19.10.2020 - 16:18 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Nein zu Weihnachtsmarkt, Nikolaus und Halloween? Das sagen Ärzte

Der Winter und viele Veranstaltungen zur Weihnachtszeit machen eine Übertragung des Coronavirus leichter. Welche Schutzmaßnahmen sind denkbar? Worauf müssen wir verzichten? Das sagen Mediziner zu den drängendsten Fragen.

Ob es solche Bilder auch auf dem Weidener Weihnachtsmarkt 2020 gibt? Die Veranstaltungen der Winterzeit halten wegen der Corona-Pandemie einige organisatorische Herausforderungen bereit.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Die Corona-Fallzahlen steigen wieder deutlich an. Gleichzeitig wird es kühler, die Gefahr einer Virusinfektion nimmt im Winter in der Regel zu. Auch in diesem Jahr? Können dann Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte oder Umzüge stattfinden? Und fällt der Besuch des Nikolaus heuer aus? Klare Vorgaben gibt es nicht, vieles hängt von der Tragfähigkeit der Hygienekonzepte und dem Planungswillen der Organisatoren ab.

Steigt die Infektionsgefahr, je winterlicher es wird?

Grundsätzlich besteht ein Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und Jahreszeit. Erkältungen werden wahrscheinlicher. Die Gefahr der Virusübertragung nimmt vor allem deshalb zu, weil wir uns häufiger in Innenräumen aufhalten. "Auf engerem Raum passieren Übertragungen von Erregern deutlich leichter", sagt der Sulzbach-Rosenberger Impfarzt Martin Pöllath. Das gelte auch für das Coronavirus. Gerade die Gefahr einer Übertragung durch Aerosole, kleinster Partikel aus Spucke und Lungensekret, gilt es zu beachten. Im Gegensatz zu den Tröpfchen verbleiben Aerosole deutlich länger in der Luft, in geschlossenen Räumen ist das problematisch, da sich die Teilchen nicht verflüchtigen können. Aber: "Wir haben mittlerweile eine sehr kluge Hygiene-Strategie, an die sich die meisten auch halten", glaubt Pöllath. "Ich hoffe außerdem, dass die Erkältungswelle in diesem Winter schwächer ausgeprägt sein wird. Wir haben schließlich noch nie zuvor so sehr auf Hygiene und Sauberkeit geachtet wie jetzt."

Kann es in diesem Corona-Winter Weihnachtsmärkte geben?

Das Allerwichtigste: Ein Verbot für Weihnachtsmärkte wird es kaum geben. Stattdessen laufen überall in der Oberpfalz derzeit Planungen für die Märkte unter Corona-Bedingungen. Diese Planung sei auch notwendig, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Anfang September. Grundsätzlich hält er Weihnachtsmärkte für realistisch, solange es das regionale Infektionsgeschehen zulasse. Um den Abstand von 1,5 Metern zu gewährleisten, seien etwa einheitliche Laufwege mit Ein- und Ausgang notwendig. Auch Pöllath glaubt fest an Weihnachtsmärkte in 2020: "Konzept erarbeiten, Abstand halten und Maske tragen, dann bin ich absolut dafür. Man sollte jetzt nicht unangemessen reagieren. Aus meiner Sicht ist das Risiko hier kalkulierbar."

Den Weg der Stadt Nürnberg, den Christkindlesmarkt auf mehrere Plätze in der Stadt zu verteilen, hält er für richtig. "Je größer der Raum, desto leichter lässt sich Abstand halten." Die Besuchermasse auf diese Art zu entzerren, ist etwa auf den Weihnachtsmärkten in Guteneck (Kreis Schwandorf) und Amberg das Ziel. Brisanz birgt auch die Überlegung einiger Betreiber, die Besucherzahl zu begrenzen und die Märkte einzuzäunen. Ob diese Maßnahme zur Pflicht wird, ist noch nicht entschieden.

Kommentar: Florian Bindl wünscht sich mehr Gelassenheit

Weiden in der Oberpfalz

Wird es auf Weihnachtsmärkten Alkohol zu kaufen geben?

Ein Weihnachtsmarkt ohne Glühwein? Schwer vorstellbar. So weit wird es aber wohl nicht kommen. Betreiber planen aber Regeln, um die Infektionsgefahr zu minimieren. Markus Söder spricht sich für "weniger Alkohol" auf den Märkten aus. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger (Universität Regensburg), warnt ebenfalls: Alkohol könne auch enthemmen und zu höherer Lautstärke mit Tröpfchenauswurf führen. Sein Fazit: lieber keinen Alkohol. Die Entscheidung, ob und unter welchen Bedingungen Alkohol ausgeschenkt wird, obliegt schlussendlich dem jeweiligen Veranstalter, solange es kein grundsätzliches Verbot gibt.

Müssen Halloween und Nikolausbesuche ausfallen?

Hier hält Pöllath Einschränkungen für notwendig. "Darauf kann man aus meiner Sicht am ehesten verzichten." Wenn überhaupt, dann müssten die Besuche ausschließlich im Freien stattfinden und der Mindestabstand gewährleistet sein. Da die Infektionsgefahr in Innenräumen bedeutend größer ist, stelle etwa ein Nikolaus, der mehrere Wohnungen besucht, ein Risiko dar. An der Disziplin der Kinder, so Pöllath, würde etwa Halloween aber nicht scheitern. "Gerade Kinde halten sich derzeit brav an die Vorschriften, es ist enorm, was da geschieht." Fraglich ist eher, wie viele Haustüren sich heuer bei "Süßes oder Saures" öffnen.

In den Oberpfälzer US-Siedlungen fällt Halloween aus

Grafenwöhr

Reicht eine Halloween-Verkleidung oder ein Nikolausbart als Gesichtsmaske aus?

Grundsätzlich verhindere alles, was eine Barriere vor dem Mund darstellt, dass sich Tröpfchen oder Aerosole in der Luft verteilen, sagt Pöllath. "Das gilt bis zu einem gewissen Grade auch für eine Verkleidung." In Tests würde eine Halloween-Maske aber wohl schlechter abschneiden als eine medizinische FFP2-Maske.

Kann ein Umzug zu St. Martin stattfinden?

"Das würde ich auf jeden Fall machen", meint Pöllath. Erstens finde die Veranstaltung nur draußen statt, zweitens sei die Abstandsregel problemlos einzuhalten. "Auch hier rate ich wieder zu mehr Gelassenheit." Die Realität sieht dagegen anders aus. mehr und mehr Kirchengemeinden und Kindergärten wollen entweder ganz auf den Umzug verzichten oder den Rahmen deutlich verkleinern. Das bedeutet teils private Umzüge mit den Eltern oder intern im Kindergarten. Als problematisch gilt auch, dass das süße Martins-Gebäck an die Kinder verteilt werden müsste und das mit dem gebotenen Abstand schwer umsetzbar sei.

Vielerorts findet St. Martin in diesem Jahr ohne Umzug statt

Weiden in der Oberpfalz

Dürfen die Kinder beim Martinszug singen?

Ist dann, ob intern oder öffentlich, auch Schluss mit "Ich geh' mit meiner Laterne"? Beim Singen werden Tröpfchen mit höherer Dynamik und Windkraft ausgestoßen. An ihrer Anzahl gemessen, steigt die Menge ausgestoßener Aerosole beim Singen und Schreien auf das Fünfzigfache des normalen Atmens an. Die Infektionsgefahr nimmt zu. Ein unlösbares Problem sieht Pöllath darin aber nicht. "Dann hält man eben mehr Abstand." Zumindest für Chöre gilt in Bayern: Die Sängerinnen und Sänger müssen einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten und sollen möglichst in die selbe Richtung singen. Ansingen oder gar anbrüllen solle man sich derzeit lieber nicht, sagt auch Salzberger.

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