28.10.2020 - 11:54 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

"Falsche 50er": Prozess um Geldwäsche

Prozess am Regensburger Jugendschöffengericht: Der Hauptangeklagte hat im Darknet 50 falsche 50er-Scheine gekauft und die Blüten mit dem Kassenbestand seiner Arbeit ausgewechselt. Weitere Scheine hat er seinen Komplizen gegeben.

Das Strafgesetzbuch
von Autor AHSProfil

Am Dienstag saßen drei Männer auf der Anklagebank des Jugendschöffengerichts Regensburg unter Vorsitz von Richterin Cornelia Braun. Einem zur Tatzeit 23-jährigen mit rumänischen Wurzeln wurde Geldfälschung in Tateinheit mit veruntreuender Unterschlagung zur Last gelegt, die damals 18 und 20 Jahre alten beiden Mitangeklagten, Landsleute von ihm, mussten sich wegen Geldfälschung verantworten.

Der Hauptangeklagte hatte sich im Sommer vor zwei Jahren über das sogenannte Darknet 50 Stück falscher 50-Euro-Banknoten nach Hause schicken lassen. In dieser Zeit arbeitete er als Schichtleiter in einem Fast-Food-Lokal am Regensburger Hauptbahnhof. Um möglichst schnell die Blüten in echtes Geld umzuwandeln wechselte er elf Scheine mit dem Kassenbestand des Lokals um. Mindestens 16 falsche Scheine gab er an seine beiden Komplizen weiter, die ihm dafür 130 Euro Bargeld gaben.

Nachdem die Filialleiterin des Fast-Food-Lokals Anzeige erstattet hatte wurde das Landeskriminalamt eingeschaltet. Den Beamten gegenüber äußerte sie auch den Verdacht, dass ein ehemaliger Mitarbeiter, der Hauptangeklagte, als Täter infrage kommt. Bei einer Hausdurchsuchung konnten tatsächlich noch 14 Blüten sichergestellt werden. Er selbst war nicht mehr greifbar. Schließlich konnte er auf Grund eines Haftbefehls in Niedersachsen bei einer Schaustellerfirma, für die er inzwischen arbeitete, festgenommen werden und kam für fünf Wochen in Untersuchungshaft. Bei seinen Vernehmungen gab er auch die Namen der beiden Mitangeklagten preis.

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Nach Verlesen des Anklagesatzes räumten alle drei Angeklagten über ihre Verteidiger die Vorwürfe ein. Der damals 18-jährige meinte, er habe sich mit so viel Geld in der Tasche groß und stark gefühlt. "Es war ein cooles Gefühl". Heute würde er es bereuen. Diese Geständnisse der bis dahin strafrechtlich nicht in Erscheinung getretenen Angeklagten werteten sowohl das Jugendschöffengericht und die Staatsanwaltschaft bei der Findung des Strafmaßes als besonders wertvoll, zumal sich zwei Zeugen in Quarantäne befinden und eine Zeugin nicht aus Ungarn einreisen darf.

In ihrem Schlussvortrag forderte die Staatsanwältin für den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Als Bewährungsauflage soll gegen ihn eine Geldauflage von 3000 Euro ausgesprochen und die 550 Euro "Wechselgeld" eingezogen werden. Sein Verteidiger beanstandete lediglich die Höhe der Geldauflage, Er hielt eine solche von 1600 Euro für ausreichend. Für seinen Mandanten sei es wichtig, dass endlich alles vorbei ist. Dem folgte auch das Gericht mit seinem Urteil.

Für die beiden Mitangeklagten forderte die Staatsanwaltschaft nach dem Jugendstrafrecht Geldauflagen von 1200, beziehungsweise 1000 Euro. Damit, so einer der Verteidiger, "könne man leben". Das Jugendschöffengericht hielt Geldauflagen in Höhe von 750 und 1000 Euro für angemessen, zu Mal auf die Angeklagten hohe Verfahrenskosten zu kommen. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

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