10.03.2021 - 17:59 Uhr
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Oberpfälzer Hausärzte: Wir könnten das Impf-Thema in zwei Monaten erledigen

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Die Hausärzte sind bereit: Sie könnten sofort mit den Corona-Impfungen loslegen, hätten die Erfahrung und würden ihre Patienten bestens kennen. Mit ihrer Hilfe könnte das Thema in zwei Monaten erledigt sein – wenn die Politik mitspielt.

Bald Praxis? Im Rahmen eines Pilotprojekts impft eine Hausärztin in Naila (Landkreis Hof) eine Patientin.
von Julian Trager Kontakt Profil

Der von Gesundheitsminister Klaus Holetschek vor Wochen versprochene "Impfturbo", er könnte nun doch bald zünden – wenn endlich auch die Hausärzte gegen Corona impfen dürfen. Davon sind Oberpfälzer Hausärzte überzeugt. "Wir haben die Erfahrung, wir impfen jeden Herbst in einem Monat 20 Millionen Menschen in Deutschland gegen die Grippe", sagt Dr. Bertold von Lindenfels, Allgemeinmediziner in Erbendorf (Kreis Tirschenreuth) und schiebt sofort hinterher: "Wir machen das nebenbei, ohne uns jedes Jahr als die Helden der Nation feiern zu lassen." Das sei eben die Aufgabe der Hausärzte, "das ist unser täglich Brot." Die Arbeit sei ja nicht anders als beim Grippeschutz. "Das ganze Impfthema könnten wir so in ein bis zwei Monaten erledigen", sagt von Lindenfels. "Wir könnten sofort loslegen, wenn es Impfstoff gibt."

Am Mittwoch wurde bekannt, dass noch einmal 100.000 zusätzliche Impfdosen in die Hotspots der Grenzregion zu Tschechien geliefert werden. Die neuen Extra-Dosen kommen von der EU. Bleibt nur noch die Frage, ob und wann die Hausärzte mit dem Impfen starten können. Kanzlerin Angela Merkel will laut einem Regierungssprecher "zeitnah" mit den Länderchefs darüber sprechen. Der Bayerische Hausärzteverband fordert schon seit mehr als einer Woche, dass Hausarztpraxen schnell und unbürokratisch der zentrale Ort des Covid-19-Impfprogramms werden.

Sorge vor zu viel Bürokratie

Dr. von Lindenfels aus Erbendorf sorgt sich ebenfalls vor zu viel Bürokratie, die den Hausärzten aufgebürdet werden könnte. "Dann sollten wir das ablehnen", sagt er. Erfahrungen aus Pilotpraxen – eigene neue Software, Arzthelferinnen müssten extra ausgebildet werden – würden ihn abschrecken. "So kommen wir nicht weiter." Einfach Meldelisten würden reichen.

Dass die Impfreihenfolge in der Grenz-Hotspot-Region aufgelockert werden soll, wie Holetschek am Mittwoch bekannt gab, findet der Erbendorfer Hausarzt dagegen nicht so verkehrt. "Das sture Festhalten an Priorisierungen ist schlecht, das steht dem in Wege, dass wir möglichst rasch die ganze Bevölkerung impfen." Die Gesundheitsämter könnten ja weiter ihre strenge Linie fahren, die Hausärzte könnten flexibler arbeiten. "Wir kennen ja unsere Patienten", sagt von Lindenfels. "Natürlich kämen etwa die Herzpatienten, die Diabetiker, die Asthmatiker zuerst dran, gar keine Frage." Das Ziel müsse aber sein: Möglichst schnell, möglichst viele.

Leute vertrauen Hausärzten

Der Erbendorfer sieht noch einen weiteren großen Vorteil bei den Hausärzten. "Wir können natürlich ganz anders Einfluss nehmen auf die Leute", meint er. Alleine am Mittwochvormittag hätten fünf seiner Patienten Bedenken wegen der Corona-Impfstoffe geäußert. "Da kann ich das Vertrauen in die Impfungen stärken", sagt von Lindenfels. Die Corona-Impfstoffe hätten auch keine anderen Nebenwirkungen als die anderen Impfstoffe.

Auch Dr. Josef Eiletz wird täglich mit den Sorgen und Ängsten seiner Patienten konfrontiert. "Die Leute denken ja, sie würden sich mit dem Impfstoff etwas ganz Schlimmes antun", sagt der Hausarzt, der seine Praxis in Ensdorf (Kreis Amberg-Sulzbach) hat. Die Hausärzte könnten bessere Überzeugungsarbeit leisten, die Verunsicherung nehmen. "Viele meine Patienten sagen, dass sie gerne warten würden, bis ich sie impfen kann", sagt Eiletz, der vor kurzem erst selbst an Covid erkrankte. "Zum Glück war es bei mir ein milder Verlauf."

"Politik nutzt Potenzial nicht"

Es wäre äußerst wichtig, wenn die Hausärzte auch impfen dürften, meint der Arzt. Es wäre eine große Chance. "Wir könnten sofort loslegen, brauchen nichts lernen. Wir stehen in den Startlöchern." Aber die Politik wollte bisher keine Hilfe. "Wir haben keine Impfstoffe, wir wissen nichts, werde nur durch die Zeitung informiert", kritisiert Eiletz. "Die Politik hat die Hausärzte bis jetzt außen vor gelassen und das Potenzial nicht genutzt."

Dürfte er impfen, würde der Ensdorfer Hausarzt gerne individuell vorgehen, "nach Gefährdungspotenzial", sagt er. "Wir können das ganz gut einschätzen, kennen die Vorgeschichten der Patienten, ihre Allergien." Und man sei flexibler bei den Terminen. "Wenn wir Impfstoff hätten, würde ich Tag und Nacht impfen", sagt Eiletz. "Das Zeug muss unter die Leute."

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