Die Geschichte hinter dem Tattoo: Wenn die Zeit plötzlich stillsteht

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Hinter vielen Tätowierungen steht eine besondere Geschichte. In dieser Folge unserer Serie erzählt Michaela, warum sie eine kaputte Uhr auf dem Unterarm hat und was es mit den drei Kolibris auf sich hat.

Kolibris, eine kaputte Uhr und Kirschblüten zieren den Arm von Michaela.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Auf der Uhr auf Michaelas (Name von der Redaktion geändert) Arm ist es 15.20 Uhr. Es ist der Todeszeitpunkt von Michaelas Mutter. "Ich habe mich für dieses Tattoo entschieden, weil das das bisher für mich einschneidenste Erlebnis war", erzählt die 25-Jährige aus dem Landkreis Neustadt/WN. Die Uhr ist kaputt. Die Zeit ist stehen geblieben. Michaelas Mutter ist 2016 ganz unterwartet gestorben. "Da ist damals in meinem Leben viel kaputt gegangen", blickt die Tochter zurück.

2018 entscheidet sich Michaela dazu, diesen Moment in ihrem Leben in einem Tattoo zu verewigen. Als Stelle wählt sie ihren linken Arm. "Eigentlich wollte ich nie ein Tattoo an einer sichtbaren Stelle", sagt Michaela, die sich zum ersten Mal mit 18 Jahren hat tätowieren lassen. Ihr linker Unterarm aber ist mit vielen kleinen Narben übersät. Sie erinnern Michaela an eine Zeit, in der es ihr nicht so gut ging. "Ich stehe zu diesen Narben. Aber es hat mich genervt, dass mich ständig fremde Menschen auf meine Narben angesprochen haben", sagt sie. Deswegen die Idee mit dem Tattoo. "Mir war aber auch klar, dass ich an dieser Stelle etwas haben will, das für mich eine Bedeutung hat." Auch hat es lange gedauert, bis Michaela jemanden gefunden hatte, der ihr ein Tattoo über die Narben stechen wollte. "Das machen nicht viele Tätowierer: Es besteht die Gefahr, dass die Farbe nicht hält oder verläuft."

Jetzt schmücken den Arm drei Kolibris, die kaputte Uhr und Kirschblüten. Bis auf einzelne Farbakzente ist das Tattoo eher in schwarz gehalten. "‚Quietschbunt‘ passt nicht zu mir."

Die zartrosa Kirschblüten stehen in der japanischen Kultur für die Toten. "Sie sind oft auf Gräbern oder Gedenkstätten zu sehen", erklärt Michaela. "Sie stehen für Schönheit und Vergänglichkeit, für Neuanfang und Hoffnung." Die drei Kolibris symbolisieren für die 25-Jährige eine "grenzenlose Freiheit". Einer der Vögel steht für Michaelas Mutter, einer für sie selbst und einer für ihre Schwester. "Meine Eltern haben sich getrennt als ich klein war. Meine Mama, meine Schwester und ich, wir drei waren ein Team."

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