24.09.2021 - 16:02 Uhr
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Club-Betreiber kurz vor Öffnung zwischen Vorfreude und Sorge

Es bleibt dabei: Ab Oktober darf in Clubs und Diskotheken wieder getanzt werden. Das bestätigte Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag. Bis jetzt ist die Planung für die Clubbesitzer eher schwierig, die Vorfreude jedoch groß.

Inhaber Daniel Zienert steht am DJ-Pult im Hashtag Weiden. Die Tanzfläche ist leer. Doch das wird bald wieder anders aussehen. Denn ab Oktober dürfen die Clubs endlich öffnen.
von Celina Rieß Kontakt Profil

Nach langer Corona-Zwangspause dürfen Clubs und Discotheken in Bayern wie von der Staatsregierung angekündigt ab Oktober wieder öffnen. "Es bleibt dabei: Wir werden die Öffnung von Clubs und Diskotheken zum Oktober dann erlauben", bekräftigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Anfang der Woche, was er zuvor im Redaktionsgespräch bei Oberpfalz-Medien erklärt hatte. Einlass sollen nur Geimpfte und Genesene bekommen. Alternativ ist ein negativer PCR-Test vorzuweisen.

Formal soll das in der Kabinettssitzung am kommenden Donnerstag beschlossen werden. "Kann sich jeder drauf einstellen", sagte Söder. Derzeit würden noch die Hygiene-Leitfäden erarbeitet. Das meldet die dpa am Mittwoch. Um sich darauf wirklich einzustellen, bleibt den Betreibern allerdings kaum Zeit?

Vorfreude trotz Ungewissheit

Denn die Oberpfälzer Clubbesitzer bereiten die baldige Öffnung zwar vor. Allerdings gestaltet sich die Planung nicht einfach. Nur noch eine Woche, aber keiner weiß, was möglich sein wird, erklärt der Inhaber des Hashtag Weiden, Daniel Zienert. Er tausche sich mit Kollegen aus - von der Personalplanung bis zum Veranstaltung erstellen. "Nach wie vor hängen wir alle in den Seilen." Dennoch geht Zienert fest davon aus, dass er ab 1. Oktober wieder öffnet. Wir stehen in den Startlöchern."

Auch der stellvertretende Geschäftsführer des Happy Rock in Sulzbach-Rosenberg, Thomas Walch, wartet gebannt auf Vorgaben: "Planungstechnisch ist noch nicht alles unter Dach und Fach, weil wir uns natürlich an die Regeln halten, die dann aktuell sind." Wie genau die Clubbesuche stattfinden können, weiß bisher keiner. Im Redaktionsgespräch bei Oberpfalz-Medien versprach Söder, dass es "auf der Tanzfläche" keine Maskenpflicht geben werde, weil das "kontraproduktiv" wäre. Ansonsten gibt es wenig Gewissheit und viele Gerüchte. Es sei im Gespräch, Söder wolle sich an Baden-Württemberg orientieren. Dort dürfe in Clubs mit Lüftungsanlage mit einhundertprozentiger Auslastung gefeiert werden.

Probleme mache zudem die Personalplanung, sagt Zienert. "Nach eineinhalb Jahren machen viele jetzt etwas anderes. Ich frage an, aber die Leute wollen natürlich Sicherheit." Die sei allerdings gar nicht so leicht zu bieten, denn die Clubs können nur aufbleiben, solange es die Pandemielage erlaubt. Und man wisse nie, wie lange das der Fall ist. Deshalb sei es schwierig, Leute zu finden. Vor allem, weil man noch gar nichts weißt, sagt Zienert. Die Planung wäre einfacher, wenn es schon Regeln zur Orientierung gäbe.

Thomas Walch stimmt dem zu. Er hat bereits eine Personalliste für den Startschuss, aber die finale Planung beginnt erst, wenn die Verordnung da ist. "Wir haben ja auch vier Bars und ich weiß noch nicht, ob ich dann alle öffne oder nur drei von vier." Ein Re-Opening Wochenende in der Disco ist aber auf jeden Fall in Planung, sagt Walch.

2G oder 3G?

Zienert rätselt auch, ob Ungeimpfte bereit sein werden, dauernd so viel Geld für PCR-Tests zu zahlen. Daher werde es wahrscheinlich eher auf die 2G-Regel, also Geimpfte und Genesene, hinauslaufen, vermutet er. Auch Walch ist unsicher. Zwar seien aktuell zwei Drittel der Gäste im angeschlossenen Restaurant geimpft, aber trotzdem sei dieser Punkt eine der größten Schwierigkeiten bei Wiedereröffnung. "Wenn jemand keinen Test hat, nicht geimpft ist und trotzdem feiern will, dann ist es schwierig damit umzugehen."

Durch Corona waren viele gewohnt, die Wochenenden zu Hause zu verbringen. Wird also der Andrang wirklich so groß sein oder überwiegt noch die Corona-Trägheit? "Das überlegen wir auch alle. Die Resonanz ist bisher sehr gut, die Leute scheinen Lust auf feiern zu haben. Aber wie es sich dann wirklich entwickeln wird, ist fraglich", erklärt Zienert. Die ersten ein bis zwei Wochenenden würden bestimmt stark besucht werden, aber dann müsse man abwarten.

Viele hätten gesehen, dass es auch ohne Club funktioniere oder lebten vielleicht gesünder und wollten nicht mehr wie früher jedes Wochenende im Club feiern, merkt Zienert an. "Ich denke, es wird sich erst einmal ein bisschen zurückhalten. Ich hoffe aber, dass wir wieder auf das Vor-Corona-Niveau kommen." Walch ist dagegen sicher, dass es vor allem am Anfang großen Andrang geben wird. "Wir hatten zwei Jahre zu. Alle, die damals 16 waren, sind jetzt 18 und haben noch nie gefeiert. Die sind neugierig, ich denke schon, dass da was geht." Letztlich ist aber auch er sich nicht sicher.

Darauf freuen sich die Clubbesitzer

Zienert sagt, er freue sich besonders, wieder Menschen zu sehen und zusammen zu feiern. "Das brennt jedem auf der Seele. Mal wieder rauskommen, tanzen und alles Außenrum vergessen." Vor allem freut er sich für die, die während der Corona-Zeit 18 geworden sind und bisher noch keinen Club von innen gesehen haben. "Die haben so viel verpasst." Dem stimmt Walch zu. Er freue sich am meisten, sein Personal wieder zu sehen. Dieses sei wie eine große Familie. "Und natürlich freuen wir uns auf das Ganze drum herum und das Feiern an sich".

Doch wird es wirklich so unbeschwert wie früher? Walch hofft das: "Die Leute wollen einfach feiern, die haben die Schnauze voll." Zienert ist sich da nicht so sicher. Durch die Pandemie sei jeder sensibilisiert. "Aber mit ein bisschen Alkohol kommt die Euphorie dann schon wieder und die Leute feiern wie vorher", hofft er.

Die Leute wollen ausgehen und feiern. Doch ist das überhaupt noch überall möglich? Zienert und Walch ist nicht bekannt, dass es in der Pandemie-Pause ein größeres Clubsterben gegeben habe. Praktisch alle Läden in der Region planen die Wiedereröffnung. "Mit den Hilfen ging es schon", erklärt Zienert. Und nun soll es endlich wieder richtig losgehen. (Enthält Material der dpa)

Kommentar von Celina Rieß zur bevorstehenden Club-Öffnung

Oberpfalz
Thomas Walch bei einem Disco-Livestream im Happy Rock in Sulzbach Rosenberg. Ab Oktober kann er endlich wieder live mit den Gästen feiern.
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