14.05.2020 - 17:40 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

"Blackout" oder versuchter Mord?

Ein 22-Jähriger steht wegen versuchten Mordes vor Gericht: Weil ein Mann die Herausgabe von Bargeld verweigert hatte, soll er so lange auf ihn eingeschlagen und -getreten haben, bis er ihn für tot hielt. Seine Verteidigerin lässt wissen: Er habe einen Blackout gehabt.

Ein 22-jähriger Mann aus Regensburg muss sich vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg verantworten.
von Autor AHSProfil

Seit Donnerstag muss sich ein 22-jähriger Mann aus Regensburg vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Dr. Michael Hammer verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm versuchten Mord aus Habgier und Grausamkeit in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zur Last. Laut einem richterlichen Hinweis komme auch eine Verurteilung wegen versuchten schweren Raubes oder Erpressung in Betracht.

Der Angeklagte soll den späteren Geschädigten und einen weiteren Mann in einem Regensburger Einkaufscenter kennengelernt und beide zu sich nach Hause eingeladen haben. Hier wurde - zusammen mit weiteren Gästen - Wodka getrunken, bis das spätere Opfer auf der Couch einschlief.

Laut Staatsanwaltschaft habe der Angeklagte sein Opfer nachts zur Herausgabe von Bargeld aufgefordert. Als der Geschädigte sich weigerte, seine Geldbörse herauszugeben, habe der Angeklagte unvermittelt auf ihn eingeschlagen und -getreten. Er habe sogar gedroht, den Geschädigten umzubringen. Als sich dieser immer noch weigerte, seine Barschaft herauszugeben, habe ihn der Angeklagte zu Boden geworfen und mit einem Messer an der Nase verletzt, bevor er es in die Couch gerammt habe. Weil das Opfer nach weiteren Schlägen und Tritten bewusstlos gewesen sei, hielt ihn der Angeklagte für tot. Er forderte den anderen Zechkumpan auf, ihm bei der Entsorgung der Leiche in einer Mülltonne zu helfen. Dieser weigerte sich und setzte einen Notruf ab.

Nach Verlesen des Anklagesatzes gab Verteidigerin Nina Atallah (München) eine Erklärung ab. Ihr Mandant habe eine Mischung aus Alkohol, Cannabis und Kokain konsumiert. Er könne sich nur noch daran erinnern, wie er den Geschädigten kennengelernt habe - danach setze ein Filmriss ein. Eine Blutprobe soll nun nachträglich auch auf Drogen untersucht werden.

Ein Beamter erzählte als Zeuge unter anderem von der Wohnung, in der er das Opfer mit blutüberströmtem Gesicht regungslos, aber atmend, auf dem Boden gelegen gefunden hatte. Auf der Couch habe eine weitere stark betrunkene Person gesessen, die sich eingenässt hatte. Weiter erzählt der Beamte, in der Polizeistation habe sich der Angeklagte äußerst aggressiv verhalten. Als er und ein Kollege zusammen mit einem Arzt die Arrestzelle zur Blutentnahme betreten wollten, habe er zunächst gedroht: "Wenn ihr reinkommt, zeig ich Euch was Schmerzen sind." Der Prozess dauert an.

Weitere Artikel zu Gerichtsprozessen

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.