01.09.2020 - 19:59 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Arbeitsmarkt in der Oberpfalz: Entspannung, aber keine Entwarnung

Für Jahre ging es mit dem Arbeitslosigkeit in der Region nur abwärts - bis Corona. Der Oberpfälzer Arbeitsmarkt schlägt sich nun zwar vergleichsweise gut. Probleme gibt es aber auch hier genug.

Dunkle Wolken? Schon. Aber es stand schon schlimmer um den Arbeitsmarkt in der Oberpfalz.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Arbeitslosenquote der Oberpfalz ist im August um 0,2 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent gestiegen. Im August 2019 hatte der Wert noch bei 2,8 Prozent gelegen. Damit hat Corona zwar auch in der nördlichen Oberpfalz deutliche Spuren hinterlassen. Dennoch bleibt der Regierungsbezirk der mit den besten Zahlen im Bundesland mit den besten Werten.

Eine genaue Analyse der Entwicklung sei jedoch schwer, sagt Markus Nitsch: Und der Geschäftsführer der auch für Amberg zuständigen Arbeitsagentur Schwandorf kennt den Arbeitsmarkt der mittleren Oberpfalz sicher gut. Grundsätzlich belaste die Pandemie die Wirtschaft hier genau wie anderswo. Allerdings komme die Region etwas besser damit zurecht: "In Bayern ist die Arbeitslosigkeit zum August 2019 um rund 40 Prozent gestiegen. Im Agenturbezirk Schwandorf waren es nur 34 Prozent", sagt Nitsch.

Anstieg nur halb so stark

Noch bessere Zahlen präsentiert Claudia Wildenauer-Fischer für die Landkreise Neustadt/WN, Tirschenreuth und die Stadt Weiden: Hier steige die Arbeitslosenzahl sogar "nur" um 17,5 Prozent, sagt die Bereichsleiterin der Agentur Weiden. Dies an einzelnen Branchen oder Firmen festmachen, sei aber schwer, sagt Nitsch. "Es ist wohl eher der gute Branchenmix als eine einzelne Branche." Bemerkenswert sei sicher, dass Zugpferde von früher diese Rolle derzeit nicht übernehmen. Die Autobranche habe etwa nach wie vor Probleme. "Die haben sich aber schon vor Corona abgezeichnet", sagt Nitsch. So ging die Nachfrage in der Zeitarbeit Ende 2019 zurück.

Die Zahl der Zugänge von neu arbeitslos gemeldeten Personen seit Beginn der Coronakrise liegt immer noch weit über dem Vorjahresniveau

Claudia Wildenauer-Fischer

Claudia Wildenauer-Fischer

Auch wenn sich die Oberpfalz gut hält: Weder Nitsch noch Wildenauer-Fischer sehen die Rückkehr zur Normalität in absehbarer Zeit. "Die Zahl der Zugänge von neu arbeitslos gemeldeten Personen seit Beginn der Coronakrise liegt immer noch weit über dem Vorjahresniveau", sagt Wildenauer-Fischer. Es sind vor allem Menschen aus "Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und Arbeitnehmerüberlassung", die sich derzeit bei den Vermittlern vorstellen.

Hartz-IV-Empfänger betroffen

Betroffen sind besonders Menschen ohne Ausbildung und wackeliger Erwerbsbiographie. Vor allem im Hartz-IV-Bereich nehme die Arbeitslosigkeit zu, sagt Wildenauer-Fischer. Und: Wer in jüngerer Vergangenheit längere Zeit am Stück arbeitslos war, der droht nun erneut schnell arbeitslos zu werden.

Schwer zu interpretieren sei die Entwicklung der Kurzarbeit. Dies liege auch an der Möglichkeit für Arbeitgeber, bis drei Monate rückwirkend Kurzarbeiter zu melden. Es lasse sich absehen, dass die Nachfrage sinkt, aber doch vorhanden bleibt - wohl noch länger. "Das wird mit Sicherheit bis 2021 Thema bleiben", sagt Nitsch. Die Ausweitung des Bezugszeitraums sei deshalb die "absolut richtige Entscheidung" gewesen.

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Weiden in der Oberpfalz

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