20.03.2021 - 09:33 Uhr
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Die Tote aus dem Brunnenschacht - Der Fall Christa Mirthes

Der bestialische Mord an der 15-jährigen Christa Mirthes erschütterte 1978 die Stadt Schwandorf. Spielende Kinder fanden ihre Leiche in einem Brunnenschacht. Warum musste das Mädchen sterben?

von Mareike Schwab Kontakt Profil

Verlassene Zimmer, knarzende Türen, ein zugewucherter Hinterhof: Das alte, verfallene Metzgerhaus in der Klosterstraße 30, mitten in der Schwandorfer Innenstadt, war ein wahrer Abenteuerspielplatz für die Kinder der Stadt. Am 16. Juni 1978 spielten ebendort der zehnjährige Thomas und sein elfjähriger Freund Ewald. Bei ihrer Erkundungstour durch den Hinterhof des Hauses stießen sie auf einen alten Brunnenschacht. Ein übler Gestank schlug ihnen schon von weitem entgegen, Fliegen tummelten sich um den Schacht. Neugierig öffneten die Buben die Abdeckung und erschraken. Eine helle Hand ragte ihnen aus der dunklen Öffnung entgegen. Die Kinder hielten ihre Entdeckung zunächst für eine Schaufensterpuppe.

Thomas und Ewald riefen einen Nachbarn herbei. Er erkannte sofort: Was da im Brunnen lag, war keine Puppe. Es war die Leiche einer jungen, unbekleideten Frau.

Wer war die unbekannte Tote? Wie kam sie ums Leben? Fragen, auf die es erst einen Tag später eine Antwort gab.

Zunächst musste die Leiche der jungen Frau, die in gekrümmter Körperhaltung in dem Brunnenschacht lag, geborgen werden. Der Journalist Wolfgang Houschka beschrieb die Szene am Fundort in seinem Artikel für den neuen Tag sehr ausführlich (Ausgabe 19. Juni 1978). Eimerweise wurde Erde aus dem vier Meter tiefen, schmalen Schacht gezogen. Dabei kamen ein Paar grüne Schuhe, ein Feuerzeug und ein Paar Frottesocken zum Vorschein. Die ganze Zeit schlug ihnen ein Geruch entgegen, der den Polizisten schwer zu schaffen machte. "Es war wie eine Gruft", sagte der Kriopchef Georg Blank damals dem Journalisten. Die Helfer des THW Schwandorf mussten aufgrund des Verwesungsgeruch sogar Gasmasken tragen. Gegen Abend konnten sie schließlich die stark verweste Leiche bergen. Um den Hals trug die junge Frau ein Medaillon, in das auf der Rückseite der Name "Peter" eingraviert war.

Vor dem verfallenen Haus fanden die Beamten die Velourlederjacke der jungen Frau. Bis kurz vor Mitternacht suchten 18 Beamte der Amberger Kriminalpolizei das Grundstück weiter auf Hinweise zur Identität der Leiche ab. Erst der Hinweis einer Schwandorferin am nächsten Tag machte die Beamten auf eine seit 17. Januar 1978 vermisste 15-Jährige aufmerksam. Die Mutter der Vermissten konnte die Leiche schließlich anhand der Halskette und der Kleidung identifizieren. Die Beamten hatten nun Gewissheit: Bei der Toten handelte es sich um die 15-jährige Christa Mirthes.

Christas Leiche wurde im Amberger Bundeswehrkrankenhaus von Spezialisten der Erlanger Gerichtsmedizin obduziert: Das Mädchen war zweifelsfrei einem Sexualmörder zum Opfer gefallen. Die 15-Jährige wurde bestialisch ermordet. Sie hatte zahlreiche Schnitt- und Stichverletzungen am ganzen Körper, ihre Zähne wurden ausgeschlagen und die Brustwarzen wurden ihr abgetrennt. Der fortgeschrittene Verwesungszustand der Leiche deutete darauf hin, dass Christa Mirthes schon länger tot in dem Brunnenschacht gelegen hatte.

Wer ist der Mörder?

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei liefen seit dem Fund auf Hochtouren. Noch am 16. Juni 1978 wurde die Soko "Mirthes" gebildet. Die Bergung der Leiche zog viele Schaulustige an. Rasch kursierten zahlreiche Gerüchte um die Tote, denen die Beamten nachgehen mussten. Die Polizei suchte das alte Haus akribisch nach Hinweisen ab, befragte Bekannte und Verwandte von Christa und ging Aussagen der Nachbarn nach. Sie baten auch die Bürger von Schwandorf über die Presse um Mithilfe. Die umfangreichen Ermittlungen führten die Polizei schließlich ins Rotlichtmilieu.

Für die Beamten stand fest: Der Mörder muss das alte Haus in der Schwandorfer Innenstadt gekannt haben. Er deckte sein Opfer nur notdürftig mit Erde und Gerümpel zu, wohlwissend, dass niemand in den alten Brunnen schauen würde.

Wie ging es weiter?

In der ersten Folge des Podcast "Tödliche Oberpfalz" sprechen Sebastian Böhm und Vanessa Lutz über diesen Fall. Wer war Christa Mirthes? Wie gingen die Ermittlungen weiter? Was hat ein Franke mit dem Fall zu tun? Diese Fragen stellen sie dem damaligen Ermittler Alfred Reindl und dem Journalisten Wolfgang Houschka. Die Experten erinnern sich noch genau an den Tag des Leichenfunds, an den Ablauf und an die Schwierigkeiten während der Ermittlungen. Klar wird: Der Fall lässt sie bis heute nicht los.

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Info:

Christa Mirthes

Die Kriminalpolizei bat damals die Bevölkerung um Hilfe. In ihrem Aufruf im Neuen Tag beschreiben sie Christa Mirthes wie folgt:

Sie glich im Aussehen einer 18-Jährigen, war 1,56 cm groß und hatte eine ovale Kopfform. Sie hatte dichtes, braunes, nackenlanges Haar. Sie hatte Kinngrübchen, eine hohe Stirn, grüne Augen, schräg nach oben verlaufene Augenbrauen und eine kleine und geradlinige Nase. Ihr Gang war aufrecht. Sie hatte einen schmalen Mund und an der rechten Kinnseite ein Muttermal. Christa Mirthes trug vergoldete Ohrringe in der Größe eines Zehnpfennigstücks und sie sprach oberpfälzischen Dialekt. Die 15-Jährige wurde immer wieder als auffallend hübsch beschrieben.

 

 

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