27.10.2020 - 14:41 Uhr
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Breitband: Oberpfalz hinkt hinterher

Nie war eine gute Internetverbindung im Arbeitsleben wichtiger als zu Corona-Zeiten. Homeoffice und Video-Konferenzen wären sonst nicht möglich. Trotz Fortschritten gibt es in der Oberpfalz Nachholbedarf beim Netzausbau, mahnen Arbeitgeber.

„Verbindungsabbrüche müssen im 21. Jahrhundert der Vergangenheit angehören“, sagt der Oberpfälzer Arbeitgebervertreter Wolfgang K. Fischer.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

„Wir sind live in einem Stresstest“, sagte Stephan K. Fischer, stellvertretender Vorsitzender der Oberpfälzer Bezirksgruppe der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW), am Dienstag in einer Online-Pressekonferenz. Bislang habe die in den vergangenen Jahren ausgebaute digitale Infrastruktur in der Coronakrise dafür gesorgt, dass das Wirtschaftsleben einigermaßen am Laufen gehalten werden konnte.

Doch weil immer mehr Firmen auf digitale Geschäftsmodelle und neuartige Produktionsmethoden setzen, reiche die aktuelle Versorgung mit schnellem Internet künftig nicht aus, stellte Fischer klar. So könnten in der Oberpfalz durchschnittlich etwas weniger Haushalte schnelles Internet nutzen als im bayernweiten Vergleich. Knapp 94 Prozent der Oberpfälzer Haushalte verfügten über 30 Mbit pro Sekunde, während es im Freistaat 96 Prozent sind. Noch deutlicher sei der Unterschied bei besonders schnellem Internet: Während 85 Prozent der bayerischen Haushalte Zugriff auf bis zu 100 Mbit pro Sekunde hätten, seien es in der Oberpfalz nur 79 Prozent. Bei den bayerischen Firmen steige der Bedarf dramatisch: Während aktuell nur sechs Prozent der Unternehmen eine Bandbreite von über 100 Mbit pro Sekunde nutzen, gingen 43 Prozent der Firmen bis 2023 von einem Bedarf jenseits dieses Wertes aus.

Warum die Oberpfalz beim schnellen Internet hinterherhinkt, erklärte der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling (CSU). Nach der Privatisierung des Telekommunikationsmarktes hätten die drei großen Anbieter das Netz aus wirtschaftlichen Gründen eher in Ballungszentren ausgebaut, wo viele Kunden auf kleinem Raum leben. Deshalb sei das Breitband-Förderprogramm des Freistaats der richtige Schritt gewesen, um auch dünn besiedelte Regionen wie die Oberpfalz zu versorgen. Im Landkreis Schwandorf hätten sämtliche Kommunen einen Förderantrag gestellt, sagte Ebeling. Allerdings seien die Firmen, die die Leitungen verlegen, derart ausgelastet, dass der Ausbau erst nach und nach erfolgen kann.

Die Mobilfunkversorgung in der Oberpfalz nannte VBW-Vertreter Fischer „insgesamt gesehen gut“. Gerade die Versorgung der ICE-Strecken und der Autobahnen habe sich aus Sicht der Unternehmen spürbar verbessert. Es gebe aber immer noch Funklöcher auf den Verkehrswegen in der Oberpfalz, die es zu stopfen gilt. „Verbindungsabbrüche müssen im 21. Jahrhundert der Vergangenheit angehören“, sagte Fischer. Das bayerische Mobilfunk-Förderprogramm helfe, die Situation zu verbessern. In der Oberpfalz habe bis Juni ein Drittel aller Kommunen ein Markterkundungsverfahren zum Mobilfunk gestartet. Eine klare Forderung hat Fischer zum neuen Mobilfunkstandard 5G: Bis 2025 müsse die Oberpfalz lückenlos versorgt sein.

Fischer appellierte an die Politik, gesellschaftliche Bedenken gegen Mobilfunkmasten aufzugreifen. Er wünsche sich mehr Aufklärung darüber, „dass die Masten nicht schädlich sind“. Landrat Ebeling kennt die Problematik natürlich. „Ein 5G-Mast in der Nachbarschaft löst keinen Jubel aus“, sagte er. Er selbst lebe seit vielen Jahren ohne Probleme in der Nähe eines 4G-Masten. Der Landrat sprach sich für Gesetzesänderungen aus, die eine Genehmigung von Masten im Außenbereich erleichtern.

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