19.06.2020 - 09:31 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Aiwanger hofft auf Tatendrang der Firmen

Die Unternehmen sollen nach der Corona-Krise wieder an den digitalen Wandel anknüpfen, sagte der bayerische Wirtschaftsminister in Regensburg. Dabei gebe es ordentlich Unterstützung vom Staat.

Es gibt Hilfsprogramme, sie müssen aber auch angenommen werden. Das war die Botschaft der Veranstaltung mit (von links) Sabine Jarothe (Bayerisches Wirtschaftsministerium), Rainer Seßner (Bayern Innovativ), Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Hans Peter Göttler (LfA-Förderbank Bayern), Arbeitgebervertreter Bertram Brossardt und Klaus Beier (Agentur für Arbeit).
von Hanna Gibbs Kontakt Profil
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ermunterte die Unternehmer, trotz Corona-Krise in die Zukunft zu investieren.

Umsatzeinbrüche, unterbrochene Lieferketten, Betriebsschließungen: Viele Unternehmen leiden in der Corona-Krise. Einen bunten Strauß an Unterstützungsmöglichkeiten stellte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zusammen mit Arbeitgeberverbänden vor – als erstes in der Oberpfalz.

Es war der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe, die in alle bayerischen Regierungsbezirke führen soll. „Unternehmen in der Transformation – Durchstarten trotz Corona-Krise“ lautete das Motto am Donnerstagnachmittag in der Regensburger Techbase. Die Veranstaltung wurde im Internet übertragen, Fragen von Unternehmern kamen per Chatfunktion herein.

Wirtschaftsminister Aiwanger beschönigte die Lage nicht. Die bayerische Wirtschaft sei in einer „dramatischen Situation“. Zwei Millionen Arbeitnehmer seien in Kurzarbeit. Die Einbrüche lägen auf das ganze Jahr gesehen im Schnitt bei fünf bis zehn Prozent. „Wir haben Probleme, Produkte zu verkaufen, bei denen das früher nie ein Problem war“, sagte Aiwanger und führte das Auto als Beispiel an. Die Verbraucher seien verunsichert und würden Geld eher auf die Seite legen. Dazu komme, dass die Wirtschaft durch die Digitalisierung bereits vor der Pandemie im Umbruch war. „Corona hat viele Betriebe mitten in einem bestehenden Transformationsprozess getroffen.“ Es sei wichtiger denn je, dass die Unternehmen den bereits begonnenen Wandel wieder aufnehmen und erfolgreich meistern.

Aiwanger sprach von einem „Silberstreif an Horizont“. Er gehe davon aus, dass es im nächsten Jahr wieder ein „ordentliches Wirtschaftswachstum“ gebe. Er ermunterte die Firmen, trotz Krise zu investieren, um für die Aufgaben der Zukunft bereit zu sein. Nun sei der Tatendrang der Unternehmen gefragt. „Wenn wir die Hände in den Schoß legen, können wir die Zukunft nicht gewinnen.“

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Bayme, VBM und VBW, machte keinen Hehl daraus, dass er sich eine Autokaufprämie gewünscht hätte – doch auch so bescheinigte er der bayerischen Staats- und der Bundesregierung eine gute Arbeit in der Corona-Krise. Die Politik habe wichtige Impulse gesetzt, damit die Wirtschaft aus der Krise kommt. Dennoch wünscht er sich weitergehende Entlastungen: Die Unternehmenssteuerlast müsse auf 25 Prozent sinken. Außerdem brauche es dringend mehr Bürokratieabbau. „Da muss man jetzt mit der Axt ran.“ Vorschriften, die die Unternehmen beim Wiederaufbau behindern, müssten wegfallen.

Brossardt sagte, er gehe davon aus, dass es nach den Sommerferien die ein oder andere Insolvenz geben werde. Doch insgesamt glaubt er, dass Bayern besser aus der Krise kommen wird als andere Länder. „Bayern muss zum ersten Mal seit Jahrzehnten kämpfen“, sagte er. „Wir packen das, wenn jeder anpackt.“

Eigens für Corona entwickelte Unterstützungsprogramme stellte Hans Peter Göttler, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der LfA-Förderbank Bayern, vor. Beim LfA-Schnellkredit für bis zu 50 000 Euro gelte eine vereinfachte Prüfung der Hausbank, da der Freistaat das Risiko übernehme. Auch beim Corona-Schutzschirm für bis zu 30 Millionen Euro gebe es eine Risikoentlastung, dazu noch einen günstigen Zins. Daneben stünden Förderprogramme für Transformationsvorhaben zur Verfügung – etwa wenn ein Unternehmen seine Produkte digitaler oder energieeffizienter gestalten will.

„Not macht erfinderisch“, meinte Rainer Seßner, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH. Er sieht gerade jetzt eine große Chance, mit neuen Technologien durchzustarten. Die Corona-Pandemie habe etwa sein eigenes Unternehmen dazu gezwungen, Kongresse verstärkt digital umzusetzen. Viele Mitarbeiter seien ins Homeoffice gewechselt. Die Arbeitswelt habe sich verändert. „Vieles davon wird bleiben.“ Seßner verwies auf Technologieförderprogramme, die prinzipiell für alle bayerischen Unternehmen in Betracht kommen, die im Freistaat Forschung und Entwicklung betreiben.

Mut machte der Bericht von Klaus Beier, stellvertretender Chef der bayerischen Arbeitsagenturen. Zwar habe sich die Arbeitslosenquote durch die Corona-Krise verschlechtert, doch die Zahl der Arbeitsangebote steige wieder. Auch die Anzeigen zur Kurzarbeit gingen zurück. Besonders freue ihn, dass es zwar weniger Ausbildungsstellen gebe, doch immer noch genügend, um die jungen Menschen zu versorgen. Um Mitarbeiter beim strukturellen Wandel hin zur Digitalisierung mitzunehmen, fördere die Arbeitsagentur ihre Weiterbildung. „Es gibt gute Unterstützungsprogramme“, fasste Sabine Jarothe, Amtschefin im Bayerischen Wirtschaftsministerium, zusammen. Nun gehe es darum, dass die Unternehmen die Instrumente auch nutzen.

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