19.05.2021 - 18:04 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Wirtschaft: Das sind die wichtigsten Verkehrsprojekte in der Oberpfalz

Ausbau der B85, Elektrifizierung von Regensburg–Hof, Ausbau der Bahnstrecke Nürnberg–Amberg–Schwandorf: Die IHK Oberpfalz präsentiert ihre wichtigsten Verkehrsprojekte in der Region. Was das für Autofahrer und Bahnfahrer bedeuten könnte.

Die B 85 bei Kreith (Kreis Schwandorf). Die Straße soll zwischen Amberg und Cham vierspurig ausgebaut werden, wenn es nach der IHK geht.
von Julian Trager Kontakt Profil

Staus auf der Autobahn, überlastete Datenleitungen oder überfüllte Containerterminals: Die Verkehrsprobleme in der Oberpfalz werden nach der Coronakrise nicht weniger – davon geht die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim aus. „Mobilität ist ein langfristiges Thema, wir und die Politik müssen die Zeit nach Corona heute schon auf die richtigen Gleise stellen“, sagte IHK-Präsident Michael Matt bei der Vorstellung des IHK-Verkehrsleitbilds, in dem die regionale Wirtschaft die aus ihrer Sicht wichtigsten Verkehrsprojekte für die Region nennt.

Passende Rahmenbedingungen, so Matt, seien für die Wirtschaft heute wichtiger denn je. „Unser Ziel ist eine nachhaltige Verkehrswende, welche die regionale Mobilität und Logistik erhält und bedarfsgerecht ausbaut“, so Matt. „Nur Regionen, welche die Verkehrswende meistern, bleiben international wettbewerbsfähig.“ Die Infrastruktur für Verkehr und Mobilität müsse weiter verbessert werden.

Region Amberg-Sulzbach

"Wir müssen dringend die Lade-Infrastruktur für E-Autos in unserem Wirtschaftsraum ausbauen und verbessern", meint Markus Frauendorfer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Amberg-Sulzbach. Wirklich attraktiv werde E-Mobilität aber nur, wenn sie überregional gute Voraussetzungen vorfinde. Zudem müsse die B85 ausgebaut werden. „Die B85 ist für unsere Region eine wirtschaftliche Entwicklungsachse, die weiter gestärkt werden muss."

Die B85, so heißt es im Leitbild, ist eine wichtige Verkehrsachse zur Anbindung der au­tobahnfernen Wirtschaftszentren Cham und Roding sowie eine wichtige Quer­verbindung zwischen Autobahnen und Bundesstraßen. "Der Anteil am Schwerlastverkehr ist heute bereits überproportio­nal hoch, weshalb Überholbereiche oft nicht genutzt werden können", schreibt die IHK. Das führe immer wieder zu schweren Unfällen. Ein durchgehend vierspuriger Ausbau der B85 – von der A6 bei Amberg über die A93 bei Schwandorf und die B16 bei Ro­ding bis zu den Bundesstraßen B20 und B85 bei Cham – sei daher "dringend notwendig".

Region Nordoberpfalz

Die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Regensburg und Hof sieht IHK-Gremiumsvorsitzender Bernd Fürbringer als einen wichtigen nächsten Schritt zur Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Nordoberpfalz: „Wir kämpfen seit Jahren für die Umsetzung dieser wichtigen Maßnahme. Anders als andere sind wir dabei nicht nur Nutznießer sondern auch Betroffene. Für unsere Wirtschaftsbetriebe dominieren die Vorteile aber klar.“

Weil die Strecke von Regensburg nach Hof nicht elektrifiziert ist, wird sie aktuell kaum durch Güterverkehre befahren – da hier hohe betriebswirtschaftliche Kosten und Zeitverluste wegen nötiger Traktionswechsel anfallen, schreibt die IHK in ihrem Leitbild. "Um den Einsatz von leistungsfähigen E-Loks zu ermöglichen, ist die Elektrifizierung im Abschnitt Hof–Regensburg unbedingt und dringend erforderlich."

Zudem sei der 5G-Ausbau zentral, wenn die Nordoberpfalz weiter zukunfts- und wettbewerbsfähig sein möchte, meint Fürbringer. Denn ob auch der ländliche Raum von der Veränderung der Mobilität profitieren könne, entscheide sich nicht zuletzt mit der passenden Infrastruktur. „Für zukünftige Entwicklungen werden wir auf 5G angewiesen sein“, so der IHK-Gremiumsvorsitzende.

Region Schwandorf

Für viele Betriebe im Landkreis Schwandorf ist die Schiene ein wichtiger Standortvorteil. „Der Ausbau der Metropolenbahn nach Prag oder die Elektrifizierung zwischen Regensburg und Hof würden uns eine ganz neue Qualität an Zugverbindungen ermöglichen“, erklärt Hubert Döpfer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Schwandorf.

Die Verbesserung der grenzüberschreitenden Schienenstrecke nach Pilsen und Prag – die sogenannte Metropolenbahn – hat laut IHK eine große Bedeutung für die Vernetzung der Wirtschaftsräume Bayerns und Tschechiens. "Die Schienenverbindung von und nach Tschechien muss dringend verbessert werden, um dieser hohen Bedeutung gerecht zu werden", heißt es im Leitbild. Der Wirtschaftsraum Pilsen sei ein wichtiger Partner für Ostbayern. Der durchgehend zweigleisige und elektrifizierte Ausbau von München über Regensburg, Schwandorf und Furth i. W. nach Pilsen und Prag sowie von Nürnberg über Amberg nach Schwandorf ermögliche deutliche kürzere Fahrzeiten und Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h.

Freilich ist auch für die Schwandorfer Region der Ausbau der B85 in Richtung Amberg und Cham wichtig.

Region Regensburg

Die größten Probleme im Großraum Regensburg liegen laut IHK auf der Straße. Neben dem Pfaffensteiner Tunnel seien dies die Brücken und vor allem die nahen Autobahnen. Die A3 müsse sechsspurig ausgebaut werden. Zwischen der Anschlussstelle Rosenhof und dem Autobahnkreuz Regensburg wird das bereits getan. Im Leitbild fordert die regionale Wirtschaft, dass die A3 auch von diesen Autobahnkreuz bis zur Anschlussstelle Nittendorf sechsspurig ausgebaut werden soll.

Mit der Reaktivierung des Bahnhalts Walhallastraße – auf der Strecke Schwandorf–Regensburg – im Norden der Domstadt erhoffen sich die Wirtschaftsvertreter ebenfalls Verbesserungen, genau wie vom Bau zusätzlicher Gleise zwischen Regensburg und Obertraubling.

Region Cham

Weil der Landkreis Cham keine direkten Autobahnanschluss hat, haben die Bundesstraßen dort naturgemäß eine große Bedeutung. „Die B85 ist für uns eine wichtige Entwicklungsachse. An ihr reihen sich große Arbeitgeber und Know-how-Träger“, erklärt Gremiumsvorsitzender Alois Plößl. „Der schnellste Weg zu unseren Beschaffungs- und Absatzmärkten führt fast immer über eine der Bundesstraßen. Deshalb brauchen wir bedarfsgerechte Ausbaumaßnahmen entlang der B16, der B20 und der B85“, so Plößl.

Region Neumarkt

„Wir leben in einer Zeit, die von gesellschaftlichem und technologischem Wandel geprägt ist“, sagt die Neumarkter IHK-Vorsitzende Ursula Hammerbacher. Für den ÖPNV im ländlichen Raum sieht sie dadurch enorme Chancen: „Es braucht eine intelligente Verknüpfung von Verkehrsmitteln und -modellen, um den ÖPNV attraktiver zu gestalten und als echte Alternative zum eigenen Auto zu positionieren. Klassische Buslinien haben nicht ausgedient, sie sind nur nicht immer das passende Mittel der Wahl.“

Sanierungsbedürftige Straßen in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Hier kracht es in der Oberpfalz am öftesten

Amberg
Info:

Die Forderungen der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim

  • Flächendeckender Ausbau von 5G
  • Mehr und bessere Schienenverbindungen
  • Mehr Binnenschifffahrt
  • Innovative Antriebe und Mobilitätsformen für Individualverkehr und ÖPNV
  • Flächendeckend Ladepunkte für E-Mobilität
  • Attraktive und sicher Wegenetze für Radler

 

 

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