05.07.2021 - 17:29 Uhr
NürnbergDeutschland & Welt

100 Skulpturen im Freizeitpark: Eine goldene Verbeugung vor Europa

Ein Konzeptkünstler aus Nürnberg präsentiert 100 „Steh auf Europa“-Skulpturen im Europa-Park Rust. Er präsentiert Kunst – mit tiefen politischen Botschaften.

Konzeptkünstler Ottmar Hörl trägt seine Idee von Europa auf Händen.
von Helmut KunzProfil

Rust. Zu Ehren von Europa-Park-Gründer Franz Mack, der im letzten Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, funkeln seit Freitag 100 goldfarbene „Steh auf Europa“-Skulpturen vor „Schloss Balthasar“ in der Sonne. Die Installation in Deutschlands größtem Freizeitpark wurde von Ottmar Hörl (71) gestaltet. Er zählt zu den bedeutendsten Konzeptkünstlern Deutschlands im öffentlichen Raum. Seine Arbeiten finden sich im In- und Ausland. Zu seinen vielleicht bekanntesten Werken zählen die Euro-Skulptur vor dem Eurotower in Frankfurt, die größte Skulptur Europas, „Mr. Quick“ vor dem Gebäude der dpa, "Das große Hasenstück" mit 7000 Dürer-Hasen in Nürnberg oder auch die Installation 10000 „Eulen nach Athen tragen“ anlässlich der Olympiade in Athen.

Hörl, ein bekennender Europäer, dozierte von 1999 bis 2017 als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Er wohnt heute in Wertheim. Warum er seine leuchtenden Figuren als Stehaufmännchen entworfen hat, erklärt er im Gespräch mit Oberpfalz Medien: „Das soll nicht bedeuten, dass Europa wankelmütig ist, sondern, dass es flexibel ist." Dies sei auch der Hintergrund, wieso er überhaupt auf die Idee gekommen sei, Europa in Form eines Kinderspielzeugs zu gießen. „Als Stehaufmännchen bringt es sich immer wieder in eine stabile Position.“

„Ich finde Europa unverzichtbar. Dass ein Staatenverbund mit so vielen Kulturen und unterschiedlichen Denkweisen nicht statisch ist, das ist doch die beste Voraussetzung, dass es funktioniert.“ Europa sei in ständiger Bewegung, nehme immer wieder neue Konturen an. „Der eine fliegt raus oder geht, man ist unterschiedlicher Meinung, man streitet sich. Aber die Idee bleibt.“ Dies sei sein ganz persönlicher Eindruck von Europa. „Nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Das Konstrukt kann sich nach allen Seiten hin bewegen. Und letztendlich merken wir, dass es gar keine Alternative zu Europa gibt.“

Einsatz für Europa

Dafür kämpfe er und das unterstütze er auch. „Europa bekommt man nicht umsonst. Das ist Arbeit. In Demokratien muss gearbeitet werden. Das nenne ich Gestaltung.“ Ob man in den als Kugel geformten Unterbau seiner anmutigen, durchaus selbstbewussten, weiblichen Skulptur auch ein Stück weit Globalisierung hineininterpretieren könne? „In ein Kunstwerk kann man alles hineininterpretieren.“ Der Künstler gebe nur den Anstoß. „Was ich denke, ist erst einmal uninteressant. Viel interessanter ist, wie Menschen eine Figur annehmen, wie sie die für sich persönlich neu gestalten."

Ob ein Betrachter in Hörls Skulptur eine Weltkugel erkenne oder die Rundung nur als eine flexible Idee verstehe, bleibe jedem Betrachter selbst überlassen. „Das ist immer wichtig. Am Schlimmsten ist es doch, wenn eine Skulptur überhaupt keine Reaktion auslöst. Wenn sie so belanglos ist, dass jeder an ihr vorbeigeht und keiner ein Problem hat mit ihr.“ Dann nämlich sei der Künstler mit seiner Arbeit gescheitert und habe Fehler gemacht. „Solange Aufmerksamkeit vorhanden ist, denken die Menschen nach.“

„Europa ist für mich ein Selbstverständnis. Als Deutscher für Europa zu sein, ist eine Verpflichtung. Wir sollten darum kämpfen, dass es immer interessant bleibt." Natürlich beschäftige er sich neben Europa auch mit anderen Themen, sagt er. Seine „Steh auf Europa“-Figur sei keine Einzelkonzeption, sondern das Ergebnis eines gruppendynamischen Prozesses. „In diesen Prozess sind unterschiedliche Menschen mit ihren Gefühlen und Meinungen eingebunden.“ Die „Europa“-Skulptur, wie er sie geschaffen habe - „ich habe sie dreimal geändert“ - mit all ihrer Instabilität, passe doch exakt in diesen „Europa-Park“ mit seiner liberalen Haltung.

Bis Ende Oktober

Die Figur besteht aus Kunststoff und wurde zweiteilig in einem komplexen Verfahren gegossen. „Ich will meine Figuren ohne Naht haben und hier gibt es in Deutschland nur zwei Unternehmen, die das können. Und die sitzen in Coburg.“ Der Kunststoff komme in eine geschlossene Form, werde im Schleudergussverfahren gehärtet und mit Vakuum aus der Form herausgeholt. „Das ist wie ein Geburtsvorgang.“

Die Edition "100 Jahre Franz Mack" bleibt bis Ende Oktober im Europapark. Anschließend können die vom Künstler signierten Stehaufmännchen über die Galerie Friese in Berlin erworben werden.

Bühne frei in Wunsiedel

Wunsiedel

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