Polizei: Kein stärkeres Nazi-Engagement in Ostbayern

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Rechtsradikale wollen einen Gasthof in Hohenberg kaufen: Am Tag nach Bekanntwerden bereitet diese Nachricht Sorge. Während Stadtrat und Bürgermeister Widerstand gegen den Kauf ankündigen, wundert sich die Polizei über Ungereimtheiten.

Wer kauft diesen leerstehenden Gasthof`? Wenn es nach den Stadtverantwortlichen geht nicht der "Dritte Weg".
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Bürgermeister und Stadtrat von Hohenberg an der Eger wollen unbedingt verhindern, dass Rechtsradikale den Gasthof "Ritterschenke" in der Stadt im Landkreis Wunsiedel kaufen. Nachdem die Nachricht am Mittwoch bekannt geworden war, begann am Donnerstag die Koordinierung der Gegenmaßnahmen. Unter anderem war von einer Sondersitzung des Stadtrats die Rede.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) kündigte bereits an, Kontakt mit dem Immobilienbesitzer aufnehmen zu wollen, um mit ihm Alternativen zu überprüfen. Möglicherweise werde die Stadt auch ein Vorkaufsrecht für die Immobilie ziehen, bei Bedarf soll es schon bald eine Sondersitzung des Stadtrats zu diesem Thema geben. Auch Landrat Peter Berek (CSU) stellte sich hinter die Verantwortlichen der Stadt: Ein Kauf des Gasthauses durch die Nazi-Partei "Der Dritte Weg" müsse verhindert werden.

Ob es überhaupt zu diesem Kauf kommen würde, daran hat Peter Peschel so seine Zweifel. Der Leiter der Abteilung Staatsschutz bei der Kripo in Hof erkennt jedenfalls einige Widersprüche. Das beginnt bereits beim Kaufpreis: Knapp 200 000 Euro soll der Gasthof in Hohenberg kosten. Ein Betrag über den die Splitter-Partei bislang nie verfügt habe. "Es kann schon sein, dass 'Der Dritte Weg' Interesse hat. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Partei auch die Mittel hat", sagt Experte Peschel. Hinzu komme: Seit "Dritter Weg"-Aktivist Tony Gentsch von Oberfranken nach Sachsen gezogen ist, sei es um die rechtsradikale Szene in der Region sehr ruhig geworden. "Eigentlich gibt es eine solche Szene in Hochfranken derzeit gar nicht", sagt Peschel. Dass der "Dritte Weg" das ändern will und sich deshalb stärker in Nordostbayern engagiert, könne er aus Sicht der Polizei ebenfalls nicht bestätigen.

Trotzdem haben sich die Parteikader zumindest in der Vergangenheit sehr wohl für die Immobilie interessiert. Vor einigen Wochen ist der Plauener Stadtrat Tony Gentsch mit einem Begleiter zur Besichtigung der Gebäudes in der Schirndinger Straße ganz in der Nähe einer Jugendherberge gesehen worden. Unklar ist dabei allerdings, inwieweit die Rechtsextremen sich und ihre Gesinnung bei dem Termin in Hohenberg zu erkennen gegeben haben.

Hohenberg an der Eger
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