03.08.2020 - 18:55 Uhr
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Die alte Tram in Regensburg soll wieder fahren

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Eine Gruppe von Straßenbahn-Freunden träumt davon, dass die letzte erhaltene Regensburger Tram nochmal ein Stück durch die Stadt zuckeln könnte. Einen großen finanziellen Erfolg hat ein Verein nun erzielt.

1995 war der letzte Regensburger Straßenbahnzug die Attraktion auf dem Bürgerfest. Danach rostete er jahrelang auf dem Gelände der Regensburger Verkehrsbetriebe vor sich hin.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Von 1903 bis 1964 gehörte die Regensburger Straßenbahn zum Stadtbild. Sie ratterte selbst durch die kleinsten Gassen der Altstadt. Dann wurde der Betrieb eingestellt – die Zukunft schien dem motorisierten Verkehr zu gehören. Die Regensburger Tram-Flotte war damals schon in die Jahre gekommen. Doch vier Straßenbahnzüge, bestehend aus je einem Trieb- und Beiwagen, waren noch so neu, dass sie nach Darmstadt verkauft wurden und dort bis 1990 im Einsatz waren.

Ganz aus den Augen verloren hatte man die Trams in der Domstadt aber nie – wohl aus nostalgischen Gründen kaufte Regensburg einen der Straßenbahnzüge zurück. Eine Verwendung gab es für die Tram allerdings nicht. Beim Bürgerfest 1995 begeisterte der Zug als aufgestellte Attraktion in der Neuhausstraße nochmal die Besucher. Danach wurde es still um die Tram. Auf dem Gelände der Regensburger Verkehrsbetriebe rostete sie vor sich hin.

Tram als Kleinod

Bis eine Gruppe von Männern die Idee hatte, im Jahr 2014 – 50 Jahre nach der Betriebseinstellung – an die Regensburger Straßenbahn zu erinnern. Jan Mascheck erzählt, wie er versuchte, über Facebook Mitstreiter zu suchen. Sieben engagierte Bürger fanden sich, die alle der Meinung waren, dass die Straßenbahn als Kleinod der Regensburger Verkehrsgeschichte dringend restauriert werden müsste. Sie organisierten eine Bus-Sonderfahrt auf der ehemaligen Tramstrecke und übergaben der damaligen Stadtspitze um Joachim Wolbergs eine Liste mit über 2000 gesammelten Unterschriften für den Erhalt der Tram. „Eigentlich war die Sache mit der Unterschriftenaktion für uns erledigt“, erzählt Mascheck. Man habe der Stadt vor allem einen Denkanstoß geben wollen.

Doch die Geschichte ist längst nicht zu Ende: Im Herbst 2014 beschloss der Stadtrat: Wenn die Gruppe der Straßenbahnunterstützer 100 000 Euro einsammelt, bringt die Stadt die andere Hälfte für die auf 200 000 Euro geschätzte Restaurierung auf. „Erst waren wir fassungslos“, erinnert sich Mascheck. Die Gruppe fragte sich, warum sie für ein Eigentum der Stadt Spenden akquirieren sollte. „Aber der Zug wäre zerfallen, wenn wir es nicht wenigstens probiert hätten.“

Es folgte die Vereinsgründung der IG Historische Straßenbahn – und dann Jahre mit allerlei Aktionen: Spendensammlungen, Sitz-Patenschaften, Kalenderverkäufe, zwei große Kranaktionen auf den Bürgerfesten, Crowdfunding. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei „fantastisch“ gewesen. Und es passierte, womit die Mitglieder selbst kaum gerechnet hatten: In diesem Sommer waren die 100 000 Euro voll. Ein „Riesenerfolg“ für den Verein.

Arbeiten am Triebwagen

Einen ersten Zwischenschritt hatte es bereits 2017 gegeben: Damals hatte der Verein 50 000 Euro zusammen. Weil die Stadt die andere Hälfte drauflegte, konnte der Beiwagen restauriert werden. Nun stehen die Arbeiten am Triebwagen an. Im Moment hausen beide Wägen in einer trostlosen Gewerbehalle im Stadtosten. Aber: Sie stehen im Trockenen, und das ist das Allerwichtigste, sagt Martin Kempter, der Historiker im Verein.

Denn die Jahre im Freien haben den Wägen nicht gut getan, das lässt sich im direkten Vergleich gut erkennen: Im bereits restaurierten Beiwagen glänzen die Sitze, die Holzvertäfelungen sehen frisch aus, innen und außen ist alles neu gestrichen. Im unsanierten Triebwagen dominieren Rostflecken, abgeblätterte Farbe, Kondenswasser-Wolken das Bild. Aber: „Technisch sieht es gut aus“, meint Günther Dürrmeier, der Elektrotechnik-Experte im Verein. Er geht davon aus, dass der Triebwagen relativ leicht wieder fahrtüchtig gemacht werden kann.

Und das mit dem Fahren ist schon ein Herzenswunsch der mittlerweile rund 30 Vereinsmitglieder. Was mit der Tram nach der vollständigen Restaurierung passiert, steht nämlich noch nicht fest. Möglich wäre ein fester Standort, an dem Regensburgs letzte Straßenbahn als Besucherattraktion aufgebaut wird. Viel schöner fänden die Tram-Fans aber einen fahrenden Zug, am liebsten auf einer ein, zwei Kilometer langen musealen Sonderstrecke.

Stadtbahn für Regensburg

Während der Verein solche Visionen diskutiert, packt die Stadt Regensburg das Mammutprojekt Stadtbahn an: Bis 2030 soll Regensburg wieder eine Straßenbahn bekommen, schneller, moderner, größer natürlich. Vereinsvorsitzender Jan Mascheck ist Fan des Projekts. Er glaubt, dass das schienengebundene Verkehrssystem den Dauerstau um Regensburg auflösen könnte, wenn Einpendler ihre Autos am Stadtrand stehen lassen und umsteigefrei und schnell ins Stadtzentrum kommen.

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Etappen des Vereins

  • Im Jahr 2014 entsteht die Idee, an die Regensburger Straßenbahn zu erinnern. Einige Bürger waren der Meinung, dass die Tram restauriert werden solle. Im Herbst 2014 beschließt der Stadtrat Regensburg, die Restaurierung finanziell zu unterstützen – wenn die Gruppe der Straßenbahnunterstützer es schafft, 100 000 Euro zu sammeln. Es folgt die Vereinsgründung der IG Historische Straßenbahn.
  • Im Jahr 2017 hat der Verein 50 000 Euro zusammen. Die Stadt Regensburg gibt weitere 50 000 Euro dazu. Der Beiwagen wird restauriert.
  • Im Sommer 2020 hat es der Verein geschafft, 100 000 Euro zu sammeln. Nun stehen die Arbeiten am Triebwagen an.

(sfo)

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