22.10.2020 - 17:30 Uhr
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Bayernwerk setzt auf "Flower-Power"

Der Netzbetreiber Bayernwerk setzt auf lokale Energiesysteme und findet dafür einen blumigen Vergleich: Die Städte sollen von den umliegenden ländlichen Regionen versorgt werden wie ein Blütenkelch von seinen Blütenblättern.

von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Zeitenwende in der Energieversorgung: Während der Strom jahrzehntelang hauptsächlich von großen Kraftwerken zum Verbraucher floss, sind viele Menschen mittlerweile selbst Erzeuger, etwa Besitzer von Photovoltaikanlagen. Das Energieunternehmen Bayernwerk AG in Regensburg sieht die Zukunft darin, Energie aus der Nähe zu verwenden.

"Wir müssen einem rasanten Wandel in der Gesellschaft gerecht werden", sagte Vorstandsvorsitzender Reimund Gotzel am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. "Viele Menschen ändern ihre Lebenseinstellung zu Umwelt- und Klimaschutz, aber auch die Gestaltung ihres persönlichen Lebens." Vor zehn Jahren sei das Unternehmen "getrieben" gewesen durch die extrem stark steigende Zahl von Photovoltaikanlagen, die ins Netz integriert werden mussten. "Damals haben wir darin eher den Aufwand gesehen als die Chance."

Doch dann habe die Erkenntnis eingesetzt, dass die erneuerbaren Energien die Grundlage der künftigen Versorgung sein müssen. Mittlerweile habe das Bayernwerk fast 300 000 Photovoltaikanlagen ans Netz angeschlossen. Bis zu 70 Prozent erneuerbare Energie fließe heute in den Leitungen des Unternehmens. Als Fixpunkt der künftigen unternehmerischen Ausrichtung nannte Gotzel die Gestaltung eines CO2-neutralen Energiesystems. "Wir richten unsere Arbeit vollumfänglich an Nachhaltigkeit und ökologischer Verantwortung aus", betonte Gotzel. Die Bayernwerk-Gruppe selbst mit ihren rund 3000 Mitarbeitern wolle bis spätestens 2030 klimaneutral sein. Beispielsweise sollen die 1500 Fuhrparkfahrzeuge in fünf Jahren rein elektrisch unterwegs sein.

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land

Wie die lokalen Energiesysteme umgesetzt werden sollen, erklärte Technik-Vorstand Egon Westphal. "Stadt und Land haben einen großen Unterschied", sagte er. In der Stadt seien mehr Verbraucher angesiedelt. Regenerative Energiequellen entstünden jedoch auf dem Land, weil dort deutlich mehr Platz für Photovoltaik- und Windkraftanlagen zur Verfügung steht. "Deshalb müssen wir die regenerativen Energiequellen auf dem Land bündeln und mit nahegelegenen städtischen Räumen optimal vernetzen."

Westphal entwarf das Bild von einem Bayern als "energetische Blumenwiese, in der sich Kunden je nach individuellen Bedürfnissen mit ihrer heimischen Energie versorgen können". Jede Stadt werde demnach von den umliegenden Gebieten abhängig sein, wie ein Blütenkelch von seinen Blütenblättern - daher habe man das Konzept "Flower-Power" getauft. Die Vorteile seien gravierend: Die Erhöhung des lokalen Nutzungsgrades erneuerbarer Energie führe zu einer Verbesserung der CO2-Bilanz. Zudem werde die Wertschöpfung vor Ort gesteigert. Dennoch als "aktuell essentiell wichtig" stufte Vorstandsvorsitzender Gotzel auf Nachfrage die umstrittenen Infrastruktur-Projekte Südostlink und Ostbayernring ein. Sie seien notwendig, um den Energieüberschuss aus Norddeutschland in den Süden zu bringen und Versorgungssicherheit zu garantieren.

Das Stichwort:

Co-Working-Space

Durch flachere Hierarchien sollen die Mitarbeiter besser vernetzt werden, sagte Personal-Vorstand Andreas Ladda. In einem „Co-Working-Space“ könnten die Beschäftigten nach Wahl an Einzeltischen, Gemeinschaftstischen und im Freien arbeiten oder in einer „Sprechzelle“ telefonieren. Corona habe den Wandel der Arbeitswelt deutlich beschleunigt. Über 80 Prozent der Mitarbeiter seien einer Umfrage zufolge mit der aktuellen Situation im Home-Office zufrieden. Als wünschenswert gaben die meisten an, künftig teils im Unternehmen und teils zu Hause arbeiten zu können. (gib)

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