Wolfgang übernimmt, überraschend gekommen. Für ihn selbst nicht, wie der 57-Jährige am Donnerstag bei einem Pressegespräch zum Stabswechsel sagte. Er sei bayernweit der dienstälteste Generalvikar und es sei schon immer sein Wunsch gewesen, nach der Zeit als Generalvikar wieder eine Pfarrei zu leiten.

2005 war Fuchs, der zuvor Pfarrer in Waldsassen (Kreis Tirschenreuth) war, vom damaligen Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Generalvikar ernannt worden. Neben vielen Höhepunkten habe es auch Tiefpunkte in seiner Amtszeit gegeben, sagte Fuchs. Er räumte ein, dass er im Zuge des Missbrauchsskandals Fehler gemacht habe. Er hätte hier entschiedener handeln sollen und einen schnelleren Lernprozess vollziehen sollen. „Ich kann nur um Verzeihung bitten für Fehler, die wir gemacht haben.“ In den Pfarreien müsse bei allen, die Verantwortung tragen, eine Kultur der Sensibilität geschaffen werden. Fälle sexuellen Missbrauchs dürften nicht weggedrückt oder kaschiert werden, sondern müssten ernst genommen und aufgearbeitet werden.

Aus Missbrauchsskandal lernen

Nachfolger Roland Batz kündigte an, dass die vor kurzem eingerichtete Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Bistum Regensburg sich auch historische Fälle genau ansehen wird, so dass die Kirche daraus lernen kann und sich Fehler nicht wiederholen. Für die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen gebe es bereits entsprechende Studien. „Jedem Opfer soll Gerechtigkeit widerfahren, soweit das möglich ist.“ Er könne nicht für jeden einzelnen Mitarbeiter die Hand ins Feuer legen, sagte Batz. Doch die Kirche müsse einen Raum schaffen, in dem Kinder geschützt sind.

Die Missbrauchsfälle haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass die Zahl der Kirchenaustritte konstant hoch ist. „Das ist für uns eine besorgniserregende Entwicklung“, sagte Batz. Die Kirche lebe schließlich von der Gemeinschaft. In einer naturwissenschaftlich geprägten Zeit komme Gott zunehmend an den Rand. Aufgabe der Kirche sei es, nicht zu jammern, sondern eine positive Atmosphäre in den Pfarreien zu schaffen, die es auch ermöglicht, dass der Beruf des Priesters wieder als attraktiv angesehen wird. Denn der Priestermangel ist deutlich spürbar. Trotzdem will Batz keine XXL-Pfarreien im Bistum Regensburg. Derzeit bestehe die größte Pfarreigemeinschaft im Bistum aus drei Pfarreien. Sehr viel größere pastorale Räume sollte es nicht geben. „Sonst stirbt das Leben in der Pfarrei“, sagte Batz.

Austritte: Weniger Kirchensteuer

Nicht zuletzt haben die vielen Austritte auch finanzielle Folgen. Das Bistum wird in den nächsten Jahren weniger Geld über die Kirchensteuer einnehmen. „Bis 2060 wird sich die Zahl der Katholiken halbieren“, sagte Fuchs. Bereits 2019 hatte er einen Sparkurs angekündigt. Es werde ein Prozess sein, der auch weh tut. Man werde unter anderem Zuschüsse budgetieren und im Personalbereich kritisch hinschauen müssen.

Der neue Generalvikar Batz wird sich also einigen herausfordernden Aufgaben stellen müssen. Damit, dass Bischof Rudolf Voderholzer ihn bat, das Amt des Generalvikars zu übernehmen, habe er überhaupt nicht gerechnet, sagte der 58-Jährige auf Nachfrage. Er sei davon ausgegangen, dass er in seinem bisherigen Aufgabengebiet als Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes und der Katholischen Jugendfürsorge bleibt. Doch nun freue er sich auf das neue Amt, das er am 1. September antreten wird.

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Hintergrund:

Das Amt des Generalvikars

  • Das Kirchenrecht sieht für jede Diözese einen Generalvikar vor.
  • Er ist der Stellvertreter des Bischofs und für die Verwaltung der Diözese zuständig.
  • Seine Hauptaufgabe besteht darin, den Bischof bei dessen Leitungsaufgaben zu unterstützen.
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