26.02.2021 - 12:08 Uhr
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50 Jahre OTH Regensburg: Rasante Entwicklung auf dem Campus

Viele Ingenieure, Architekten oder Sozialarbeiter haben hier die Grundlagen für ihr Berufsleben erlernt: Die OTH Regensburg feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Präsident Wolfgang Baier blickt auf eine rasante Entwicklung zurück.

OTH-Präsident Wolfgang Baier hofft, dass die Corona-Lage die Jubiläumsfeierlichkeiten im Sommer zulässt.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

ONETZ: Herr Professor Baier, wie hat die Geschichte der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg 1971 begonnen?

Wolfgang Baier: Professor Wolfgang Baier: In dieser Zeit wurde in den meisten bayerischen Regierungsbezirken eine Fachhochschule gegründet, die in der Regel auf einer Vorgängereinrichtung basierte. Bei uns wurde das Regensburger Johannes-Kepler-Polytechnikum zur Fachhochschule ernannt und um weitere Studiengänge, etwa die Sozialwissenschaften, ergänzt.

ONETZ: Wie haben sich die Studentenzahlen seitdem entwickelt?

Wolfgang Baier: Begonnen wurde 1971 mit genau 1428 Studierenden – heute sind es rund 11 000. Allerdings war es kein stetiger Anstieg. Anfang der 90er-Jahre war ein vorläufiges Maximum von rund 6000 Studierende erreicht worden – dann sank die Zahl durch die Neugründung der Fachhochschulen Amberg-Weiden, Deggendorf und Ingolstadt, auf etwa 4500 zum Ende des Jahrtausends. Doch in den Nullerjahren wuchs die Zahl wieder kontinuierlich an. Zum einen gab es mehr Wettbewerb unter den Fachhochschulen, man musste sich um die Studierende ein Stück weit mehr bemühen. Außerdem nahm die Akademisierung der Jahrgänge zu, mehr junge Leute machten Abitur und studierten. Nicht zuletzt machte uns die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen interessanter für Abiturienten mit allgemeiner Hochschulreife.

ONETZ: 2013 wurde die Fachhochschule Regensburg in Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg umbenannt. Was hat sich dadurch verändert?

Wolfgang Baier: Zunächst mussten wir uns um den Titel bewerben. Dass wir das – als einzige Bewerber in Bayern – in einem Verbund, nämlich mit der Fachhochschule Amberg-Weiden, taten, war im Rückblick der richtige Schritt. Im Wettbewerb waren wir erfolgreich und die Umsetzung erfolgte aus meiner Sicht stringenter, weil wir uns gemeinsamen Ziele verpflichtet haben. Der für die Bewerbung ausgearbeitete Entwicklungsplan hat uns einen deutlichen Schub nach vorne gebracht, etwa beim Zusammenschluss von Forschungsclustern. Neben zusätzlichen Ressourcen vom Freistaat trug der neue Titel natürlich auch zu einer gewissen Aufwertung in der Außendarstellung bei.

ONETZ: Welche Rolle spielt die OTH Regensburg für die Wirtschaft in der Region?

Wolfgang Baier: Wir verstehen uns als Hochschule, die in der Region verankert ist, ohne provinziell zu sein. Dazu gehört es, auf die Bedarfe der regionalen Wirtschaft einzugehen. Dafür arbeiten wir eng mit der hiesigen Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer zusammen. Der Wissenstransfer gehört zur DNA unserer Hochschule. Das geschieht durch Kooperationen mit einzelnen Unternehmen oder mit den Kammern, beispielsweise auch über den Hochschulverbund Transfer und Innovation Ostbayern. Zudem bieten wir auch Weiterbildungsmöglichkeiten für Berufstätige an. Und wir bilden natürlich den Nachwuchs an Ingenieuren und in anderen Berufen aus, den die Firmen und Einrichtungen in der Region dringend benötigen.

ONETZ: Wie ist die OTH international vernetzt?

Wolfgang Baier: Ein Beispiel: Die großen Firmen in und um Regensburg sind stark exportorientiert. Die hiesigen Halbleiter-Hersteller haben Fertigungsstandorte in Ostasien – und auch wir haben enge Kontakte mit den dortigen Hochschulen. So ist eine enge Zusammenarbeit möglich. Weltweit haben wir derzeit etwa 230 Partner-Hochschulen, mit denen Austauschprogramme möglich sind. Unsere Studierenden können auf jedem Kontinent ein Austauschsemester absolvieren.

ONETZ: In den vergangenen Jahren wurde auf dem Campus der OTH am Galgenberg viel gebaut.

Wolfgang Baier: Weil unsere Studierendenzahl stark angewachsen ist, brauchten wir neue Flächen, vor allem für Labore, Hörsäle und Büros. Glücklicherweise stellte uns der Freistaat Bayern zusätzliche Ressourcen bereit, so dass wir Stück für Stück mehr Räume schaffen konnten. Ich bin stolz, dass so ein schöner Campus entstanden ist, der für die Studierenden nicht nur eine gute Lernumgebung ist, sondern auch eine lebenswerte Atmosphäre schafft. Es ist ein Genuss zu sehen, wie die jungen Leute sich hier wohlfühlen, sich in Vereinen engagieren und ihre Feste feiern.

ONETZ: Die Fakultät für Architektur und die Hochschulverwaltung haben ihren Sitz aber immer noch an der Prüfeninger Straße, dem früheren Standort der Fachhochschule.

Wolfgang Baier: Die neuen Gebäude für die Architektur und die Verwaltung auf dem Campus sind im Bau. Wir hoffen, sie Ende des Jahres beziehen zu könne. Ich freue mich schon riesig, dass dann alle Bereiche der OTH Regensburg eine gemeinsame Heimat haben. Auch wenn nur wenige Kilometer zwischen der Prüfeninger Straße und dem Campus liegen, trennt es ein bisschen.

ONETZ: Wie hat sich die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr auf die Forschung und Lehre an der OTH ausgewirkt?

Wolfgang Baier: Uns ist es in enger Abstimmung mit der gesamten Hochschulfamilie gelungen, voll funktionsfähig zu bleiben – natürlich oft in digitaler Form. Gerade laufen die letzten Prüfungen des Wintersemesters. 60 Prozent der Prüfungen konnten wir online anbieten, den Rest mit großem Aufwand in Präsenzform. Prüfungen mussten wir teils in fünf bis sechs Prüfungen splitten, um die Abstände in den Räumen einzuhalten. Wir haben eigens eine Sicherheitsfirma damit beauftragt, die Hygienemaßnahmen zu überwachen, so dass die Studierenden vor und nach den Prüfungen zum Beispiel nicht zu nahe zusammenstehen. Auch nach der Pandemie wird die digitale Kommunikation bei Meetings und in der Lehre sicher teils erhalten bleiben – auch wenn wir uns alle sehr darauf freuen, wieder mehr auf dem Campus zu sein.

ONETZ: Corona kommt Ihnen wohl auch bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in die Quere?

Wolfgang Baier: Die Planungen sind in Pandemiezeiten natürlich sehr schwierig. Festhalten wollen wir auf jeden Fall am zentralen Festakt am 29. Juli mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Ich bin guter Hoffnung, dass die Feier als Präsenzveranstaltung, vielleicht in etwas kleinerem Rahmen, möglich sein wird. Am 2. Juli soll am Alt-Standort in der Prüfeninger Straße ein Tag der Offenen Tür stattfinden – und im Oktober ein Tag der Offenen Tür auf dem Campus.

ONETZ: Was wünschen Sie sich im nächsten Jahrzehnt für die OTH Regensburg?

Wolfgang Baier: Zunächst einmal ein rasches Ende der Pandemie und ihrer Auswirkungen auf das Campus-Leben. Und dann werden wir uns stark weiterentwickeln – etwa auf den Feldern der Digitalisierungskompetenz und der Künstlichen Intelligenz. Interdisziplinäre Zusammenarbeit wird noch wichtiger – dafür haben wir auf unserem gemeinsamen Campus dann perfekte Voraussetzungen.

Premiere: Förderpreis für junge Wissenschaftlerinnen

Amberg
Info:

Die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

  • Gegründet 1971 als Fachhochschule Regensburg für Technik, Wirtschaft und Sozialwesen.
  • Aktuell rund 11000 Studenten
  • Über 900 Mitarbeiter, darunter mehr als 230 Professoren.
  • Seit 2013 Ernennung zur Technische Hochschule (als eine von sieben bayerischen Fachhochschulen)
  • Seither fokussiert sich die OTH auf die Schwerpunkte: Energie und Mobilität, Information und Kommunikation, Lebenswissenschaften und Ethik, Produktion und Systeme sowie Gebäude und Infrastruktur.

 

 

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