15.02.2021 - 17:47 Uhr
PressathDeutschland & Welt

Regionalbuchmessen wichtiger als Leipzig oder Frankfurt

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Für die Buchbranche ist es 2020 dick gekommen – keine Lesungen, keine Messen und dazu über Wochen geschlossene Buchhandlungen. Auch fürs neue Jahr gibt es schon erste Dämpfer.

Eine Mitarbeiterin der Frankfurter Buchmesse an einem Buchstand in der Festhalle: Corona-bedingt gab’s 2020 eine Sonderausgabe der Buchmesse. In diesem Jahr ist die Messe für die erste Oktoberwoche geplant.
von Anke SchäferProfil

Die schlechten Nachrichten schlugen fast zeitgleich ins Kontor: Ähnlich wie bereits einige öffentlich-rechtliche Sender zuvor, plant der WDR die festen Buchrezensionen in der Sendung „WDR 3 Mosaik“ zu streichen. Und auch bei der Leipziger Buchmesse bleiben die Pforten das zweite Jahr in Folge geschlossen. Der lichtung verlag in Viechtach, der Battenberg Gietl Verlag Regenstauf und der Verlag Eckhard Bodner in Pressath sehen es differenziert:

Buchhändler und Verleger Eckhard Bodner aus Pressath

Soziale Medien und regionale Messen

Dass gerade das Feuilleton stark unter den Pandemie bedingten Einsparungen gelitten hat, beobachten Kristina Pöschl und Eva Bauernfeind vom lichtung verlag mit Sorge. Statt den verbleibenden Platz mit überregionalen Meldungen zu befüllen, fänden sie es wichtig, gerade jetzt den Fokus auf regionale Künstler und Kulturschaffende zu richten.

Allerdings sei die Streichung von Sendeplätzen für Rezensionen oder Besprechungen in Printmedien nicht allein mit Corona bedingten Problemen zu entschuldigen. „Letztlich leidet die Vielfalt der Kulturszene, wenn keiner mehr Platz hat für Bücher und Kultur jenseits des Mainstreams, wir schwimmen nur noch im Einheitsbrei“, so die Verlegerinnen.

Für die kleinen Verlage sei es daher wichtig, sich immer breiter aufzustellen und dabei auf die sozialen Medien zu setzen – auch wenn das den Aufwand für die Pressearbeit um ein Vielfaches erhöhe. Im Gegenzug lässt sich dort mit einer guten PR-Strategie punkten, was auf großen Messen schwierig ist: „Wir würden dort untergehen und ein Stand wäre außerdem recht teuer“.

Kleinere Branchentreffs wie die „RegensBuch“ oder die Regionalbuchmesse Sulzbach-Rosenberg vermissen Kristina Pöschl und Eva Bauernfeind dagegen schmerzlich. Ihre Neuerscheinungen versuchen sie nun so gut wie möglich auf digitalen Wegen wie eigenen Podcasts oder vielleicht demnächst Online-Lesungen vorzustellen. Auch das hauseigene „magazin lichtung“ spielt dabei nach wie vor eine wichtige Rolle.

Die Lust aufs Lesen und auf Kulturveranstaltungen sei da, so Pöschl und Bauernfeind. Sie befürchten jedoch, dass die jetzige Einsparung bei Kulturberichten in den Medien nicht mehr rückgängig gemacht wird - „und das wäre ein herber Einschnitt“.

Battenberg Gietl- Geschäftsführer Josef Roidl

Direkter Austausch mit Lesern „Gold wert“

Josef Roidl, Geschäftsführer des Battenberg Gietl Verlags, findet es ebenfalls sehr schade, dass die klassische Buchrezension immer mehr an Bedeutung verliert. Es gebe aber zum Glück viele andere Möglichkeiten, Bücher zu präsentieren, oft sogar mit einem Mehrwert für die Leser. Der Verleger, dessen Kerngeschäft Sachbücher wie Wanderführer, Kochbücher oder Bildbände sind, baut dabei auf „wirklich spannende Geschichten und interessante Köpfe, die hinter vielen Büchern stecken und von engagierten Redakteuren gerne aufgegriffen werden“.

Die lichtung-Verlegerinnen Eva Bauernfeind (links) und Kristina Pöschl (rechts).
Hintergrund:

Buchmessen in Frankfurt und Leipzig

  • Frankfurt: größte Buchmesse der Welt, 1949 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegründet, über 7500 Aussteller, über 300.000 Besucher, soll vom 20.-24. Oktober 2021 stattfinden
  • Leipzig: zweitgrößte Buchmesse Deutschlands, über 2500 Aussteller, über 280000 Besucher, für 2021 bereits abgesagt

Gerade diese Geschichten hinter dem Buch bleiben bei den Lesern ohnehin oft besser im Gedächtnis, so Roidl. Eine große Rolle neben Anzeigenwerbung und Presseberichten spielt für sein Haus die Präsenz und vor allem die persönliche Beratung im Buchhandel. Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Verlag und Buchhandel sowie die Kooperation bei Veranstaltungen sei dafür unerlässlich.

Die Absage der Leipziger Buchmesse berührt den in erster Linie in Niederbayern, Oberbayern und der Oberpfalz aktiven Regionalverlag weniger. Wie die lichtung-Kolleginnen bedauert auch Roidl vielmehr, dass die kleinen regionalen Buchmessen nicht stattfinden können: „Dort kommen wir direkt mit unseren Lesern in Kontakt und dieser persönliche Austausch ist Gold wert und nicht durch digitale Formate zu ersetzen“.

Nach den Chancen auf eine Frankfurter Buchmesse 2021 gefragt, äußert sich der Verleger vorsichtig: „Es wäre natürlich wünschenswert, dass im Herbst wieder Normalität einkehrt, zumal dann das Weihnachtsgeschäft vor der Tür steht. Aber wer mag das schon vorhersehen?“. Bei Battenberg Gietl sei man jedenfalls optimistisch.

Rezensionen für Bücher wie Wasser für Fische

Eckhard Bodner, Verleger und Buchhändler in Personalunion, erlebt die essentielle Bedeutung von Präsentationen in Radio, Fernsehen und Presse im täglichen Geschäft: Eine Buchbesprechung in den Medien löse unmittelbar den Eingang von Bestellungen aus. Wie groß die Nachfrage ist, könne man daran erkennen, dass in der Regel die Lagerbestände der Barsortimente, die für die kurzfristige Belieferung zuständig sind, sofort ausverkauft sind.

Mit seinem kleinen Verlag für Regionalliteratur sei er allerdings selten in der Situation, dass seine Bücher in Rundfunk oder Fernsehen vorgestellt werden. Selbst um Buchbesprechungen in der Presse müsse er hart kämpfen. „Privatpersonen, die ihren ersten Krimi, Fantasy-Roman oder Lebenserinnerungen verfasst haben, tun sich da wesentlich leichter“, so Bodner.

Für den Buchmarkt insgesamt sei der Verzicht auf Rezensionen fatal. „Bücher brauchen die Präsenz in den Medien wie Fische das Wasser. Diese Sendungen bedeuten ja auch eine gewisse Wertschätzung für das Kulturgut Buch und die Bedeutung des Lesens“, findet der Pressather Verleger.

Der Auftritt bei großen Messen wie in Leipzig oder Frankfurt sei für einen kleinen Regionalverlag unbezahlbar und zudem unsinnig. Bodners Ansprechpartner sind vielmehr die Buchhändler von Hof bis Regensburg und von Pegnitz bis Cham. Für die Endkunden benötige er eine gute Homepage und Präsenz in der Regionalpresse, in Sachen Facebook und WhatsApp gebe es für ihn noch Ausbaubedarf.

Die Frankfurter Buchmesse sieht er übrigens noch lange nicht in „trockenen Tüchern“. Es werde wohl noch etwas dauern, bis sich alles wieder einpendelt. „Aber die Menschen besinnen sich wieder auf das Lesen und das stimmt mich optimistisch“.

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