28.09.2021 - 15:53 Uhr
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Ein Bastard aus der Oberpfalz wird zum Helden von Lepanto

Es ist ein unverhoffter Sieg: Vor 450 Jahren gewinnt eine christliche Allianz die Schlacht von Lepanto gegen die Osmanen. Oberbefehlshaber ist Don Juan d‘Austria – der aus einer außerehelichen Liebesnacht in Regensburg hervorgegangen war.

Feuer, Rauch und kämpfende Menschen auf den Schiffdecks: Dieses Gemälde eines unbekannten Künstlers zeigt die grausame Realität der Seeschlacht von Lepanto.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Auf einem Schriftzug an der Frontfassade des Hotels "Goldenes Kreuz" am Regensburger Haidplatz kann es jeder lesen: Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, war in dem altehrwürdigen Haus mehrmals zu Gast, als der Reichstag in Regensburg tagte. Verraten wird dort auch ein intimes Detail: 1546 nahm sich der Kaiser, damals 46 Jahre alt, bei seinem Regensburg-Aufenthalt neben weitreichenden politischen Entscheidungen auch Zeit für eine gewisse Barbara Blomberg, Gürtlerstochter, 19 Jahre jung und bildschön. Aus ihrer Romanze entstand ein Kind – der spätere spanische Heerführer Don Juan d‘ Austria.

Heute erinnert eine Statue auf dem Regensburger Zieroldsplatz an den berühmten Sohn der Stadt. Der italienische Bildhauer Andrea Calamech hatte nach der Schlacht von Lepanto eine Bronzestatue Juans erschaffen. Eine Kopie davon steht seit 1978 in Regensburg. Die Statue ist in der Domstadt nicht ganz unumstritten. Sie zeigt Don Juan in einer martialischen Siegerpose, wie er mit einem Bein auf dem abgeschlagenen Kopf eines Türken steht – als Zeichen für Juans Triumph in der Seeschlacht von Lepanto gegen die Osmanen. 2013 besetzte ein junger Marokkaner aus Protest stundenlang das Denkmal. Der damalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) räumte damals ein, dass das Denkmal „das Risiko in sich birgt, missverstanden zu werden“. Es biete aber auch die Möglichkeit, offen miteinander zu diskutieren.

Die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte Don Juan bei seiner Mutter in Regensburg. Auf Geheimbefehl seines Vaters wurde er dann nach Spanien gebracht, wo er bei Pflegeeltern aufwuchs. Kaiser Karl V. offenbarte sich seinem unehelichen Sohn bis zu seinem Tod nicht. Dennoch fühlte er sich ihm offensichtlich verbunden, denn in seinem Testament erkannte er Don Juan als leibliches Kind an. Karls Nachfolger auf dem spanischen Thron, König Philipp II., führte nach dem Tod des Vaters seinen Halbbruder bei Hofe ein, wie es Karl V. testamentarisch verfügt hatte.

Das Verhältnis zwischen Thronfolger Philipp und dem unehelich gezeugten Don Juan war angespannt, sagt Peter Pauly, Militärexperte aus Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf). Der ehemalige Soldat, der lange in Weiden stationiert war, hat sich intensiv mit der Schlacht von Lepanto und Don Juans Lebensgeschichte auseinandergesetzt. „Philipp hatte wohl ein bisschen Angst, dass Don Juan ihn an Sympathie überflügelt.“ Don Juan wiederum habe gehofft, aus dem Image des Bastards herauszuwachsen. Dabei sollte ihm seine militärische Karriere helfen. 1568 ernannte Philipp Juan zum Befehlshaber der spanischen Mittelmeerflotte.

In die Geschichte ein ging Juan als Held der Seeschlacht von Lepanto, die am 7. Oktober 1571 im Ionischen Meer vor dem Golf von Patras bei Lepanto im heutigen Griechenland geschlagen wurde. Als Oberbefehlshaber rang er den bislang als unbesiegbar geltenden Osmanen den Sieg ab. Wie schaffte er das? Militärexperte Pauly führt den Erfolg auf mehrere Gründe zurück. Zum einen seien die Elitetruppen der Osmanen hauptsächlich mit Pfeil und Bogen sowie mit Säbeln ausgerüstet gewesen – am Körper seien sie aber kaum geschützt gewesen. Die Soldaten der Heiligen Liga hingegen trugen Brustharnische und Helme. Ausgezahlt habe sich auch, dass Don Juan den Geschwadern im Norden und Süden weitgehend die Freiheit ließ, zu tun, was in der jeweiligen Situation wichtig war. Wichtig für den Sieg seien auch die sechs großen venezianischen Galeassen gewesen, die mit ihren Kanonen etliche Schiffe des Gegners versenkten. Nicht zuletzt habe eine große Reserve-Flotte dabei geholfen zu gewinnen.

Fünf Stunden dauerte die blutige Seeschlacht. Um 12 Uhr Mittag standen die 206 Galeeren der Heiligen Liga den 255 Galeeren der Osmanen gegenüber. Die Schiffe fuhren aufeinander zu, verkeilten sich teils, die Soldaten kämpften auf den Decks Mann gegen Mann. „Das Gewimmel ist kaum vorstellbar“, sagt Pauly. „Die Soldaten kämpften für die heilige Sache, für die Gruppe – und um ihr eigenes Leben.“ Der damals erst 24 Jahre alte Oberbefehlshaber Don Juan habe selbst mitgekämpft. Fürchterlich seien die hygienischen Bedingungen für die angeketteten Rudersklaven der Osmanen gewesen. Für die christliche Allianz war das ein Glück: Die Rudersklaven kämpften nach ihrer Befreiung auf der Seite der Christen – „mit einer gehörigen Wut im Bauch“.

Es war die letzte große Seeschlacht mit geruderten Galeeren – und diejenige mit den meisten Gefallenen an einem Tag. Die Osmanen zählten mehr als 30 000 getötete Soldaten, die christliche Allianz 8000. Während die Heilige Liga nur 13 ihrer Schiffe verlor, wurden 60 Schiffe der osmanischen Flotte versenkt. 30 weitere setzten die Osmanen selbst auf Grund. Der Sieg war vor allem psychologisch wichtig, sagt Pauly. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit der osmanischen Mittelmeerflotte war gebrochen. Langfristig profitieren konnte die Heilige Liga aber nicht, die Allianz zerbrach.

Kurz nach der Schlacht ging die Nachricht über den unverhofften Sieg wie ein Lauffeuer durch das christliche Europa. Schriftsteller schufen Lobgedichte, Künstler verewigten das Kampfgeschehen auf hoher See in Gemälden. Zu den berühmtesten Darstellungen der Schlacht gehört die detailreiche Lepanto-Monstranz des Augsburger Goldschmieds Johannes Zeckl, die aus dem Jahr 1708 stammt und heute in der Ingolstädter Asamkirche Maria de Victoria steht.

Während Don Juan D’Austria für seinen Sieg von Lepanto gefeiert wurde, verlief sein weiteres Leben tragisch. Er führte noch einige Zeit die spanische Flotte an, dann übernahm er auf Wunsch seines Halbbruders Philipp II. die Statthalterschaft in den Niederlanden, um die dortigen Aufstände in den Griff zu bekommen. Seine Heiratspläne scheiterten am Philipps Widerstand. Einmal noch, 1576, kam es zu einem Treffen mit seiner Mutter Barbara Blomberg. Aufgerieben in den Konflikten in den Niederlanden, starb Don Juan nur zwei Jahre später, wohl an Typhus. Er wurde nur 31 Jahre alt.

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Hintergrund:

Zur Person

  • Don Juan d‘Austria wurde am 24. Februar 1547 unter dem Namen Johann in Regensburg geboren. Er war der außereheliche Sohn Kaiser Karls V. und der bürgerlichen Regensburger Gürtlerstochter Barbara Blomberg.
  • Er wuchs ohne das Wissen über seine tatsächlichen Familienwurzeln auf. Auf Geheimbefehl seines Vaters wurde er mit drei Jahren nach Spanien gebracht und von Pflegeeltern großgezogen.
  • Nach dem Tod von Karl V. führte dessen Sohn König Philipp II. seinen Halbbruder als Don Juan d‘Austria bei Hofe ein, wie Karl V. es testamentarisch niedergeschrieben hatte.
  • Don Juan wurde Befehlshaber der spanischen Mittelmeerflotte. Sein größter militärischer Erfolg war der Sieg bei der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571 gegen die Osmanen.
  • Später erhielt er die schwierige Aufgabe der Statthalterschaft in den Niederlanden, wo es Aufstände gab. Er überlebte einen Mordanschlag knapp. 1577 wurde er schwer krank, 1578 starb er, wohl an Typhus.
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